Musikalische Abende im Büsinghof

Keineswegs wie Kühlschränke

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Bei der African Caribbean Night holen Susu Bilibi und Salsa Verde so manche Tanzbegeisterte von den Bänken.

Offenbach Vom Gefühl für Atmosphäre, von Frauen, die zu Stones, Reggae und Salsa tanzen, warum Deutsche über Hitze nicht klagen brauchen und von Bongotrommeln samt scharfem Blech: Offenbach rockt & African Carribean Night im Büsinghof liefern viele Eindrücke. Von Stefan Mangold

Offenbach Vom Gefühl für Atmosphäre, von Frauen, die zu Stones, Reggae und Salsa tanzen, warum Deutsche über Hitze nicht klagen brauchen und von Bongotrommeln samt scharfem Blech: Offenbach rockt & African Carribean Night im Büsinghof liefern viele Eindrücke. Mit Gerüchen aus früheren Zeiten verhält es sich ähnlich wie mit alten Songs: Ehe man weiß, woher man sie kennt, steigt ein atmosphärisches Gefühl in einem auf. Sie habe unbedingt vors Büsingpalais gewollt, als sie von der Simon & Garfunkel Revival Band auf dem Plakat zu „Offenbach rockt“ gelesen habe, erzählt Mahshid Najafi am Freitag.

Die 62-jährige Offenbacherin verbindet den Sound mit ihrer Uni-Zeit im Iran. Zwei Kommilitonen spielten oft Lieder des Duos. Najafi begriff die Texte in der Schah-Diktatur auch politisch, etwa die Zeile „All your dreams are on their way“ in „Bridge Over Troubled Water“: Alles wird gut...

Mit „lyrischen Graffiti“ vergleicht Michael Frank die Songs. Er ist der Kopf der Wiederbelebungs-Band aus Erfurt. Dem legendären Central-Park-Konzert 1981 hörte er als Jugendlicher nachts im West-Fernsehen zu. Der 50-Jährige harmoniert stimmlich hervorragend mit Guido Reuter (35). Blitzsauber intonieren die beiden „The Sound Of Silence“. Frank kann den Begriff Coverband nicht leiden: „Wir interpretieren die Stücke – wie ein Orchester klassische Sinfonien.“ Günter Doll, der seit Jahrzehnten solche Konzerte organisiert, hat Recht, wenn er meint, früher hätten Pop-Formationen mehr Zeit gehabt, sich zu entwickeln: „Heute verschwinden die meisten rasch in der Versenkung.“

Die Rolling Stones sind ein halbes Jahrhundert über diese Gefahr hinweg. Vor 600 Gästen in Offenbach spielen die Glitter Twins nicht nur deren Lieder aus den Sechzigern. Vor der Bühne stolziert eine Frau bei „Sympathy For The Devil“ oder „Ruby Tuesday“ wie der legendäre Frontsänger der Gruppe hin und her. Oben singt und tanzt dazu der drahtige, durchtrainierte Peter Schmidt, ein kleiner Mick Jagger an der Herrnstraße.  Zu Beginn des Abends hat Sissi A. die Amis von Creedence Clearwater Revival (CCR) wieder aufleben lassen. Nicht nur Doll beeindruckt das instrumentale Niveau.

So wirkt Musik auf unseren Körper

Am Samstag erklingen bei der African Caribbean Night an gleicher Stelle ganz andere Töne. Susu Bilibi, deren Musiker aus Togo und Ghana stammen, besteht in wechselnden Formationen seit 1983. Zwischen Bühne und Bänken tanzt ein gutes Dutzend Frauen, bei Bob Marleys „No Woman No Cry“ werden es noch mehr. Im Publikum hinten sitzt der Mühlheimer Thorsten Ehmann. Der Ingenieur arbeitete in den 90ern als Entwicklungshelfer in Burkina Faso und verbringt dort noch immer mehrere Wochen pro Jahr: „In der Hauptstadt Ouagadougou hat es heute 34 Grad.“ Vergleichsweise frisch, bei allerdings hoher Luftfeuchtigkeit, weil Regenzeit. „Ganz Deutschland hängt nach einem Hitzetag in den Seilen, in Afrika müssen sie trotzdem mit der Hacke aufs Feld“, sagt er.

Nach Susu Bilibi greifen die 13 Musiker von Salsa Verde vor zirka 400 Besuchern zu den Instrumenten. Die südamerikanischen Rhythmen wirken treibender als die eher gelassenen westafrikanischen. Den Sound bestimmt das klangliche Amalgam aus Bongotrommeln und scharfem Blech.

Eine Südamerikanerin in rotem Kleid tanzt mit ihrer Tochter. Es lässt sich ahnen, was Berti Vogts mit dem Satz meinte, auf dem Parkett wirkten wir Deutsche „im Vergleich zu denen wie Kühlschränke“. Diesmal nicht: Die Paare, die sich in den Seitenflügeln unter den Bögen elegant bewegen, brauchen sich nicht zu verstecken.

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