Seminar zu Hygiene

Lebensmittelrecht: Muss ein Spuckschutz sein?

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Wer, wie hier Marienschülerinnen bei einem Straßenfest, frisch gebackene Waffeln feilbieten will, muss bestimmte Bedingungen erfüllen Und Hygienevorschriften beachten

Offenbach - Kuchen backen fürs Sommerfest im Kindergarten, Grillwürstchen zum Freizeitkickerturnier, selbstgemachte Marmeladen beim Schuljubiläum. Schüler, Eltern, Erzieher und Freiwillige kümmern sich einfallsreich ums leibliche Wohl ihrer Gäste. Von Harald H. Richter

Doch oftmals fehlt es an ausreichenden Kenntnissen über Hygienebestimmungen und Vorschriften des Lebensmittelrechts, deren Einhaltung kommunale Ämter konsequent kontrollieren sollen. Wer als Veranstalter unsicher ist, tut gut daran sich zu erkundigen.

Einige Antworten auf drängende Fragen gibt ein Seminar von Volkshochschule und Freiwilligenzentrum. Rat und Hilfe erteilen jedoch auch die Behörden. „Dort sitzt schließlich die geballte Kompetenz, die sämtliche 40 Gesetze aus dem Effeff zu kennen hat“, sagt der referierende Rechtsanwalt Malte Jörg Uffeln nicht ohne Augenzwinkern.

Spielregeln müssen eingehalten werden

Ganz gleich, ob das Feilbieten von Lebensmitteln auf Gewinnerzielung ausgerichtet ist oder die Erzeugnisse unentgeltlich abgegeben werden, um die Erfüllung einiger Spielregeln kommt man kaum herum. Nicht jeder, der Beköstigung gegen Bezahlung anbietet, ist gleich unternehmerisch tätig. Das Recht kennt Ausnahmen. „Die gelten aber beispielsweise nicht für Tafeln und auch nicht für Kindereinrichtungen, wenn dort für die Kleinen regelmäßig Essen gekocht und verteilt wird“, betont Jurist Uffeln.

Solche Einrichtungen müssen ihre Mitarbeiter und sonstige Personen, die mit Zubereitung und Ausgabe beauftragt sind, schulen und mit Vorschriften vertraut machen. Das gilt auch für Eltern, die freiwillig bestimmte Aufgaben übernehmen.

Verbraucherschutz kontrolliert

Die konkreten Pflichten ergeben sich aus Hygienebestimmungen und Infektionsschutzgesetz (IfSG). Verbraucherschützern obliegt es, deren Einhaltung zu kontrollieren und bisweilen auch Verstöße dagegen zu ahnden – in Offenbach geschehen bei diversen Weihnachtsmärkten und Festen. Wer dort zum Beispiel Gelees oder frische Waffeln verkauft, muss die Zutaten auf einer Liste nachweisen können, Heißwasser verfügbar halten und manches mehr bedenken. Ferner spielt die sorgfältige Zubereitung und Darreichung für den Verkauf eine wichtige Rolle. Zu achten ist auf ordentliche Personalhygiene und Sauberkeit der entsprechenden Geräte, erforderlichenfalls auf Kühlung und vorschriftsmäßige Abfallentsorgung. Vieles ist schriftlich zu dokumentieren.

Am Beispiel eines Kuchenbüffets wie am Wochenende beim Jubiläum der Kinder- und Jugendfarm macht Uffeln allerdings auch Auslegungsspielräume deutlich. Beamte halten einen Spuckschutz für geboten, der Jurist sieht das nicht ganz so eng. Vor allem, wenn der angebotene Blechkuchen in Nullkommanix seine Abnehmer findet und daher nicht lange im Freien herumsteht.

Claudia Schmidt, im Vorstand des Waldkindergartens „Die Wühlmäuse“ aus Nieder-Roden, wirft die Frage auf, wie denn im Falle eines Selbstbedienungsbüffets zu verfahren sei: „Man kann doch nicht jede Salatschüssel mit einem Deckel oder die Tafel rundherum mit Spuckschutz versehen, wer kommt denn da noch ans Essen?“

Keine Patentlösung

Da runzelt der Jurist die Stirn, die beiden in der Runde sitzenden Veterinäramtler blicken nachdenklich drein. Eine Patentlösung können also auch sie nicht nennen. Dafür hat der Anwalt Buchtipps und Internetlinks parat. Auf der Homepage des Amts für Veterinärwesen und Verbraucherschutz gibt es Informations- und Meldeblätter.

Und welcher Imbiss eignet sich nun fürs Straßenfest am besten? Weniger schnell verderblicher Mundproviant ist allemal eine gute Option. Gebratene Hackbällchen ja, Mettbrötchen nein, denn sie bergen ungeahnte Risiken. Uffeln: „Was gar nicht geht, sind Hackepeter und rohes Mett für kleine Kinder, da schreit es doch förmlich nach Salmonellenerkrankung.“

Reichlich Wissen nehmen die Seminarteilnehmer, darunter Tierheimleiterin Gudrun Lincke und zwei ihrer Vorstandsmitglieder, mit auf den Nachhauseweg. Auch Claudia Schmidt fühlt sich besser gewappnet – vor allem fürs kommende Frühlingsfest ihrer Einrichtung.

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