Offenbacher Museen zufrieden

Ein solider Besucherstrom

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Mitmachen erbeten: Im Ledermuseum falten die Besucher Origami-Pinguine.

Offenbach - Zur 14. Nacht der Museen zog es viele Besucher in rund 50 Kunst- und Kulturinstitutionen Frankfurts und Offenbachs. Der milden Nacht mochte es geschuldet sein, dass sich die Offenbacher Museen eines recht soliden Besucherstroms erfreuten. Von Claus Wolfschlag

Dr. Jürgen Eichenauer, Leiter des Hauses der Stadtgeschichte, war das Vergnügen anzusehen: „Ich sehe die vielen Besucher mit Freude. Vor allem deshalb, weil hier auch ein Museum wahrgenommen wird, das etwas abseits der üblichen Veranstaltungsroute liegt.“

Im Haus der Geschichte durfte gemalt und fotografiert werden, Kunstpädagoge Hayko Spittel stellte ein Modell.

Ein Schwerpunkt der Offenbacher Angebote lag diesmal auf den unterschiedlichen Kulturen der Erde. So wurden teils fremdsprachige Führungen angeboten. Im Deutschen Ledermuseum war das asiatische Flair unübersehbar. Man konnte klassische japanische Musik von Miyoki Oshima und Tony Clark hören. Von einem ergänzenden Angebot wusste die stellvertretende DLM-Direktorin Dr. Rosita Nenno stolz zu berichten: „Gar nicht im Programmheft steht, dass bei uns zusätzlich auch chinesische Musik zu erleben ist. Frau Zhang spielt nämlich auf der Guzheng, einem traditionellen Zupfinstrument.“ Melanie Laun und zwei japanische Freundinnen zeigten Erwachsenen und Kindern derweil die Kunst des Papierfaltens. „In Japan heißt es, man soll tausend Kraniche falten. Dann habe man einen Wunsch frei. Ungeübte können heute bei uns aber auch einfach Pinguine falten oder ihrer Fantasie freien Lauf lassen“, so Laun.

Doch nicht die Kraniche flogen durch die Luft, sondern die Düfte der im Foyer angebotenen Speisen aus Indonesien. Nudeln, Frühlingsrollen und Sate-Spieße hatte die Balinesische Gemeinde Hessen zubereitet. Wyogami Prior von der Tai Chi-Schule „Tetade“ und Roselien Rehfeldt vom Musikverein „Nusa Irama“ verzückten die begierig zuschlagenden Besucher mit den von ihnen zubereiteten Speisen.

Wippen im Haus der Stadtgeschichte

Im Haus der Stadtgeschichte wippten die Besucher zur gleichen Zeit beim Auftritt der Combo „Staircase Blues“ um Jazzsängerin Ute Jeutter. Die Musikerin ist zwar schon seit 27 Jahren aus Offenbach fortgezogen, kehrt aber dennoch immer wieder gerne für Auftritte zurück in ihre alte Heimat. Bereits am Dienstag wird sie mit der „Coming Home Blues Band“ im KJK Sandgasse zu hören sein.

Kaum war Jeutters rauchige Stimme verklungen, als es sich Modell Elke im Badedress auf einem Liegestuhl bequem machte. Sie gehörte zu einer Aktion des Kunstpädagogen Hayko Spittel. Besucher durften eine Stunde malen, das Modell diente zugleich als humoristischer Hinweis auf die touristische Annäherung an die Fremde. Wer nicht selbst Hand anlegen wollte, zog es vor, im nach Ölfarbe riechenden Ausstellungsraum Gemälde von Andrea Simons und Skulpturen von Regina Schnersch zu betrachten.

Hier der Chef: Klingspor-Museumsleiter Dr. Stefan Soltek präsentierte Goethes „Die Metamorphose der Pflanze“ und Texte zum Schmunzeln.

Auch im Klingspormuseum kamen Freunde der Handarbeit nicht zu kurz. Pädagogin Martina Fey leitete Kinder und Erwachsene bei der Herstellung selbst entworfener Faltkarten und gelochter Bücher an. Unproblematisch lief das nicht. Martina Fey schildert das so: „Manche heutige Kinder haben noch nie eine Kreide gesehen, wissen nicht damit umzugehen. Und sie können auch keine Schleife mehr binden, da sie nur noch Schuhe mit Klettverschlüssen tragen. Und dann gibt es noch Mütter, die alles ganz schnell machen wollen und ihren Kindern ständig reinreden, wie sie zu malen haben.“ Die ausliegenden Stempel kamen hingegen als Gestaltungsinstrument sehr gut an. So auch bei der in Frankfurt studierenden und in einer Offenbacher WG lebenden Miriam, die mit ihrer aus Düsseldorf angereisten Mutter Marlene eifrig an einer Karte stempelte. „Wir haben erst zwei Museen geschafft, wollen aber noch nach Frankfurt ins Kriminalmuseum. Die Nacht ist leider sehr kurz“, sagte Kindergarten-Leiterin Marlene mit Blick auf die Uhr. So bleibt offen, ob sie noch die Zeit fanden, den Lesungen von Museumsleiter Dr. Stefan Soltek oder dem Künstlergespräch der Gruppe 431art beizuwohnen.

In den drei großen Offenbacher Museen trat Nikolaus Herdieckerhoff mit seiner Musikperformance „Cellolitis“ als verbindendes Glied auf. Abseits davon hatten zwei Galerien ihre Tore geöffnet. In der Heyne-Kunst-Fabrik wurde die Ausstellung „7 Todsünden“ von Walter Gerstung gezeigt, im Talberg-Museum die Präsentation „Basquiat meets Talberg“.

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Nacht der Museen in Offenbach

Zuspruch fand aber vor allem das neu eröffnete Kulturzentrum Hafen2, das einen umfangreichen Poetry-Slam-Wettbewerb veranstaltete. Dort bot der von Anna Bechtloff betreute „Interim Shop“ allerlei Kunsthandwerk zum Erwerb an. In den Auftrittspausen präsentierte Lina Hermsdorf eine audiovisuelle Live-Performance, bei der sie ihre 12-jährige Schwester einen ihrer philosophischen Texte vortragen ließ. Der intellektuelle Ausdruck konstrastierte mit dem Wissen, dass das junge Mädchen den Text inhaltlich noch gar nicht ganz verstehen konnte.

Städelschülerin Hermsdorf, die schon mehrfach Arbeiten im Hafen 2 zeigte, sagte dazu, was auch auf andere Angebote passt: „In der Nacht der Museen schaut sich kein reines Kunstpublikum die Objekte und Veranstaltungen an, sondern es sind eher normale Leute, die keine spezifische Seherfahrung mitbringen. Ich finde es gerade interessant, hierbei die Reaktionen zu beobachten.“

Videokunst-Ausstellung bei Nacht der Museen

Zwei Tage lang zeigen 24 Galerien, Geschäfte und eine Bar 30 Videoarbeiten aus der ganzen Welt. „vkunst", kurz für Videokunst, heißt die Schau in der Fahrgasse, die am 3. und 4. Mai parallel zur Nacht der Museen von 20 bis 24 Uhr stattfindet und in ihrer Form deutschlandweit einzigartig ist.

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