Rätsel um Dreck von oben gelöst

Und es waren doch die Bienen

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Robert Stroh ärgert sich im Sommer 2012 über Bienenkot. Flugzeuge waren nicht schuld.

Offenbach - Flugzeuge, die Offenbach überqueren, geraten häufiger in Verdacht, für. Verunreinigungen am Boden verantwortlich zu sein. Hinsichtlich von Spuren auf Automobilen sind die Jets jetzt entlastet. Die Goethe-Uni sagt: Es war Bienenkot. Von Thomas Kirstein

Am 3. Juli lautet unsere Schlagzeile „Rätsel um Dreck von oben“. Karosseriebauer Robert Stroh (KBO Rhein-Main GmbH, Schumannstraße) und Autovermieter Giuseppe Monetti (Buchbinder, Waldstraße) klagen über Verunreinigungen von Karosserien. Beide fühlen sich als Opfer von Einflugschneisen, gehen aber von unterschiedlichen Übeltätern aus.

Stroh verdächtigt die sechsbeinigen Bewohner des benachbarten Lehrbienenstands in der Eberhard-von-Rochow-Straße. Monetti bezichtigt die Flugzeuge. Mögliche Verantwortliche wehren ab: Ihre hundert Völker flögen nicht so weit, sagen die Imker; Flieger verlieren weder Fäkalien noch Flüssigkeiten, sagt die Fraport.

Verbindung zur Goethe-Universität genutzt

Das hr-Vorabendmagazin „maintower“ greift unsere Berichterstattung auf und nutzt seine Verbindungen zur Frankfurter Goethe-Universität. Inzwischen steht fest: Der Karosseriebauer und Fraport liegen richtig, Automvermieter und Imker schief. Eine „maintower“-Videoreporterin hatte eine Probe von einer verdreckten Motorhaube genommen und sie im Institut für Anorganische und Analytische Chemie von Dr. Martin U. Schmidt an der Goethe-Uni Frankfurt untersuchen lassen. „Die haben die Struktur mit der Struktur von Bienenkot verglichen – und es war Bienenkot“, versichert Redaktionsleiterin Katja Balzer. Gefunden wurden auch Pollen. Weshalb die Bienen massenweise ihre gesammelten Pollen fallen lassen und schlagartig ihren Kot ausscheiden, ist unklar.

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Rätsel und Ärger um Dreck von oben

Karosseriebaumeister Stroh hat sich unterdessen nochmals bei einem Imker schlau gemacht. Der Bienenexperte sagte ihm, dieses Verhalten sei womöglich auf Stress – ausgelöst eventuell durch den starken Fluglärm in Lauterborn – zurückzuführen. Stroh: „Wenn die Bienen Stress haben, werfen sie alles ab, um möglichst leicht zu werden und schnell fliegen zu können.“

Brigitte Nötzel ärgert sich im Herbst 2011 über sogenannten Rußtau auf ihren Äpfeln.  Auch hier waren Flugzeuge nicht schuld.

Im November des vergangenen Jahres waren die Flugzeuge ebenfalls in Verdacht geraten. Bei einem grauschwarzen Belag auf Äpfeln in Rosenhöhe-Gärten könne es sich um beim Landeanflug abgelassenes Kerosin oder nicht gasförmige Emissionen von Düsenaggregaten handeln, wurde gemutmaßt. Unsere Zeitung legte die Beweisstücke dem städtischen Umweltamt vor. Ergebnis: Das optische Übel war biologischer Natur. Es handelt sich um „Rußtau“, einen Pilz, den meist Blattläuse verschulden, weil sie einen zuckrigen Belag produzieren, auf dem sich die Sporengewächse sehr wohl fühlen. Das ist dann unschön, aber nicht gesundheitsschädlich.

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