Herabfallende Äste verwüsten Garten

„Wir hätten tot sein können“

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Grigorios Ntovas in seinem völlig verwüsteten Garten. Baumgroße Äste der großen Zeder auf dem Nachbargrundstück waren am Samstagabend herunter gekracht. Die Höhe des Schadens ist noch unklar. Die Nachbarin sagt zwar zu, die Kosten zu übernehmen; was mit dem Baum passiert, ist indes offen.

Offenbach - 700 Kilo sind eine Menge Holz. Zumal wenn sie als ungebetene Fracht vom Baum des Nachbarn in den eigenen Garten krachen. Dies ist eine Geschichte, die zeigt, dass Natur in der Stadt durchaus zwei Seiten haben kann. Von Matthias Dahmer 

Es ist eine ungewöhnlich heftige Windböe, die am vergangenen Samstagabend durch die schmucken Gärten der Reihenhäuschen an der Sudetenstraße fegt. Eine etwa 25 Meter hohe Zeder, ein alles überragender Baum, ist dem Sturm nur bedingt gewachsen: Mehrere Äste unterhalb der Krone, die selbst schon mittelgroßen Bäumen gleichen, brechen ab und stürzen vom Nachbargrundstück in den Garten von Grigorios Ntovas. „Wir hatten Glück, dass wir nicht zuhause waren. Wir hätten tot sein können“, sagt Ntovas und führt von der Terrasse durch seinen einst gepflegten Garten. Der Besucher muss über die mächtigen Äste klettern, welche die von der Nachbarin gerufene Feuerwehr noch am Samstagabend in Teile geschnitten hat. Das herabstürzende Holz hat etwa die Hälfte des Gartens unter sich begraben. Auch die Überdachung der Terrasse ist in Mitleidenschaft gezogen. Die Höhe des Schadens ist noch unklar. Wie es weitergeht ebenso. Grigorios Ntovas hat einen Anwalt eingeschaltet. Der will zunächst die Stadt dazu bewegen, dass ein Gutachter kommt und den Baum unter die Lupe nimmt. Weil das Verhältnis zur Nachbarin nicht das Beste ist, geht Ntovas davon aus, dass die ganze Sache vermutlich gerichtlich geklärt werden muss.

Die Zeder beschäftigte im November 2013 schon einmal die Justiz. Vorm Landgericht Darmstadt endete der Streit um den Baumriesen, dessen Nadeln und Zapfen regelmäßig auf dem Grundstück von Ntovas landeten und dort Dachrinnen und Kanalisation verstopften, mit einem Vergleich: Die Nachbarin wurde verpflichtet, die Zeder regelmäßig zurückzuschneiden, Nadeln und Zapfen einzusammeln und auf eigene Kosten zu entsorgen. Sie habe den Baum nach dem Vergleich zurückschneiden lassen, versichert die Nachbarin, die ihren Namen nicht genannt haben möchte. Ein Fachmann, den sie beauftragt habe, sei gleich am Montag gekommen, um die Zeder wetterfest zu machen, so dass keine akute Gefahr mehr von ihr ausgehe. Das sieht Nachbar Ntovas anders: Er zeigt auf eine Bruchstelle hoch oben im Baum, wo das Holz dunkel erscheint. Dies deutet er als Zeichen dafür, dass die Zeder dort morsch ist und möglicherweise wieder ein Ast herunterkrachen kann.

Gartenbilder von Norbert Sattler aus Offenbach

Die Nachbarin weist darauf hin, dass der Baum unter die städtische Grünschutzsatzung falle und nicht so ohne weiteres beseitigt werden könne. Was die Schadensregulierung angeht, brauche man darüber nicht zu diskutieren. Das werde sie ebenso übernehmen wie die Kosten für den Feuerwehreinsatz. „Ich habe keinerlei Interesse daran, dass jemandem durch den Baum ein Schaden entsteht“, sagt sie. Die städtischen Ämter sehen sich in dem Fall nicht in der Pflicht: Beim Umweltamt verweist man darauf, dass es nicht um den Grünschutz, sondern um eine Frage der Verkehrssicherungspflicht gehe, wofür grundsätzlich das Ordnungsamt zuständig sei. Weil keine Gefährdung der Öffentlichkeit vorliege, ordnet man dort den Streit und seine Folgen als rein privatrechtliche Angelegenheit ein. Der Geschädigte müsse das über seinen Anwalt selbst regeln, heißt es.

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