Nacht der Museen

Kleben ist das neue Graffiti

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Zerstörte Schokoladenschuhe: Snezana Golubovics Performance „Sweet Shoes“ im Ledermuseum zog zahlreiche Zuschauer an.

Offenbach - Sehr ruhig ging es in Offenbach bei der Nacht der Museen zu. Das mochte zum Teil am verregneten Mai gelegen haben. Doch besteht Anlass zu Diskussionen, wie das Angebot attraktiver gestaltet und auch in Frankfurt wieder präsenter beworben werden kann. Von Claus Wolfschlag 

Traditionell die meisten Besucher fanden sich im Deutschen Ledermuseum ein. Die umliegenden Straßen erzitterten wegen der Band Corbian, die auf einer Bühne vor dem Haus düstere Heavy-Metal-Klänge zum Besten gab. Zwischen 15 und 19 Jahren zählten die Musiker, die Leibniz- und Käthe-Kollwitz-Schule besuchen. Der erste Auftritt wurde trotz des Altersunterschieds zwischen Band und Zuhörern mit viel Applaus bedacht.

Vor allem Snezana Golubovics Performance „Sweet Shoes“ im Obergeschoss zog viele Zuschauer an. Die seit 1992 in Deutschland lebende Serbin schlüpfte in Pumps aus Schokolade, die rasch dem Körpergewicht nachgaben. Mit Hilfe von Wärmelampe und Fön zertrat Golubovic die braunen Brocken schließlich zu einem schmierigen Brei, während die stellvertretende Museumsleiterin Dr. Rosita Nenno Schokotäfelchen an Zuschauer verteilte. „Der Schuh verliert seine Fetischform und wandelt sich in ein von den Füßen gemaltes, abstraktes Bodengemälde“, interpretierte Nenno die Performance. Vor und nach der Zerstörung der Schokoladenschuhe lasen Angestellte des Hauses literarische Texte zum Thema Gehen.

Im Haus der Stadtgeschichte lauschten Besucher erst den Gitarrenklängen des in Frankfurt lebenden Brasilianers Ivan Santos. Danach begann der Offenbacher Künstler Marc Simon mit den Farben zu spielen. Während der Luminale hatte er eine kleine Lichtinstallation am Rathaus angebracht; da hatte die konkurrierende Bespielung ganzer Hausfassaden viel Aufmerksamkeit abgezogen. Das sollte sich bei der Nacht der Museen ändern. Im Ausstellungsraum malte Simon vor vielen Interessenten in einer musikalisch begleiteten Performance eine seiner bunten Fantasielandschaften.

Nacht der Museen in Frankfurt

Nacht der Museen

Weniger Beachtung fand die Oldie-Band Mungo’s Jungos im Klingspormuseum. Obwohl das Quartett mit schwungvoll in den Raum geschmetterter Rockmusik versuchte, Stimmung zu erzeugen, lauschten nur wenige. Ein Pärchen spendete immerhin euphorisch Beifall. Wie in einer Meditation gestalteten drei Schriftkünstler derweil Museumswände mit Klebeband. „Das Motto lautet ,Klingspor träumt’. Deshalb bringt jeder von uns einen eigenen Text in eigener Gestaltung zum Thema Träumen an die Wand“, so Thomas Hoyer aus Aachen.

Kollegin Eugenia Rueben aus Frankfurt ergänzte: „Das Kleben macht Spaß, aber die rockige Musik der Band ist wichtig, damit man nicht müde wird.“ Tanja Leonhardt aus Groß-Gerau, dritte Künstlerin im Bunde, hatte die Klebeperformance organisiert. Und während sie sich mit der Anbringung von Frakturtypen beschäftigte, prophezeite sie: „Das Kleben ist ein neuer Trend. Er löst vermutlich das Graffiti ab.“

Nacht der Museen in Offenbach 2013

Nacht der Museen in Offenbach

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