Muskelmann versteckt seine Waffen in der Unterwäsche

Offenbach - (mcr) Muskelkraft schließt Charakterschwäche nicht aus. Dass erstere letztere eher noch befördert, lässt ein 40-jähriger Fitnesstrainer vermuten, den das Offenbacher Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Manfred Beck wegen illegalen Waffenbesitzes zu 15 Monaten Freiheitsstrafe verurteilt hat.

Und auch dem Mann, dem der so Gestrafte seine Enttarnung als Waffennarr zu verdanken hat, muss keine edle Motivation für die plötzliche Besinnung auf seine Staatsbürgerpflichten unterstellt werden. Der Informant stand selbst vor Gericht, war des Handels mit illegalen Muskelaufbaupräparaten überführt und erkaufte sich ein milderes Urteil, indem er den Fitnesstrainer als Abnehmer seiner Aufpump-Pillen an Justitias Messer lieferte. Die Entdeckung der Waffen war dann quasi Nebeneffekt der eigentlich auf die verbotenen Muskelmittel zielende Wohnungsdurchsuchung beim 40-Jährigen.

Die gestaltete sich nur eingangs etwas schwierig. Zwischen den Fahndern und dem Verdächtigen stand dessen Lebensgefährtin. Sie öffnete die Tür und versuchte, die Beamten an der Nase herumzuführen, indem sie etwas Wartezeit verlangte, weil das Essen auf dem Herd anzubrennen drohe. Die Polizisten hatten allerdings den richtigen Riecher, rochen aus der Küche nämlich gar nichts außer Verrat, und interpretierten folgerichtig, dass das „Bin gleich wieder da“ der Frau als „Warne nur schnell meinen Freund“ zu verstehen war. Die Durchsuchung startete also doch sofort und hatte doppelten Erfolg. Neben Pillen entdeckten die Ermittler eine Pump-Gun und eine Pistole - beide ohne große Kreativität versteckt im Schlafzimmer unter der Wäsche.

Ob es sich bei den Tabletten um die vermuteten Präparate handelt oder nicht, wird erst die chemische Analyse im Labor ergeben. Sollten es die illegalen Pillen sein, muss der Fitnesstrainer demnächst vielleicht hinter Gittern trainieren. Dieses Schicksal bleibt ihm momentan noch erspart, weil er sich im Prozess um den illegalen Waffenbesitz geständig und reuig zeigte und Richter Beck die 15 Monate Knast zur Bewährung aussetzte. Das Gericht kam zur „Überzeugung, dass der Mann nur aus Imponiergehabe die Waffen angekauft hatte. Er gab unter Freunden wahrscheinlich mit den Waffen an oder erfreute sich an ihrem Anblick nur selbst. Hinweise darauf, dass der Mann die Waffen hatte einsetzen wollen, gab es nicht.“

Stattdessen gibt es nun auf dem Bankkonto des Verurteilten deutliche Hinweise auf seine Sünden - er muss neben Gerichts- und Anwaltskosten 2 000 Euro an gemeinnützige Einrichtungen zahlen.

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