Nachwuchs pflanzt Nachwuchs

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Die Ganztagsklasse der Leibnizschule pflanzte 1300 junge Bäume. Die Erwachsenen sind davon entsprechend angetan.

Offenbach - Wie viel Wucht in dem Sturm steckte, der am 24. August vergangenen Jahres über die Region fegte, wird in hiesigen Wäldern lange zu besichtigen und zu bedauern sein. Von Marcus Reinsch

Wo das brachiale Tosen – im Gegensatz zu noch gewaltigeren Großwetterlagen wie dem legendären Orkan Kyrill ein namenloses Phänomen – Angriffsfläche fand, knickte es stramme Bäume wie Streichhölzer. Ein ordentliches Stück der langen Umweltwunde zu heilen, hat sich die Ganztagsklasse der Offenbacher Leibnizschule in den Kopf gesetzt – und deshalb gestern ordentlich Hand angelegt: Die Sechstklässler pflanzten auf 8000 Quadratmetern der südlichen Gemarkungszipfel 1300 junge Bäume.

Sowas geht nicht von jetzt auf gleich. Erst will bestimmt sein, welche Bäume überhaupt zum Nährstoffcocktail im Boden passen. Und gratis geben Baumschulen selbst zierlichste Exemplare nicht her. Allein: In Sachen Informations- und Geldbeschaffung hat die Leibnizschule schon Übung. Als „Club of Rome“-Schule sind Klimawandel und Ökosystem keine Fremdwörter für die Schüler. Erst letzten Herbst verdienten sie sich Bares auf Flohmärkten, erleichterten das Umweltgewissen ihrer Eltern, indem sie ihnen die Chance zum Spenden gaben – und setzen am Ende 1700 Buchen für 6000 Euro in den ebenfalls vom Sturm malträtierten Bieberer Wald.

Fielmann spendiert Setzlinge

Und diesmal musste noch nicht einmal jemand etwas verkaufen, um Setzlinge kaufen zu können. Fielmann, der Republik größte Optiker-Kette, spendierte der vom Forstamt Langen angeregten Aktion die nötigen 4000 Euro. Das freute Fielmann und seinen Offenbacher Filialleiter und Augenoptikermeister Marco Vucinovic, weil ein ins grüne Image investierendes Unternehmen bekanntlich mit letztlich profitabler Zuneigung von ökologisch korrekten Kunden rechnen darf. Das freute auch alle anderen Beteiligten. Von den Schülern über Klassenlehrer Matthias Schaefer und seinen Kollegen Hans-Georg Bakalakos bis hin zu Gesandten der über Offenbacher Eigentum wachenden Liegenschaftsverwaltung und dem Diplom-Biologen Rolf Weyh von der Unteren Naturschutzbehörde.

Christian Münch, seit Monatsbeginn Leiter des Forstamts, freut’s selbstverständlich sowieso. Denn 1100 europäische Lärchen und 200 zwar erstmal verdächtig amerikanische, als klimarobuste und vor allem vorübergehende Trockenheit verzeihende Gewächse gut zur angestrebten Mischung passende Douglasien bekommen die Chance zum Großwerden.

Schüler erkennen den Wert der Natur

Das wird im Wortsinn dauern, weil solche Nadelbäume zwar flotter lang und dick und verwertbar werden als ihre belaubten Nachbarn, aber immer noch 80 Jahre brauchen, bis sie ausgewachsen sind. Zum Vergleich: Die riesigen, vom Windbruch verschonten Buchen drumherum haben schon 110 Jahre auf der Rinde und können immer noch ein wenig zulegen, bevor das Forstamt das Holz aus dem direkt hinter der Heusenstammer Waldesruhe-Siedlung liegenden Terrain erntet.

Auch beeindruckend: die Schüler. Die zögerten nicht nur keine Sekunde, als sie nach Hilfe bei der Pflanzaktion gefragt wurden. Die bewiesen gestern auch, dass die Ausrichtung ihrer Schule das ökologische Bewusstsein wirksam und nachhaltig prägt: Kein glattgeschliffenes, beim kleinsten Nachfragen als auswendig gelernt enttarntes Nachplappern von Erwachsenensätzen. Stattdessen aus echtem Interesse geborenes, fundiertes Wissen um den Wert der Natur für den Menschen.

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