„Goethe Lectures Offenbach“ im Klingspormuseum

„Muss über den Fluss“

Offenbach - Jetzt kommen die Frankfurter schon zum Studieren hierher! Für die neue Vortragsreihe „Goethe Lectures Offenbach“ wird das Klingspormuseum zu einer Art Außenstelle der Universität. Von Markus Terharn

Zielgruppe sind aber vor allem die örtliche Kreativwirtschaft und die Stadtgesellschaft. Kooperationspartner ist das städtische Amt für Wirtschaftsförderung. Chef Jürgen Amberger verspricht sich viel davon. „Eine Studie aus dem Jahr 2007 hat gezeigt, dass fast 80 Prozent der in der Offenbacher Kreativszene Tätigen einen Hochschulabschluss haben.“ Mehr als die Hälfte habe in der Region studiert, allein 14 Prozent an der (kleinen) Hochschule für Gestaltung. „Dieses Netz sollten wir nutzen“, so Amberger. Dass in der Stadt Publikum für anspruchsvolle Referate vorhanden ist, habe sich 2013 gezeigt: Da sprach der Jurist Professor Dr. Klaus Günther darüber, „Wie die Schrift dem Recht zu seinem Recht verhalf“. Der Vortragsraum unterm Klingspor-Dach war mit 80 Zuhörern „übervoll“, erinnert sich Amberger, „und das im Sommerloch“.

Der Wissenstransfer in die Stadtgesellschaft ist das Ziel. Der Weg sind vier Abende, gestaltet von Lehrenden des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ der Goethe-Uni. Den Auftakt besorgt Professor Dr. Sighard Neckel am Donnerstag, 21. Mai, 19 Uhr. Thema ist der Burnout. Dem nähert sich der Soziologe nicht medizinisch, sondern mit den Mitteln seiner Disziplin und mit den Möglichkeiten seiner Stadt. Am Finanzplatz Frankfurt befragten Forscher die Betroffenen zu den Folgen der Bankkrise des Jahres 2008 für sie. „Auffällig oft“, so Neckel, war da von Erschöpfung bis hin zum klinischen Kollaps die Rede. Für ihn ein Grund, Veränderungen in der Arbeitswelt nachzuspüren. Neckels Beobachtung: „Viele sehen sich in einer Kette von Bewährungsproben. Da kann man immer scheitern.“ Befristete Verträge, Evaluation der Ergebnisse und die Frage „Habe ich eigentlich genug gearbeitet?“ sind weitere Stichworte.

Und was ist ein Exzellenzcluster? „Den Begriff haben wir uns nicht ausgesucht“, versichert Klaus Günther als dessen Co-Sprecher und lächelt entschuldigend. Cluster sind auf Neudeutsch das, was früher interdisziplinärer Sonderforschungsbereich hieß, finanziert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Die Exzellenzinitiative von Bund und Ländern hat sich 2005 vorgenommen, deutsche Universitäten im internationalen Wettbewerb zu stärken. Der Exzellenzcluster Normative Ordnungen, laut Günther einer der wenigen auf geistes-, sozial- sowie rechtswissenschaftlichem Gebiet, befasst sich mit dem Wandel der modernen Gesellschaft im Zeichen der Globalisierung. Und der Cluster ballt sich nicht im Elfenbeinturm, betont Geschäftsführerin Rebecca Caroline Schmidt. Diskussion und Teilhabe seien wichtig. Und warum das alles in Offenbach? „Man muss über den Fluss, wie es Goethe selbst einst getan hat“, meint Schmidt. Sie nennt die Stadt einen „interessanten Standort“, lobt die Wirtschaftsförderung als „idealen Partner“ und preist das Klingspormuseum als „Ort des Wissensaustausches“.

Impressionen von der „Nacht der Museen“ 2016

Dies freut dessen Leiter Dr. Stefan Soltek: „Das ist ein ganz besonders glücklicher Moment für mich.“ Passend zum Eröffnungsthema zückt er einen Holzschnitt Frans Masereels, einen Erschöpften darstellend. Auch zu den übrigen „Goethe Lectures“ will er Entsprechendes finden.

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