Einsatz wie am normalen Samstagabend

Nachtschicht mit Feuerwerk

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Einsatz wie am normalen Samstagabend: Sagt Polizeihauptkommissar Ingo Derigs, Dienstgruppenleiter im ersten Revier. Wir haben ihn und Polizeikommissarin Reus zum Jahreswechsel auf Streife begleitet.

Offenbach - Um 18 Uhr ist lockere Stimmung im Aufenthaltsraum. Neun Beamtinnen und Beamte teilen Besatzungen und Fahrzeuge ein, mit denen sie die nächsten zwölf Stunden unterwegs sind. Einige haben noch Papierkram zu erledigen, sie fahren erst später auf Streife. Von Bernd Georg

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Um 18.30 Uhr rollt der Mercedes Vito Richtung Bieber. An einer Bushaltestelle werden drei Jugendliche überprüft, die sich an einer Plakatwand zu schaffen gemacht haben sollen. Schnell gibt es Entwarnung: Eine Anwohnerin ruft aus dem ersten Stock, dass die Jugendlichen aus dem Waldhof nichts angestellt hätten. Allerdings müssen sie Böller und Zigaretten abgeben, denn sie sind keine 14 Jahre alt. Die erste Tour geht in Richtung Innenstadt. An der Karlstraße werden gegen 19.15 Uhr vier Leute kontrolliert, die alkoholisiert wirken. Das verläuft ohne Probleme, die Betreffenden wünschen sogar einen guten Rutsch.

Auf der Weiterfahrt meldet sich das Revier um kurz nach acht mit der ersten Ruhestörung. An der Oberen Grenzstraße stünden größere Menschenmengen grölend im Buswendehammer. Derigs weist die Wache an, zwei weitere Streifen zum Buchhügel zu schicken. Nach Ansprache der vermeintlichen Ruhestörer zeigt sich, dass es eine asiatische Familie ist, die die Bräuche ihrer Heimat pflegt. An der Großen Marktstraße ist eine dreiköpfige Gruppe unterwegs, einer zündet dauernd Böller. Die Kontrolle ergibt, dass er erst 16 ist und nicht im Besitz dieser Feuerwerkskörper sein dürfte. Sie werden eingezogen. Seine Antwort auf die Frage, warum er weit vor Mitternacht böllere: „Nur so halt.“

Gegen 21.15 Uhr sieht Derigs eine Gruppe an der Bahnüberführung Waldstraße, die am Vortag Polizeikontakt wegen Sachbeschädigung hatte. Einer hatte einen schnellen Schuh bewiesen – jetzt ist es zu spät. Nach der Durchsuchung klicken Handschellen, es geht zum Revier, nach den Formalien holt der Vormund den erst 15-Jährigen ab. Die letzte Stunde des alten Jahres ist angebrochen. Ein Smartfahrer überfährt das Rotlicht an der Esso-Tankstelle Bieberer Straße. Er gibt den Verstoß zu. Knapp vor Mitternacht bezieht die Streife Stellung am Marktplatz. Dort ist Zeit, sich kurz das Feuerwerk anzusehen. Bürger wünschen den Beamten ein frohes neues Jahr. „Es beginnt sehr friedlich“, so Polizeikommissarin Reus. Ein Alarm der Feuerwehr beendet die Ruhe. An der Bregenzer Straße in Bieber stellt sich heraus, dass es eine Täuschung war.

Kurz vor 6 Uhr, die Streife kehrt auf die Wache zurück. Zuvor hat sie an Unterer Grenzstraße und Lämmerspieler Weg sieben Fahrzeuge kontrolliert. Die Fahrer waren mit einem Alko-Test einverstanden. Ergebnis: Alle 0,0 Promille. Dazwischen werden Streifen zu vermeintlichen Schlägereien gerufen. Meist ist Alkohol im Spiel, die Beteiligten zeigen nach klarer Ansage Einsicht. Zwei Rotlichtfahrten sind zu ahnden. Letzter Einsatz ist eine Ruhestörung gegen 5 Uhr. An der Eginhardstraße feiern osteuropäische Familien viel zu laut. In kürzester Zeit ist für Stille gesorgt. Der Tagesdienst rückt im Revier ein. Dienstgruppenleiter Derigs übergibt an seinen Kollegen. Frage: „Wie war’s heute Nacht?“ Nix Besonderes – ein fast normaler Nachtdienst mit Feuerwerk...

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