Nach dem Abäppeln an die Pizza

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Das nennt sich Arbeitsverteilung: Die einen dürfen mit Shetland-Pony „Sonnie“ kuscheln, die anderen kümmern sich auf der Kinder- und Jugendfarm um die Hinterlassenschaften der Tiere.

Offenbach - Bis in die Nacht Fernsehen, mit den Freunden chatten, Computer spielen und am nächsten Morgen so richtig lange ausschlafen dürfen. So kann man seine große Ferien verbringen - muss man aber nicht. Von Dirk Beutel

Auch wenn über die sechs Wochen keine nervigen Hausaufgaben zu erledigen sind, so ganz ohne Beschäftigung geht es aber dann doch nicht. Vor allem nicht für die Offenbacher Kinder, die bei den Ferienspielen mitmachen.

Wie die etwa 130 Jungen und Mädchen, die sich auf dem Gelände der Arbeiterwohlfahrt im Hainbachtal austoben. Mit ihrem für Offenbach neuen Konzept der Kinderstadt betritt der Verein „Kaleidoskop“ neue Wege. Statt herkömmlichen Ferienspielen wird dort das Leben in einer Stadt spielerisch simuliert. Jede Stunde suchen sich die Teilnehmer zwischen vier und 14 Jahren unterschiedliche Berufe aus, für deren Ausübung sie dann Spielgeld bekommen, das wiederum für Kuchen oder den Wasserspielpark ausgegeben wird. Aber Spaß haben die Kinder sowieso schon in ihren jeweiligen Jobs. Die Bäcker backen Pizza, Waffeln und Muffins für den Nachmittag, die Manager der Veranstaltungsagentur planen schon mal, wo der Wochenausflug am Donnerstag hingehen soll und die Spedition kümmert sich darum, dass auch genug Säfte, Stifte oder Malfarben da sind und die Post kümmert sich um die Korrespondenz. Nebenbei lernen die Kinder etwas über Demokratie und selbstständiges Wirtschaften.

Ähnliches Treiben herrscht am Rande des Neubaugebiets „An den Eichen“. Dort bemalen die etwa 30 Kinder neue Straßen- und Platzschilder für ihr Recycling-Dorf. Während der Nachwuchs im Hainbachtal in Blockhütten spielt, haben sich die Jungen und Mädchen „An den Eichen“ ihre Umgebung selbst zusammengezimmert: Ein Kiosk, drei Indianerzelte, ein Piratenschiff, sogar ein kleiner Gemüsegarten mit Tomaten und Paprika wurde angelegt.

Verarbeitet werden ausschließlich Materialien, die vom ESO-Wertstoffhof stammen. Ausrangierte Farben, Holz, verschiedene Stoffe, und Ton dienen den Kindern des Recycling-Dorfs dazu, sich ihre Spielumgebung so aufzubauen, wie sie es sich vorstellen. Wenn aber nicht die Sonne scheint, muss der graue Baucontainer als Spielwiese herhalten, in dem sonst das ganze Material gelagert wird.

Kinderstadt und Recycling-Dorf sind ausgebucht, dafür kann jeder von sechs bis 16 Jahren dienstags bis freitags von 13 bis 18 Uhr auf der Kinder- und Jugendfarm vorbeikommen.

Während die einen fleißig am werkeln und basteln sind, bereiten sich andere gerade auf einen Nachmittag am Lagerfeuer mit Stockbrot und selbst gemachter Pizza aus dem Lehmofen vor. Weil das Wetter gestern doch etwas trübe war, fanden nur 20 Kinder den Weg zur Kinder- und Jugendfarm auf dem Buchhügel. Bei gutem Wetter, wie etwa am Dienstag, werden schon mal um die 70 junge Besucher gezählt. Spielt die Sonne mit, sind die Wasserspiele und die selbst gemachten Getränke an der Strandbar der Renner. Wer sich bei jeder Witterung über Aufmerksamkeit und Streicheleinheiten freuen darf, sind die drei Shetland Ponys, ein Mini-Pony und Haflinger „Nero“. Füttern, Striegeln, Streicheln, sogar das Abäppeln kommen vor allem bei den Mädchen gut an - ein bisschen wie Ferien auf dem Bauernhof. Die Jungs lockt eher der Bolz-Platz und das Hüttendorf. Unter Aufsicht planen und bauen die Kinder dort ihre eigenen Holzhütten. Hier wird nicht nur Werkzeugkunde vermittelt, sondern auch soziales Verhalten im Team.

Wenn doch mal dunkle Wolken die Oberhand gewinnen, dient der vordere Teil der Pferdestallung als Unterstand. Kollektives Staunen herrscht bei den pädagogischen Mitarbeitern auf der Farm, wenn man fragt, nach welchem Brettspiel bei Regenwetter am liebsten gegriffen wird. Ein ungewöhnlicher Favorit: Schach.

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