Klangvoll gegen Armut

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Diese Kinder haben Glück – ihre Eltern können sich musikalische Früherziehung leisten. Nach den Herbstferien sollen auch Kinder aus Familien, die Hartz IV beziehen, diese Chance bekommen. Die Wolfgang-Grunau-Gedächtnisstiftung ermöglicht dies in Zusammenarbeit mit der Offenbacher Musikschule und kooperierenden Kitas.

Offenbach - Das Klischee trifft leider immer noch allzu oft zu: Kinder armer Familien verbringen ihren Tag vorm Fernseher, während Töchter und Söhne wohlhabenderer Familien zum Musikunterricht gehen. Nicht etwa Desinteresse oder mangelnde Begabung sind der Grund dafür. Von Veronika Szeherova

Hartz-IV-Familien können sich die Musikinstrumente und -stunden nicht leisten. Zwar bietet seit April das Jobcenter der MainArbeit sogenannte Bildungsgutscheine an, die den Zugang zu kultureller und sozialer Teilhabe erleichtern sollen. Etwa 5000 Anträge auf diese Leistungen wurden seitdem bewilligt. Doch decken auch diese nicht den vollen Betrag ab, den etwa Musikunterricht in Anspruch nimmt.

Genau dieses Problem macht die Wolfgang-Grunau-Gedächtnisstiftung mit Sitz in Offenbach zum Inhalt ihrer Förderung. Sie übernimmt für Kita-Kinder aus sozial benachteiligten Familien den Differenzbetrag zwischen Bildungsgutschein und Kursgebühren und ermöglicht so den Unterrichtsbesuch. Auch für Kinder, die nicht mehr den Gutschein erhalten, aber ermäßigte Kitagebühren bezahlen, übernimmt die Stiftung die Kosten für die musikalische Früherziehung.

Claudia Zinecker, Leiterin der Musikschule, und ihr Stellvertreter Simon Waldvogel freuen sich: „Ein lang gehegter Wunsch geht für uns in Erfüllung. Keinem Kind mit dem entsprechenden Begabungs- und Entwicklungspotenzial sollte diese Chance vorenthalten werden.“ Seit etwa einem Jahr führte die Leitung der Musikschule daher intensive Gespräche mit der Wolfgang-Grunau-Gedächtnisstiftung und erarbeitete ein Konzept. Nun geht die Planung in die Endphase. Vor kurzem gab es ein organisatorisches Treffen mit der Leitung des Eigenbetriebs Kindertagesstätten Offenbach (EKO) sowie Gespräche mit den freien und kirchlichen Trägern, um zu klären, wie das Projekt in der Praxis ablaufen soll. Los geht es nach den Herbstferien.

Förderprojekt wird für alle Kitas angeboten

Das Förderprojekt wird für alle Kitas angeboten, die mit der Musikschule kooperieren. Das sind die meisten städtischen Kindertagesstätten sowie Kitas der katholischen Kirche und solche in freier Trägerschaft. Zu den Kursen können sich alle Kinder dieser Einrichtungen anmelden.

Diejenigen, die den Bildungsgutschein in Anspruch nehmen, kreuzen dies einfach im Anmeldeformular an. „Sie erhalten dann automatisch den Differenzbetrag zur Kursgebühr von der Stiftung hinzu, so dass der Besuch kostenlos ist“, erläutert Zinecker. Die Förderung der Stiftung ist zunächst auf eine bestimmte Zahl Kinder beschränkt. Allerdings sicherte die Stiftung zu, bei darüber hinausgehendem Bedarf über eine Aufstockung der Fördermittel nachzudenken.

Was ist mit den Kitas, in denen die Musikschule nicht vertreten ist? Der große Wunsch von Zinecker und Waldvogel ist es, die musikalische Früherziehung mit Hilfe der Wolfgang-Grunau-Gedächtnisstiftung auf alle auszuweiten, um noch mehr Kinder erreichen zu können. „Die Initiative dafür muss aber von den Trägern der Kitas ausgehen, die uns einen konkreten Bedarf sowie ihren Kooperationswunsch signalisieren müssen“, erklären die Musikschulleiter.

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