Prozess gegen 24-jährigen Offenbacher

Mit Messer und Bratpfanne: Mutter brutal getötet

Offenbach - Szenen wie aus einem Horrorfilm, überall Blut: ein 24-Jähriger Offenbacher soll seine Mutter mit zig Stichen und Schlägen ermordet haben. Der Täter scheint psychisch krank. Nun bewertet das Darmstädter Landgericht den Fall. Von Silke Gelhausen-Schüßler 

„Ich habe eben meine Mutter umgebracht!“ Der Satz wurde nicht etwa in einer fragwürdigen Unterhaltungsshow eines Privatsenders aufgenommen. Nein, derjenige, dem das Bekenntnis vor neun Monaten am Polizeinotruf über die Lippen kam, trieb auch keinen bösen Unfug. Er meinte es bitterernst: Zu dem Zeitpunkt war die 46-jährige Offenbacherin in ihrem Schlafzimmer schon fast verblutet. Ihr Sohn hatte sie mit Fäusten und einer Bratpfanne geschlagen und mit 95 Messerstichen regelrecht abgeschlachtet. Eine Szene wie im Horrorfilm muss sich den Einsatzkräften geboten haben.

Seit gestern muss sich Anastasios T. (24) nun vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Darmstadt verantworten. Die Anklage lautet „Totschlag im Zustand der Schuldunfähigkeit“. Der Angeklagte ist geständig, doch inwieweit der junge Mann tatsächlich ohne Steuerungsfähigkeit handelte, stellt sich gleich zu Beginn des ersten Verhandlungstages als das große Fragezeichen heraus. Vom Motiv ganz zu schweigen. Unzählige Prozesse um Tötungsdelikte hat der Vorsitzende Richter Volker Wagner schon geleitet. Jeder ist anders, dieser derart speziell, dass ihm der Hilferuf „Hollywood ist nichts dagegen!“ entfährt. Der Angeklagte ist entweder ein guter Schauspieler, der es meisterhaft versteht, für immer mehr Verwirrung anstatt für Aufklärung zu sorgen, oder er ist tatsächlich ernsthaft psychopathisch – er soll sich selbst dahingehend in diversen Internet-Tests positiv geklickt haben. Außerdem äußerte er in diversen Vernehmungen extrem brutale Fantasien, in denen er die Leiche der Mutter noch weiter schänden und auch seinen Vater umbringen wollte.

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Jetzt sitzt der bärtige, korpulente Mann mit dem Kapuzenpulli – optisch eher Typ Brummbär als Psychopath – vor der Strafkammer und erinnert sich nur an wenig, was mit der Tat zu tun hat. Aber mit selbstbewusster, fester Stimme, wie man sie von Angeklagten nur selten zu hören bekommt, erklärt er: „Ich wollte schon vorher zum Psychologen, weil mit mir was nicht stimmt. Freunde hatten mir auch dazu geraten.“ Nach einem kurzen Aufenthalt in Untersuchungshaft wurde er in die Psychiatrie nach Haina verlegt, das hatte der JVA-Psychologe befürwortet: „Kurz nach der Tat wirkte er extrem gefühlskalt und äußerte sich freimütig über sein Handeln. Er hat geantwortet, als sei er nicht er selbst. An den Folgetagen war er dagegen ein anderer Mensch: weinerlich, zittrig, sogar etwas reuig. So eine extreme Persönlichkeitsspaltung hab ich noch nie erlebt.“

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Ähnlich schildert Claus-Michael Reimers, Polizeiarzt in Offenbach, den jungen Griechen in der Tatnacht: „Bei der Blutabnahme war er sehr ruhig, höflich, völlig klar und sachlich. Das war mir derart unheimlich, dass es schon wieder authentisch sein konnte.“ Drogen und Alkohol seien dabei nicht im Spiel gewesen.

Der als Zeuge vernommene Vater kann sich das Ganze erst recht nicht erklären. „Er ist der beste Kerl, wo ich kenne!“ erklärt der Obertshausener, „Wir waren drei Tage vor der Tat zusammen essen, da war er völlig normal. Wir haben über seine abgebrochene Berufsausbildung geredet.“ Er räumt ein, dass Anastasios immer wieder Streit mit der Mutter gehabt habe, mit der er in einer Wohnung lebte. Die sei seit langem schon psychisch angeschlagen. Die genaue Diagnose ihrer Krankheit kenne er aber nicht. Sie habe das Kind in frühen Jahren oft nicht gut behandelt. Noch am Abend vor der Bluttat habe er versucht, telefonisch zwischen den Beiden zu schlichten. Er hingegen habe nie Probleme mit dem Einzelkind gehabt, nach der Trennung habe der Sohn acht Jahre bei ihm gelebt. Für den Prozess hat das Gericht fünf Verhandlungstage eingeplant.

Rubriklistenbild: © Archiv: Polizei

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