Nachwuchs dringend gesucht

Schulleiterin Gitta Goesch (links) mit der Auszubildenden Simone Jung im Demonstrationsraum. Mit Hilfe der Puppen, aber auch der Mitschüler wird dort zum Beispiel das Bettenmachen geübt. Die 22-Jährige angehende Altenpflegerin hat ihren Traumberuf gefunden: „Die Heimbewohner sind oft sehr dankbar“, sagt sie.Foto: Georg

Offenbach - Altenpfleger werden händeringend gesucht: „Die Heime rennen mir die Tür ein“, sagt Gitta Goesch. Die Leiterin der Altenpflegeschule will eine Lanze brechen für die Profession, die ihrer Meinung nach noch nicht bekannt genug ist. Den Beruf des Altenpflegers gibt es erst seit knapp 50 Jahren, die Offenbacher Schule existiert seit 1981.

„Es handelt sich nicht einfach um die kleine Schwester der Krankenpflege“, ist die Fachfrau überzeugt. Schließlich gehe es nicht nur um körperliche Pflege und Betreuung, sondern vor allem auch um wichtige biografische Details aus dem Leben des Heimbewohners, die berücksichtigt werden müssten und in die Arbeit mit einflössen. Die Schulleiterin, die selbst aus der Krankenpflege kommt, kann sich noch gut daran erinnern, dass sie irgendwann den Wunsch verspürt hat, Menschen über längere Zeit zu begleiten als nur einige Wochen, die die Patienten im Krankenhaus verbringen müssen. „Diese Beziehungsarbeit ist sehr befriedigend“, hat sie erfahren.

Deswegen macht Gitte Goesch gerne Werbung für die Ausbildung zum Altenpfleger. Sie ist sich sicher, dass es sich um einen Beruf mit Zukunft handelt, bei dem selbst in unsicheren Zeiten kontinuierliche Beschäftigung relativ gewiss ist.

Für die am 1. Oktober beginnende dreijährige Vollzeitlehre in der Einrichtung am Hessenring 55 sind noch Plätze frei. Die Arbeit in einem Heim oder für einen ambulanten Pflegedienst und der Unterricht wechseln sich ab, der praktische Teil überwiegt jedoch. Die angehenden Pfleger brauchen die Mittlere Reife (oder einen gleichwertigen Abschluss) und gute Deutschkenntnisse in Wort und Schrift. Im ersten Ausbildungsjahr verdienen sie zwischen 538 und 807 Euro (die Unterschiede ergeben sich aus verschiedenen Tarifen). Ein Berufsanfänger im Öffentlichen Dienst verdient im ersten Jahr zirka 1 800 Euro, nach 15 Berufsjahren etwa 2 600 Euro, hinzu kommen oft noch Schicht- und Wochenendzulagen.

Außer der Bereitschaft zum Schichtdienst sollten die Interessenten vor allem Freude am Umgang mit Menschen mitbringen, außerdem einfühlsam und teamfähig sein. „Man muss Lust haben, sehr, sehr eigenständig und verantwortlich zu arbeiten“, sagt Gitta Goesch. Im Unterricht werden keine klassischen Schulfächer gelehrt. In sogenannten Lernfeldern beschäftigen sich die Schüler mit der Pflege alter Menschen im Allgemeinen und bei speziellen Erkrankungen, mit rechtlichen und institutionellen Bedingungen, Pflegeplanung und -theorien. Die Schulleiterin bescheinigt dem Beruf gute Weiterbildungsmöglichkeiten mit entsprechenden Aufstiegschancen.

Das Alter der angehenden Altenpfleger ist sehr unterschiedlich. Den Großteil stellen junge Leute zwischen 17 und 25 Jahren, es sind aber auch ältere Umschüler und Berufsrückkehrer über 50 dabei. Noch immer sind weibliche Teilnehmer in der Überzahl. Auch Männer wären also gern gesehen.

Als besondere Bereicherung der Einrichtung werden Schüler aus anderen Ländern begriffen. Das Projekt „Alter und Pflege in anderen Kulturen“ wurde bereits mit einem Preis der Robert-Bosch-Stiftung bedacht und hat seitdem einen festen Platz im Unterricht. Die Ergebnisse werden regelmäßig beim Tag der offenen Tür präsentiert: Für Dienstag, 21. April, sind Interessierte zwischen 11 und 16 Uhr geladen. Dabei wird auch über die Altenpflegeausbildung informiert.

Kontakt: 069 8065 5566; Informationen auch unter:

www.senioren-zentrum-of.de

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