Immobilienmarkt in Offenbach

Nachfrage nach Neubauten

Offenbach - Setzen private und gewerbliche Investoren in der Schuldenkrise verstärkt auf vermeintlich sichere Immobilien? Grundstücke, Häuser und Eigentumswohnungen gelten in Krisenzeiten als sichere Wertanlage, doch einen Boom verspürt der Immobilienmarkt derzeit nicht. Von Fabian El Cheikh

Allerdings taugen die Zahlen kaum für Aussagen über Trends, wie die Vermessungsamtsleiterin Cornelia Jockisch gestern im Rathaus betonte: „Die Zahlen hängen immer von mehreren Faktoren ab.“

Deutlich wird jedoch bei der Betrachtung des Immobilienmarktberichts 2012, dass sich die vielerorts subjektive Wahrnehmung, der Fluglärm führe zu einem Nachfragerückgang auf dem Wohnungssektor, bislang nicht bewahrheitet: „Der Markt widerspricht dieser Aussage“, stellte Jockisch in ihrer Funktion als Vorsitzende des Gutachterausschusses für Immobilienwerte klar. Die Stadt selbst steht bekanntlich vor dem Dilemma, einerseits genau dieses Argument der „Unbewohnbarkeit“ Offenbachs im Kampf gegen den Fluglärm ins Feld zu führen, andererseits den Immobilienmarkt nicht kaputt reden zu wollen. „Das werden wir gewiss nicht tun“, sagte gestern Oberbürgermeister Horst Schneider. „Trotz Fluglärms ist Offenbach eine attraktive Adresse für Menschen, die in der Kernregion des Rhein-Main-Gebiets leben und arbeiten“, schob er den von ihm immer wieder zu hörenden Werbespruch hinterher. Und seine Bewertung stützt letztlich auch der Immobilienmarktbericht.

So ist der Handel mit Immobilien im vergangenen Jahr immerhin um vier Prozent gestiegen. 869 Verträge wurden abgeschlossen (ein Plus von 31). „Die Zahl liegt deutlich überm Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre“, erläuterte Jockisch. Besonders häufig wechselte Wohnungs- und Teileigentum seinen Besitzer (57 Prozent). 35 Prozent aller Verträge betrafen bebaute Grundstücke, acht Prozent unbebaute.

Die meisten Umsätze in Lauterborn

Wo wird in Offenbach am meisten Umsatz mit Immobilien erwirtschaftet? „Vorwiegend im Stadtteil Lauterborn, in der Innenstadt und der Carl-Ulrich-Siedlung“, sagt OB Schneider. Direkt danach folge die Gemarkung Bieber. Der Flächenumsatz stieg 2011 um 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr, demnach fanden 37 Hektar einen neuen Eigentümer, was ungefähr ein Prozent des Stadtgebiets ausmacht. „Für Offenbach ist das viel, wenn man betrachtet, dass nur ein Drittel der Gemarkung bebaute Fläche darstellt“, so Jockisch.

Entgegen den Steigerungen beim Flächenumsatz und der Zahl der Verkaufsverträge sank jedoch der Geldumsatz bei Immobiliengeschäften um fast ein Viertel auf 196,4 Millionen Euro und damit auf das Niveau von 2009. Stark zurückgegangen ist der Umsatz mit bebauten Grundstücken (minus 38 Prozent).

Uneinheitlich auch die Preisentwicklung: Während nur wenige gewerbliche Bauflächen gehandelt wurden, blieben die Preise für unbebaute Eigenheimgrundstücke aufgrund von Angebot und Nachfrage stabil. Sie liegen weiterhin bei durchschnittlich 380 Euro pro Quadratmeter. Damit bewegt sich Offenbach innerhalb des sehr hohen Niveaus in Südhessen. Für den OB zu hoch, um Offenbach für noch mehr Familien attraktiv zu machen. „Aus meiner Sicht könnten die Preise weiter sinken.“

Plus bei Reihen- und Doppelhäusern

Die von ihm propagierte Strukturveränderung manifestiere sich aber bei Mehrfamilienhäusern. In diesem recht kleinen Markt, in dem meist der Ertrag, also die Rendite durch Mieteinnahmen, im Vordergrund steht, sanken die Preise für Objekte mit niedrigem Mietniveau gegenüber den beiden Vorjahren. „Im Nordend sieht man, dass aufgrund der Preise dort investiert wird mit dem Ziel, Qualität und Ertrag zu steigern. Das ist positiv, da das Viertel nicht mehr nur als ,Arme-Leute-Viertel’ wahrgenommen wird.“ Um fünf Prozent gesunken sind die Preise für gebrauchte, freistehende Ein- und Zweifamilienhäuser ab dem Baujahr 1955.

Demgegenüber ist bei Reihen- und Doppelhäusern wegen hoher Nachfrage weiter eine leichte Aufwärtsbewegung zu verzeichnen (plus vier Prozent). Ebenso für Eigentumswohnungen, insbesondere Neubauten. So kostete eine Neubauwohnung (75 Quadratmeter) in Rumpenheim 2011 183.000 Euro, in Bieber 174.000, in Bürgel immerhin noch 162 000 Euro. Vergleichbare 20 Jahre alte Wohnungen sind im Schnitt 60.000 Euro günstiger zu haben.

Anders gestalten sich die Zahlen für 2012. Allein im ersten Halbjahr wurden 28 Prozent mehr Immobilienverträge unterzeichnet (deutlich über dem Mittel der vergangenen fünf Jahre); der Geldumsatz wuchs um satte 81 Prozent. Zurückzuführen ist das allerdings auf den Verkauf mehrerer Großobjekte wie dem KOMM-Center.

Rubriklistenbild: © Thomas Max Müller/pixelio.de

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