Der Typ muss zur Mode passen

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Kopf hoch, Brust raus, Bauch rein. Acht Meter Laufsteg bis zu Stefanie Schmid und Peyman Amin (v.l.), die zusammen mit Jutta Schmitt in der Jury für die Modenschau sitzen.

Offenbach - Sie schubsen und drängen oder zögern und zieren sich. Am Ende stolzieren, latschen oder huschen sie aber alle über den Laufsteg – wenigstens einmal im Leben. Acht Meter bis zur Jury. Und wieder zurück. Von Katharina Hempel

Mehr als 16 Meter im Rampenlicht werden für die meisten der über einhundert – hauptsächlich weiblichen – Teenager und ein paar um die 20-Jährigen nicht herausspringen, die vorgestern zum exklusiven Casting mit Peyman Amin ins Einkaufszentrum KOMM gepilgert sind.

In der Schlange warten auch Yusuf und Abu. Mit ihren 1,90 beziehungsweise 1,83 Metern Körpergröße können sie die Menge fast problemlos überblicken. Auf ihren Hemden kleben die Nummern 59 und 60. Der 17-jährige Yusuf kommt aus Zellhausen, und ist „zufällig hier“, wie er sagt. Sein Kumpel aus Obertshausen schiebt die Teilnahme am Casting auf den Gruppenzwang in ihrer Clique.

Wie die meisten anderen, kennen auch die beiden Jungs Peyman aus dem Fernsehen, wo er Heidi Klum bis zur vorletzten Staffel half, „Germany’s next Topmodel“ (GNTM) zu finden. Für die Modewoche im Einkaufszentrum macht er sich nun einen Nachmittag lang in Offenbach auf Modelsuche. Ihm unterstützend zur Seite sitzen Visagistin Stefanie Schmid und Jutta Schmitt von der organisierenden Agentur. „Für die Modenschau brauchen wir höchstens 15 Models. 54 sind bisher in der näheren Auswahl, bestimmt doppelt so viele sind nicht weiter“, lautet das Zwischenfazit von Jurorin Schmitt nach einer Stunde Casting. Drei weitere Stunden stehen ihr noch bevor.

Jedes Jurymitglied berücksichtigt unterschiedliche Kriterien, von denen abhängt, ob aus den 16 Metern Laufsteg mehr werden oder nicht. Die Gewinner dürfen heute bei einer Modenschau mit den GNTM-Teilnehmerinnen Aleksandra und Marie-Luise die neue Herbst/Winter-Kollektion präsentieren.

Visagistin Schmid achtet darauf, wie verwandelbar das Gesicht der Teilnehmerinnen ist. „Es muss natürlich und hübsch sein, aber auch verschiedene Rollen darstellen können.“ Jutta Schmitt wiederum schaut, „dass ein gewisses Grundtalent fürs Laufen da ist“. Schließlich hat sie nach dem Casting nur noch einen Tag Zeit, um den Nachwuchsmodels den richtigen Gang beizubringen.

„Sie müssen eine gute Figur auf dem Laufsteg machen. Gardemaße oder Erfahrung sind heute nicht notwendig. Wichtig ist, dass sie Spaß beim Laufen haben“, erklärt Model-Agent Peyman. Die Größe ist indes auch bei diesem Casting nicht unwichtig: Wer nicht mindestens 170 Zentimeter misst, fliegt raus. „Kandidatin Nummer 51 hat den besten Laufstil bisher und rockt den Laden mit Highheels“, so Peyman, kann aber trotz hoher Absätze nicht über ihre 1,64 Meter Körpergröße hinwegtäuschen. Zu klein ist zu klein. Da nützen auch keine Hilfsmittel – weder Fotos, noch interessante Haarkonstruktionen. Marcus, Anfang 20, trägt seine blonde Mähne nestartig um den Kopf gewickelt, doch auch ihm fehlen Zentimeter.

„Next“, ruft Peyman. Also, der nächste bitte: Auf Kandidat Nummer 59 folgt 60. Abus blaue Augen, umrahmt von dichten, langen Wimpern überzeugen. Sein Freund Yusuf ist zuvor ausgeschieden. „Sein Typ ist nicht schlecht, passt aber nicht zur Mode.“ Manchmal stimmt das wohl, manchmal scheint es nur ein netter Ausdruck zu sein für „du siehst nicht gut aus“.

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