Nachahmung ist erwünscht

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Über 1000 Euro freut sich Eugen Babenkov (Zweiter von links). Die Prämie übergeben Stadtrat Paul-Gerhard Weiß, GBO-Chef Winfried Männche und Polizeipräsident Roland Ullmann (von links).

Offenbach - Gesehen hat Eugen Babenkov zunächst nichts, nur das Zischen einer Sprühdose gehört. Dann bemerkt der Radfahrer einen jungen Mann, der eine Hauswand nahe des Ledermuseums mit roter Farbe verunziert. Babenkov ruft ihm etwas zu. Von Markus Terharn

„Ich dachte, er rennt gleich fort, aber er hat erst gemütlich sein ganzes Zeug eingepackt“, erinnert er sich. Daraufhin greift der Zeuge zum Handy, benachrichtigt die Polizei. „Und ich habe ihm klargemacht, dass es keinen Sinn hat wegzulaufen, dass ich schneller bin. “ Das Geheimnis seiner Fitness offenbart der große, kräftige 29-Jährige erst auf die Frage nach seiner Sportart: „Ich war unterwegs zum Triathlon. . . “.

Lange überlegt hat der Student im Fach Wirtschaftsingenieurwesen nicht, hat auch keine Angst gezeigt: „Das ist mein Wohnumfeld, und ich habe mir gedacht, dass dem Besitzer dieses italienischen Restaurants das Graffiti nicht gefallen wird. Ob das Kunst ist oder nicht, war nicht mein Interesse.“ Auch hat Babenkov nicht damit gerechnet, dass ihm sein couragiertes Auftreten am frühen Sonntagmorgen des 24. Juli 2011 eine hohe Belohnung einträgt: Gestern nimmt er im Rathaus 1000 Euro entgegen. Die Stadt packt eine Tüte mit Geschenken drauf.

Partnerschaft gegen Graffiti

Das Geld stammt aus dem Kreis der Wohnungswirtschaft, zu dem die Baugesellschaften zusammengeschlossen sind. 2008 hat er mit Stadt und Polizeipräsidium eine „Partnerschaft gegen Graffiti“ vereinbart. Ziel ist, den Tätern nicht nur hinterher zu hecheln, sondern präventiv tätig zu sein, erläutert Stadtrat Paul-Gerhard Weiß. „Wir wollen ein Bewusstsein schaffen: Das ist ein ernstzunehmendes Delikt. Sonst bekommen wir das Problem nicht in den Griff. Und dazu brauchen wir die Mithilfe der Bevölkerung.“

Den Schaden verdeutlicht Polizeipräsident Roland Ullmann: 2008 gibt es in Offenbach 140 Fälle solcher Sachbeschädigung, 2011 sind es 146, also keine nennenswerte Veränderung. Interessanter: 2009, nach Unterzeichnung der Partnerschaft, erstatten Wohnungsbaufirmen 15 Anzeigen, 2011 schon 54. Die Aufklärungsquote ist von 33 auf 56,2 Prozent gestiegen.

Für 93 Graffiti in der Region verantworlich

Dem 26-Jährigen Tatverdächtigen (Justitia hat noch nicht ihr letztes Wort gesprochen) wird übrigens seine Dokumentationssucht zum Verhängnis. Im August 2011 kontrolliert ihn die Polizei in der Fußgängerzone. Dabei finden sich nicht nur Spraydosen in seinem Rucksack. Auf seinem Handy hat der Frankfurter 93 Graffiti fotografiert oder gefilmt, die seine Handschrift verraten. Die Tatorte liegen in Offenbach, Dietzenbach, Rödermark und Frankfurt.

Gemäß Strafgesetzbuch stehen auf Sachbeschädigung bis zu zwei Jahre Gefängnis oder Geldstrafe. Zudem kann der Täter zivilrechtlich verurteilt werden, den Schaden zu ersetzen: 30.000 Euro.

Die 1000 Euro für Eugen Babenkov spendiert die Gemeinnützige Baugesellschaft Offenbach mit Geschäftsführer Winfried Männche. Weitere aufmerksame Zeugen können sich maximal dieselbe Summe verdienen: Für die Baugenossenschaft Odenwaldring hält Chef Reinhard Abraham das Geld bereit.

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