Kommentar: Nach Recht und Gesetz

Dann nehmen wir doch einfach mal 160.000 Euro. Das, so wird es kolportiert, soll der künftige Chef der SOH verdienen. Viel Geld für jene Offenbacher, die jeden Monat von der Mainarbeit ihr Hartz IV in Form von 359 Euro überwiesen bekommen. Von Matthias Dahmer

Wenig Geld für die Banker, die schon wieder mit satten Boni nach Hause gehen. Und damit sind wir schon beim Kern des Problems, wenn es um die Frage geht, ob die Geschäftsführer der städtischen Gesellschaften ihre Gehälter offenlegen sollen, wie von der Ampelkoalition gefordert. Beim bloßen Blick auf das, was am Ende auf dem Konto landet, fehlt die Vergleichbarkeit, mangelt es an den „Bezugsgrößen“, wie der SOH-Boss Joachim Böger richtig bemerkt. Die Höhe des Gehalts sagt nichts darüber aus, welche Verantwortung jemand trägt und wie gut oder schlecht er seinen Job macht. Vor diesem Hintergrund bedient die als Beitrag zu mehr Transparenz verkaufte Forderung eher eine Art politischen Voyeurismus, der unweigerlich eine Neiddebatte nach sich ziehen wird. Statt um die Offenlegung der Gehälter sollte sich die Politik darum kümmern, wie die Geschäftsführer-Verträge inhaltlich ausgestaltet werden. Bonus-Malus-Regelungen und ein Leistungskontrollsystem, wie gestern aus den Reihen der SPD ins Gespräch gebracht, wären dem sinnvollen Umgang mit dem Geld des Steuerzahlers dienlicher als die öffentliche Präsentation des Gehaltszettels.

Den meisten Betroffenen geht es nicht um Paragrafen

Handeln nach Recht und Gesetz heißt nicht zwingend, das auch alles richtig gemacht wird. In diesem Dilemma befindet sich offenbar die Mainarbeit. Sicher: In jedem der von uns in dieser Woche geschilderten Fälle von Hartz IV-Empfängern wird die Behörde nachweisen können, vorschriftsmäßig vorgegangen zu sein. Weshalb wir auch ausnahmsweise mal keine Stellungnahme zum Einzelschicksal eingeholt haben. Um die Paragrafen geht es den meisten Betroffenen aber gar nicht, wie die zahlreichen Reaktionen vor allem auf den Internet-Seiten unserer Zeitung zeigen. Sie beklagen sich darüber, dass unwürdig mit ihnen umgegangen wird, Misstrauen gegenüber den Leistungsempfängern vorherrscht. Dinge, die eher im Atmosphärischen liegen. Daran muss in der Domstraße gearbeitet werden.

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