Nachbarn von Discotheken klagen über massive Belästigungen

Bahnhofstraße: Konzession kein Hebel mehr

Offenbach - Drei am Wochenende bestens besuchte Diskotheken in einem eng bebauten Gebiet, das hat Ärgerpotenzial. Polizei und Ordnungsamt kennen die Klagen aus dem Umfeld der Bahnhofstraße. Von Thomas Kirstein

Aktuell werden Beschädigungen an Autos mit Gästen der Lokalitäten in Verbindung gebracht. Die Polizei bestätigt, was von Bewohnern der Luisenstraße angezeigt ist und öffentlich beklagt wird: In der Nacht vom 22. auf den 23. August sind 16 geparkte Fahrzeuge von einem oder mehreren Randalierern zerkratzt worden. Für das 2. Revier addiert sich der Schaden auf 25.000 Euro. Die Betroffenen sind sich sicher: Das waren heimkehrende Disco-Gäste, und das schreiben sie auch dem Oberbürgermeister als Einleitung einer Schilderung von Anlässen für schon tief sitzende Unzufriedenheit.

Unzumutbare Ruhestörungen müssten sie hinnehmen: Grölende, singende oder lautstark streitende Gruppen zögen von Samstagen auf Sonntage zwischen 2 und 5 Uhr durch die Straßen; einzelne Personen demolierten Fallrohre der Häuser, übergäben sich auf dem Trottoir; Fahrzeuge mit getunten, röhrenden Motoren rasten regelmäßig durch die Innenstadt; vermutlich seien die Fahrer alkoholisiert oder anderweitig zugedröhnt, auf jeden Fall nicht hundertprozentig fahrtüchtig; auf deren Verfolgung wie der von Parksündern werde in der fraglichen Zeit offenbar komplett verzichtet, Bürgersteige, Behindertenparkplätze und der Wendehammer würden vollgestellt.

Ein Horrorszenario, in dem sich auch über einen längeren Zeitraum erlittene Einzelereignisse konzentrieren dürften. In der Nachbarschaft haben sie jedenfalls keine Freunde, die Discotheken und Bars, die am Wochenende proppenvoll sind und besonders Menschen aus dem ehemaligen Jugoslawien als Tanz-Treff dienen.

Leitende Beamte des 2. Reviers bestätigen die gereizte Stimmung. Allerdings hätten die Klagen über lautstarke Gruppen auf der Straße in jüngster Zeit nachgelassen: Das wilde Parken sei momentan eher das Problem. Auch der Kontaktbeamte Peter Bertholdt wird regelmäßig mit Anwohner-Klagen konfrontiert. Die Polizei reagiere, versichert Sprecherin Andrea Ackermann: mit Ansprache der Lokalbetreiber, mit gezielten Kontrollen von aufgemotzten Fahrzeugen, Fahrern und deren Pässen. Die Stadtpolizei kann nicht helfen, wenn es im Wohngebiet laut wird. Sie schiebt Schichten bis 23 Uhr, ist demnach nicht mehr zuständig, wenn der Disco-Betrieb anläuft.

In Gewaltkonflikten richtig verhalten

Die Nachbarn wollen nicht mit Namen an die Öffentlichkeit. Manche, die namentlich Anzeige erstatteten, seien bereits bedroht oder mit Beschädigung ihres Fahrzeugs bestraft worden, schreiben sie dem OB. Von dem verlangen sie, er möge doch endlich die Nachtkonzessionen der Lokale in diesem Wohngebiet überprüfen.

Das stellt inzwischen aber längst keinen Hebel mehr dar. Seit gut fünf Jahren dürfe jeder Betreiber sein Geschäft mit Ausnahme der „Putzstunde“ von 5 bis 6 Uhr praktisch den ganzen Tag geöffnet lassen, stellt Ordnungsamtsleiter Peter Weigand klar. Jemandem die Gaststättenerlaubnis ganz zu entziehen, wäre nur möglich, wenn er grob seine Pflichten verletzte, erläutert Weigand: „Aber was auf der Straße passiert, ist keinem Betrieb zuzuordnen, das liegt außerhalb der Verantwortung des Wirts.“ Und er fügt hinzu: „Es wird für uns immer schwieriger, je mehr das Gewerberecht dereguliert wird.“

Rubriklistenbild: © dpa

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