Klebebandkunst und Weißraum

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Die Asphalt Piloten lassen bei der Nacht der Museen mit Klebeband neue Räume entstehen.

Offenbach (kat) - Nicht in achtzig Tagen um die Welt, sondern an einem Abend in 48 Museen, zahlreiche Galerien und zu vielen weiteren Veranstaltungsorten: Kunstinteressenten und Nachtschwärmer sollten sich den Samstag, 21. April, vormerken.

Von 19 bis 2 Uhr erwarten die Besucher bei der 13. Nacht der Museen in Offenbach und im benachbarten Frankfurt Führungen, Filme und Vorträge, Künstlergespräche und Konzerte, Theater und Lesungen, Performance und Party.

In der selbsternannten Kreativstadt entstehen mit Klebeband in Museen und auf der Straße neue Räume und Nischen, in die sich die Tänzerinnen stürzen – so „normal“ und lebendig wie im klassischen Hier und Jetzt. Bei der 13. Nacht der Museen präsentiert das Forum Kultur und Sport das Stück „Tape Riot“ des Tanzensembles Asphalt Piloten. Den Takt zu diesem furiosen Stück liefert die Umgebung, die Requisite ist das Klebeband, mit dem spontan neue Räume, Nischen, Blickwinkel und Tunnel geschaffen werden, in die sich die Tänzerinnen hineintanzen und so die Ausstellungsorte in der Stadt miteinander verbinden.

Klebeband vebindet Ausstellungsorte in der Stadt

Start ist gegen 20 Uhr am Klingspormuseum, dann geht es hinüber zum Haus der Stadtgeschichte, nächste Station ist das Deutsche Ledermuseum, das letzte Stück Klebeband wird im Hauptbahnhof ausgerollt: Dort ist das Projekt „achtzehn:52 – Hbf Alive!“ eine von insgesamt neun neuen Örtlichkeiten, die während der Nacht der Museen in Offenbach und Frankfurt zu entdecken sind. Das Projekt verwandelt den Hauptbahnhof in eine lebendige Galerie, und im Kunstverein Familie Montez dürfen Feierwillige zu den Klängen von DJ Frank Rox & The Rocket Man tanzen bis zum Morgengrauen.

Betrachten und Innehalten stehen auf dem Programm im Klingspormuseum (Herrnstraße 80), das der Stille nachspürt – mit Sparsamkeit der Mittel, Weißraum zwischen und im Umfeld der Schrift, optischer und akustischer Pause. Vertont wird die Stille von der Komponistin und Perkussionistin Limpe Fuchs im Duett mit der Künstlerin Ulrike Stoltz und Corinna Krebber, die den Text „silence“ von John Cage künstlerisch bearbeitet hat.

Dem 100. Geburtstag dieses amerikanischen Musikers widmen sich auch Jens Barnieck am Piano und Ralf-Werner Kopp mit Trompete, die mit „49 Walzer für die Stadt Offenbach“ eine Cage-Partitur im Ledermuseum (Frankfurter Straße 86) realisieren. Dort dreht sich alles um Taschen und Koffer – und zwar in Massen und in höchster Qualität. Mit Marken wie Goldpfeil, Seeger, Picard oder Comtesse eroberten sich Offenbacher Lederwaren einen Weltmarkt. Auch Christian Dior, Louis Féraud oder Jil Sander ließen dort fertigen, wo die Besten saßen. Die Performance der Offenbacher Künstlerin Ina Juretzek auf die Geräuschkulisse aus der Lederwarenproduktion führt akustisch in die Hochzeit der Branche zurück. Lange bevor die Damen ihre Luxus-Container Gassi führten, versteckten sie sich hinter Fächern, blinzelten ihren Liebsten zu, schwenkten in geheimnisvollen Gesten ihre zierlichen Gebilde aus Horn und Schildpatt, Seide und Schwanenhaut.

Fantasievolle Reisen im Haus der Stadtgeschichte

Ob sie in geheimen Codes kommunizierten? Dieser Frage geht Karin Nedela nach in ihrer szenischen Lesung „Nur ein Hauch...“, zu der Talib Richard Vogl sie auf der Gitarre begleitet. Eine Ausstellung mit mehr als 50 Fächern vom Rokoko bis heute lässt der Fantasie ihren Raum.

Zu nicht minder fantasievollen Reisen lädt das Haus der Stadtgeschichte (Herrnstraße 61): Dort steht der Orient im Mittelpunkt der Nacht der Museen, mit den schönsten Lithografien aus dem Heiligen Land und Ägypten in der Industriehalle. Dr. Jürgen Eichenauer liest aus einer romantischen Reise in den Orient (1842) von David Roberts. Riad Kheder und Hannelore Marzi präsentieren orientalische Märchen mit Musik auf Ud und Riqq.

Ein kostenloser Pendelbus bringt Besucher von Museum zu Museum. Die Linie 4 sowie der historische Bus verbinden Frankfurt mit Offenbach. In der Mainmetropole steht außerdem eine historische Trambahn bereit.

Karten für die 13. Nacht der Museen, die beliebig oft Eintritt zu den teilnehmenden Museen und Einrichtungen garantieren, gibt es für 12 Euro an den üblichen Vorverkaufsstellen, am Abend an Ort und Stelle. Besitzer der „Museumsufer-Card“ haben freien Zugang.

Weitere Informationen finden sich im Internet

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