Ruf nach Rettung des Schlenkers

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Der Fahrplanwechsel und seine Nebenwirkungen: Es gibt Klagen über Verschlechterungen der Anbindung für Marienschülerinnen.

Offenbach ‐ Das Wissen, das Offenbacher Marienschülerinnen in ihren Lehrbüchern und idealerweise in ihren Köpfen herumtragen, hat üblicherweise den Anspruch auf Ewigkeit. Nur ein Standardwerk, das für die meisten Pennälerinnen ebenso zum Schulalltag gehört wie das Mathebuch, verlangt regelmäßig nach Vergessen und neuer Verinnerlichung: das RMV-Fahrplanbuch für Stadt und Kreis Offenbach. Von Marcus Reinsch

Die 2009er-Auflage wird ab diesem Sonntag Makulatur sein, der Fahrplanwechsel steht bevor. Und für die neue Ausgabe wird in der Schulkapelle sicher kein Dankgebet gesprochen werden.

Stattdessen mehren sich seit Veröffentlichung der diesmal besonders üppigen Neuerungen Beschwerden über eine Verschlechterung der Anbindung der Schule für Schülerinnen aus dem Kreisgebiet. Schon machen Briefe die Runde, die „die Veränderung gut funktionierender Dinge“ in Frage und die Forderung nach Nachbesserung in den Raum stellen. Beispielsweise in den Zeilen, mit denen die 13-jährigen Mühlheimerinnen Alicia Euler und Alina Büttner Offenbachs Bürgermeisterin Birgit Simon erklären, warum die OVB-Busse der Linie 120 weiterhin den bisher üblichen Schlenker von der Mühlheimer Straße über Offenbach-Ost bis zur schulnahen Grenzstraße machen sollten.

Ein 120er später wäre schon zu spät.

Die 120er sammeln auf ihrer Route von Obertshausen über Hausen, Lämmerspiel, Dietesheim und Mühlheim bis Offenbach tagtäglich viele Marienschülerinnen auf, die zur zweiten oder dritten Stunde Unterricht haben oder den vor der ersten Stunde eingesetzten Schülerbus „V20“ verpasst haben. Fahre die Linie 120 künftig wie geplant auf der Mühlheimer Straße geradeaus zur Innenstadt durch, müssten „wir entweder ab Station Danziger Straße bis zur Ahornstraße laufen oder warten und in die Linie 103 umsteigen“. Und dann wäre der schon heute, ohne Umsteige-Zwang, nur mit viel Rennen zu schaffende Unterrichtsbeginn komplett hinüber.

Weder das eine noch das andere wäre auch den Müttern der Siebtklässlerinnen recht. Cornelia Euler: „Man kann doch die Mädchen nicht am frühen Morgen in Dunkelheit und vielleicht Regen auf der Straße stehen oder laufen lassen.“ Da seien auch die Alternativen - auf dem neuen Weg der 120 bis „Alter Friedhof“ und dann zu Fuß zur Schule gehen oder auf der anderen Seite der Mühlheimer Straße auf den 106er-Bus bis Ketteler-Krankenhaus warten - keine echten.

Zumal letztere Variante ohnehin nur für den späteren Unterrichtsbeginn empfehlenswert ist. Wollten beispielsweise Alicia und Alina mit dieser Linien-Kombination pünktlich zur ersten Stunde um 7.50 Uhr in der Klasse sitzen, müssten sie an der Mühlheimer Fährenstraße schon um 6.54 Uhr in den 120er steigen, um um 7.08 Uhr am Alten Friedhof zu sein, dem gegenüber der 106er-Anschluss um 7.17 Uhr Richtung Ketteler-Krankenhaus (Ankunft 7.22 Uhr) fährt. Ein 120er später wäre schon zu spät.

Im Vergleich damit gewinnt der oft proppevolle Schulbus V20 wieder an Attraktivität. Der fährt an der Fährenstraße erst um 7.19 Uhr ab.

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