Rudolf-Koch-Schule bekommt nach Wassereinbruch 10 000 neue Bücher

Nachmittags läuft der Drucker auf Hochtouren

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Bald füllen neue Bücher die leeren Regale: Schulleiterin Christiane Rogler (von rechts), Stadtschulamtsleiter Thomas Löhr und Schulbibliotheksleiterin Franca Wonner im Keller der Rudolf-Koch-Schule.

Offenbach - Ob die Freude der rund 750 Rudolf-Koch-Schüler grenzenlos ist? Nach dem großen Unwetter bekommen sie in vielen Fächern bis zum Jahresende nagelneue Lehrbücher. Von Nicole Unruh

Grund für die Anschaffungen ist ein Unwetter, das Mitte August den Keller des Gymnasiums überschwemmte - und etwa 10 000 Bücher ruinierte, die dort wegen Modernisierungsarbeiten gelagert waren. Dank unbürokratischer Hilfe von vielen Seiten lief der Unterricht nach den Sommerferien (fast) wie gewohnt an, und in dieser Woche werden bereits die ersten neuen Bücher bestellt.

Die  Stadt hat so schnell wie möglich geholfen“, betont Thomas Löhr, Leiter des Stadtschulamtes. So haben Magistrat und Stadtparlament am 2. und 3. September quasi in Rekordzeit bewilligt, dass dem Gymnasium 188 000 Euro aus dem Haushalt zur Verfügung gestellt werden. Hinzu kommen 5 000 Euro für zusätzliches Personal, das nun hilft, rasch den genauen Schaden zu erfassen und die nötigen Bücher zu ordern. Das Gebäudemanagement spendete 1 200 Euro, um Kopien aus noch vorhandenen Büchern zu machen. Zudem lieh die Stadt der Schule einen Risographen, eine Art Hochgeschwindigkeits-Drucker, um Bücher zu vervielfältigen.

Mit einem so heftigen Unwetter nicht gerechnet

Das Gymnasium in der Schlossstraße wird seit Mai 2008 zur Ganztagsschule ausgebaut. Im Zuge der Neubau- und Sanierungsarbeiten erhielt auch die Bibliothek unter anderem neue Heizungen und Leitungen. „Wir nutzten diese Maßnahmen, um alle Bücher auszulagern und eine Inventur zu machen“, sagt Schulleiterin Christiane Rogler. Alle Werke wurden vor den Ferien in Kartons gepackt und im Keller gelagert. „Wegen der Baustellensituation war das kaum anders machbar, eine Containerlösung erschien uns zu unsicher“, erinnert sich Löhr. Mit einem so heftigen Unwetter wie in der Nacht auf den 11. August habe niemand rechnen können. Die Fluten drangen in den Keller ein und durchweichten die untere Reihe der Kartons; 10 000 der 26 000 Bücher standen im Wasser.

Die Versicherung zahlt nicht

Eine Nachfrage bei der Kämmerei bestätigte, dass in diesem Fall keine Versicherung zahlt: Die Stadt ist nur gegen Leitungswasser- und Sturmschäden versichert, nicht gegen einen Elementarschaden, um den es sich an der RKS handelte. „Die Prämie dafür wäre exorbitant hoch“, weiß Löhr. Also wurde umgehend eine Vorlage für den Magistrat erstellt, um zu erreichen, dass die neuen Bücher aus dem Haushalt finanziert werden können. Um dafür den genauen Schaden zu beziffern, arbeitete die Lehrerin und Schulbibliotheksleiterin Franca Wonner auf Hochtouren: Sie nahm erneut den Bestand auf und stellte fest, welche Bücher noch tauglich waren und welche nicht. Kollegen, Eltern und Schüler boten ihre Hilfe an. „Es war stressig, aber wir haben es bis zur Magistratssitzung am 2. September geschafft und dadurch einen Monat Zeit gewonnen“, freut sich Wonner.

Viel Arbeit durch neue Inventur

Nun beginnt die Inventur von neuem: Die zerstörten Bücher werden mit ISBN-Nummer erfasst und nach Absprache mit den Fachbereichsleitern neu bestellt. Ein Mitarbeiter der Gewerblich-Technischen Schulen sowie zwei weitere Kräfte unterstützen Franca Wonner bei dieser Aufgabe. Das Nötigste wird in dieser Woche geordert, die Kontakte zu den Lieferanten stehen schon und bis zu den Weihnachtsferien soll der Bestand wieder komplett aufgestockt sein. Bis dahin läuft jeden Nachmittag der Kopierer. „Der Unterricht ist definitiv nicht beeinträchtigt“, versichert Rogler.

So wurde die durchaus ernste Situation bestmöglich gelöst – und die Beteiligten gewinnen ihr sogar etwas Positives ab. „Wir haben ein neues Wir-Gefühl entwickelt“, sagt Rogler. Auch die Eltern hätten sehr freundlich und verständnisvoll reagiert. Und Franca Wonner erfasst künftig den Bestand online: „Das vereinfacht die Verwaltung und die Ausleihe.“

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