Wütende Reaktionen im Netz

Nach Rassismus-Eklat: Möbelhaus trennt sich von Filialleiter

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SB-Möbel Boss am Odenwaldring in Offenbach

Offenbach - Es beginnt mit einem harmlosen Kauf einer Couch und endet in einem handfesten Eklat. SB-Möbel Boss in Offenbach löst einen Shitstorm im Internet aus und trennt sich von seinem Filialleiter.

Eine 32-jährige Frau mit Kopftuch soll am Montag in einem Möbelhaus am Odenwaldring rassistisch beleidigt worden sein. Die Kundin veröffentlicht in einer geschlossenen Facebook-Gruppe angebliche Details zu dem Vorfall. Schnell wird der Beitrag geteilt und ist für jeden Nutzer öffentlich im Netz zu lesen. „Filialleiter des Offenbacher Möbelhauses SB-Möbel greift eine schwangere Muslima an und beschimpft sie als Scheiß-Salafistin“ lautet die Überschrift zu dem Post, der bereits mehr als 1600-mal auf der Fanseite „MuslimStern“ geteilt wird. Doch wie kommt es zu dem Eklat?

Die Frau berichtet von einer gekauften Couch, die am Montag zu ihrer Mutter geliefert wird. „Das Eckstück war jedoch zu breit und passte somit nicht durch die Haustür. Nach vergeblichen Versuchen der Monteure wurde die Couch beschädigt“, so die Kundin. Die Mutter verweigert die Annahme. Kurzerhand organisiert die Tochter einen Termin am Nachmittag in der Filiale in Offenbach. Dort angekommen, kommt es zu einem Streitgespräch. „Tja, ich kann nichts machen und werde die Couch nicht zurücknehmen. Soll ich etwa ihre Tür vergrößern, damit die Couch durchpasst?“, schildert die Frau die Aussagen des 40-jährigen Offenbacher Filialleiters. Tatsächlich muss das Unternehmen in einem solchen Fall (Maße passen nicht) die Couch nicht wieder zurücknehmen. Ob die Kundin den Mann im anschließenden Klärungsgespräch provoziert, ist unklar. Der Filialleiter soll die Frau jedoch an der Schulter gepackt und aus dem Laden geworfen haben. Laut eigenen Aussagen wird die Schwangere dabei leicht verletzt. Sie ruft sofort die Polizei und erstattet Anzeige. Auch der 40-Jährige erstattet beim Vorfall kurz vor 16 Uhr Anzeige gegen den Frau. Die Beamten ermitteln nun wegen des Verdachts der Körperverletzung und wegen Hausfriedensbruch. Nach ersten Erkenntnissen der Polizei fallen keine rassistischen oder sonstigen Beleidigungen. Diese werden vor Ort zumindest nicht angezeigt. In den nächsten Tagen findet dazu eine umfangreiche Zeugenbefragung statt. 

Im Internet gibt es nach dem Vorfall in Offenbach zahlreiche Reaktionen - auch auf der offiziellen Facebook-Seite von SB-Möbel Boss. Viele Muslime drücken ihre Betroffenheit aus. „Bei einer Reklamation so behandelt zu werden als wäre man Mensch zweiter Klasse, das geht überhaupt nicht“, schreibt eine Leserin. Zudem gibt es aber auch Beleidigungen und Anfeindungen gegen das Möbelhaus, sogar Warnungen. „Man kann Frauen mit Hijab einfach nur abraten, alleine etwas zu unternehmen, geschweige denn raus zu gehen. Unsere Frauen sind in einer sehr großen Gefahr in Deutschland“, so die Meinung eines Nutzers.

SB-Möbel Boss veröffentlicht nach einem zweitägigen Shitstorm im Netz gestern Abend eine längere Stellungnahme zu dem Vorfall: „Unsere Firmenphilosophie ist es, jede Kundin und jeden Kunden, unabhängig von kulturellem Hintergrund, Glaubensrichtung, Nationalität oder Geschlecht, freundlich und zuvorkommend zu bedienen. Wir mussten leider erkennen, dass dies nach jetzigem Kenntnisstand [...] nicht so erfolgt ist. Auch wenn bestimmte Aussagen in der dargestellten Weise wohl nicht so gefallen sind, ist es zu einem klaren Fehlverhalten gekommen, das wir als Unternehmen in keiner Weise akzeptieren“, so das Unternehmen.

Möbel Boss trennt sich nach eigener Aussage vom 40-jährigen Filialleiter und entschuldigt sich zudem bei allen Kunden und Menschen, die sich durch das Fehlverhalten des Mitarbeiters gekränkt fühlen. „Wir haben im Gespräch mit dem betreffenden Mitarbeiter in aller Deutlichkeit zum Ausdruck gebracht, dass sein Verhalten nicht im Geringsten mit den Überzeugungen unseres Unternehmens übereinstimmt und wir ein solches Verhalten nicht tolerieren.“ Weitere Details zum Rassismus-Eklat verweigerte das Unternehmen zunächst auf Nachfrage von op-online.de. Der Vorfall wird derzeit intern im Unternehmen geprüft. Die Leittragenden sind nun auch die anderen Angestellten im Offenbacher Markt. Sie sollen bereits am Dienstag von mehreren Menschen bedroht worden sein. Statt einer passenden Couch also jede Menge Ärger für die Kundin, das Unternehmen und deren Mitarbeiter. (dr)

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