Sauberkeit

Müllhalde statt nachhaltiger Austausch: Nachbarschaftsbrett entfernt - Jetzt gibt Gesprächsbedarf

Statt zum Tausch von verwertbaren Gegenständen nutzten manche die Örtlichkeit als Müllhalde.
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Statt zum Tausch von verwertbaren Gegenständen nutzten manche die Örtlichkeit als Müllhalde.

Ein halbes Jahr hat die Stabsstelle Sauberes Offenbach die Müllberge rund um das Nachbarschaftsbrett dokumentiert. Jetzt ist es abgerissen worden.

Offenbach – Es war eine schöne Idee: Man stellt eine Konstruktion zur Verfügung, über die Menschen teilen und tauschen können. Aber die Fläche wurde derart als Entsorgungsmöglichkeit genutzt, dass die Stadt eingriff. Jetzt ist das entfernte Nachbarschaftsbrett Anlass für politische Diskussionen.

Die Einrichtung der Stabsstelle Sauberes Offenbach gehörte zum Herzensanliegen der CDU in der Kommunalwahl 2016. Damit, so argumentierten die Christdemokraten, solle der Verschmutzung und Verwahrlosung der Stadt effektiv entgegengetreten werden. Seit die Tansania-Koalition die Verantwortung übernommen hat, ist die Stabsstelle eingerichtet – und seitdem arbeitet sich gern die Opposition in der Stadtverordnetenversammlung an der Einrichtung ab.

Jüngst waren es die Linken, die mit Kritik an der Arbeit der Stabsstelle nicht sparten. Der Grund: Die Stabsstelle ordnete Ende Januar den Abriss des sogenannten Nachbarschaftsbretts nahe des Fußgängerdurchgangs Marien- / Senefelderstraße an.

Nachbarschaftsbrett in Offenbach: Linke verurteilen den Abriss

Mitglieder der Initiative Stadtbiotop hatten im April 2018 die Bretterkonstruktion aufgestellt, damit Anwohner nicht benötigte Gegenstände tauschen sowie Informationen übermitteln konnten.

Die Anweisung zum Abriss – die Initiatoren hatten es jedoch kurz vorher selbst abgebaut – wird von Marion Guth von den Linken scharf verurteilt, das Nachbarschaftsbrett sei „ein Baby der Linken“.

Edmund Flößer-Zilz von den Grünen bedauert, dass der Abbau angeordnet werden musste, hat aber Verständnis dafür: „Wenn kofferweise Altkleider abgestellt werden, dann ist das von einer kleinen Initiative nicht zu bewältigen.“ Daher habe die Reißleine gezogen werden müssen.

Offenbach: Nachbarschaftsbrett aus Faulheit verdreckt

Dass es längst nicht nur verwertbare Dinge waren, sondern oft auch Sperrmüll und Abfall, kann Ordnungsdezernent Peter Freier belegen: Knapp ein halbes Jahr hat die Stabsstelle Sauberes Offenbach die Müllablagerung mit Fotos dokumentiert. „Jeder könnte die Sachen bei unserem Wertstoffhof abgeben, aber es ist Faulheit und Gedankenlosigkeit, den Dreck in die Stadt werfen“, sagt er. Die Bilder zeigen, dass über Monate systematisch einige das Nachbarschaftsbrett als illegale Müllhalde genutzt haben. „Deshalb haben wir das Gespräch mit den Initiatoren gesucht. Aber wenn man ein halbes Jahr miteinander spricht und es ändert sich nichts, dann muss die Konsequenz gezogen werden“, sagt Freier.

Die Idee, nicht benötigte, aber noch verwertbare Gegenstände zu tauschen, statt wegzuwerfen, soll in Offenbach jedoch weiter verfolgt werden. Das Stadtparlament hat beschlossen, die Einrichtung an anderer Stelle zur prüfen. Nach bisherigen Planungen ist dafür das Gebiet nördlich des Bahndamms am anderen Ende des Fußgängertunnels vorgesehen. Das Areal an der Bismarckstraße soll umgestaltet werden, die Stadt hat dafür Planungsbüros zu einem Ideenwettbewerb aufgerufen. (Frank Sommer)

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