Risiko-Baustelle an der A3

Experte fordert: Polizei soll mehr Druck machen

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Risikozone A3: Der Experte für Verkehrssicherheit, Johannes Hübner, fordert ein schärferes Tempolimit und mehr Polizeiüberwachung für die Baustelle der A3, an der sich in jüngster Zeit zwei schwere Unfälle ereignet haben.

Offenbach - Tempo 60 statt Tempo 80, bessere Fahrbahnmarkierungen und mehr sichtbare Polizeikontrollen könnten die Sicherheit der Großbaustelle an der A3 zwischen dem Offenbacher Kreuz und Obertshausen verbessern. Diese Ansicht vertritt der AvD-Sprecher Johannes Hübner. Von Michael Eschenauer

Auf dem extrem stark befahrenen Autobahnstück ereignen sich laufend Unfälle, bei zweien war in jüngster Vergangenheit ein Mensch ums Leben gekommen und der Verkehr zusammengebrochen. „Hier, schauen Sie. Der Autotransporter! Der hat rein gar nichts auf der Mittelspur zu suchen, und wenn er es tausendmal eilig hat!“, regt sich Hübner gestern früh auf der Brücke über die A3 bei der Müllverbrennungsanlage Heusenstamm auf. Unten tost der Berufsverkehr - diesmal vierspurig in Richtung Frankfurt und dreispurig in Richtung Würzburg.

Den Versuch der Verkehrsbehörde HessenMobil, bei dem die Mittelspur wechselweise für die Hauptfließrichtung des Autostroms zur Verfügung gestellt wird, findet der Sprecher des Automobilclubs von Deutschland (AvD) durchaus lobenswert. Nur so könne man die Straße erneuern und gleichzeitig den Verkehr einigermaßen aufrechterhalten.

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Das große Aber folgt umgehend: „Es ist völlig unverständlich, warum die Polizei hier nicht stärker mit Kontrollen präsent ist. Hier gehören Radarblitzer und Videogeräte aufgestellt – und zwar sichtbar“, sagt Hübner. Polizeisprecher Rudi Neu begründet die Zurückhaltung damit, dass Radarblitzer womöglich mehr Schaden als Nutzen verursachen könnten. „Die Autofahrer sehen den roten Blitz, und alles steht plötzlich auf der Bremse. Das ist uns zu riskant im Baustellenbereich.“ Allerdings kontrolliere man mit zwei Zivilfahrzeugen. „Das ist zwar weniger offensiv, aber sicherer.“ Bisher haben sich 70 Unfälle an der Baustelle ereignet. Polizei und Vertreter von HessenMobil diskutieren fortlaufend über die Gestaltung der Großbaustelle.

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Und schon wieder passiert es: Der knallrote Möbellaster aus Bochum schert trotz Überholverbots und Rechtsfahrgebot auf die mittlere Spur aus und zieht an dem langsamer fahrenden Tanklaster aus München vorbei. Dabei ist er nicht nur deutlich schneller als 80 Stundenkilometer, er bedrängt durch seine Breite auch noch einen ganz links fahrenden Smart, der heftig abbremst.

„Die kümmern sich einen Dreck um die Beschilderung“, ärgert sich Hübner. Jetzt hielten sich die Laster noch zurück mit dem Überholten, weil der Verkehr relativ zügig fließe. „Wenn es aber insgesamt zäher vorangeht, nimmt für die der Druck zum Überholen zu.“

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Weiteres Risiko: Die Autofahrer, insbesondere die Lastwagenlenker, halten praktisch nie den erforderlichen Sicherheitsabstand ein. „Wenn da das Tempo des Vordermannes wegen Rückstaus oder sonst etwas plötzlich sinkt, schafft es vielleicht der Hintermann, rechtzeitig abzubremsen. Aber der Dritte fährt hundertprozentig in den Vordermann rein,“ weiß Hübner. Er rät Fahrern von Personenwagen, in der Baustelle die rechte Spur zu meiden, um bei einem Auffahrunfall nicht zwischen Lastern zerquetscht zu werden.

Unverständlich ist für ihn auch, dass ungeachtet der Ab- und Auffahrten eines nahen Parkplatzes hier weiter das Tempolimit bei 80 Kilometern pro Stunde liegt. Dies steigere das Risiko eines Unfalls. Insgesamt ist Hübner der Meinung, dass das Tempolimit von 80 auf 60 gesenkt werden sollte.

Während ein Teil des Problems im unbotmäßigen Verhalten der Verkehrsteilnehmer liegt, hängen andere Risiken mit der Gestaltung der Baustelle zusammen. „Die Fahrbahnmarkierungen sind verwirrend“, sagt Hübner. So seien die alten, weißen Mittelstreifen bei Regen und Gegenlicht viel besser zu erkennen als die gelben Markierungen. Diese seien aber lebenswichtig, um sich bei der Fahrbahnaufteilung zurechtzufinden. „Die Leute sind regelrecht orientierungslos!“

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Es herrsche für die Verkehrsbehörden ein enormer Druck, die Leistungsfähigkeit einer solchen Straße möglichst ungeschmälert aufrechtzuerhalten, weil ansonsten ein Verkehrschaos drohe. „Aber das ist nicht mehr zu akzeptieren. Es wäre Aufgabe der Politik, den Umstieg von der Straße auf die Schiene voranzutreiben. Stattdessen hat sich alleine der Lkw-Verkehr in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt. 95 Prozent des Güterverkehrs gehen über die Straße. Dies muss ein Ende haben“, forderte der AvD-Sprecher und Verkehrsexperte.

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