Als nächstes kommt ein Ausbildungsrestaurant

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Jubiläums-Gast Generalvikar Dietmar Giebelmann suchte das Gespräch mit erfolgreichen Teilnehmern und ihren Lehrern.

Offenbach - (ddü)  „Die Gründungsväter hätten sich vor 25 Jahren wohl nicht träumen lassen, dass Jugendberufshilfe heute nötiger denn je ist“, sagt Thomas Dominick, Vereinsvorsitzender des Gelben Hauses, bei der Jubiläumsfeier.

Anfang der 80er Jahre erreichte die Jugendarbeitslosigkeit bis dahin ungekannte Ausmaße: 1980 waren in der Bundesrepublik 880 000 Menschen ohne Job, 1982 bereits 1,8 Millionen und ein Jahr später schließlich 2,2 Millionen. „Das war ein gewaltiger Schock“, erinnert sich Betriebsseelsorger Bruno Schumacher.

Mit offener Bildungsarbeit wollte das Bistum Mainz dem Strukturwandel in der ehemaligen Arbeiterstadt Offenbach damals entgegen wirken. Die Übernahme des farbigen Hauses in der Marienstraße hat Schumacher als „innerkirchliche Hausbesetzung“ in Erinnerung - zunächst diente das heruntergekommene Anwesen vor allem für Discoabende und Filmnachmittage.

Im Laufe der Zeit rückte der Bildungsaspekt in den Vordergrund. „Bilden durch Tun“ lautete jetzt das Motto. „Wir wollten keine Ersatzschule sein, sondern bei den praktischen Fähigkeiten der jungen Leute ansetzen“, erklärt Schumacher. In 25 Jahren hat sich die Arbeit stetig professionalisiert. „Wir haben uns von einer offenen Jugendeinrichtung zu einem Bildungsträger entwickelt“, sagt Lehrerin Gisela Schlüter, die seit knapp 20 Jahren im Gelben Haus unterrichtet.

Heute werden rund 70 junge Erwachsene ohne Abschluss in fünf Maßnahmen auf das Berufsleben vorbereitet: 15 Mitarbeiter unterrichten die Schüler in den Produktionsschulen Holz und Verkauf sowie im Werkstattkurs, bieten jungen Frauen eine Grundqualifizierung und schulen sie.

Jugendbildung ist eine Aufgabe der Kirche“, sagt Vereinsvorsitzende Dominick. „Denn Kirche ist solidarisch und kümmert sich um Menschen am Rande der Gesellschaft. Sie versteht sich als Anwalt und Partner der Benachteiligten.“ Als innovative Gedankenwerkstatt des Bistums sieht Generalvikar Dietmar Giebelmann das Gelbe Haus. Denn neben praktischen Fähigkeiten vermittle die gemeinsame Arbeit auch universelle Werte wie Toleranz und Solidarität: „Hier arbeiten junge Menschen über alle religiösen und nationalen Grenzen hinweg gemeinsam an einem Ziel.“

In jüngster Zeit sah sich das Gelbe Haus dramatischen Veränderungen ausgesetzt: So ist der Druck, ständig neue Konzepte zu entwickeln, beträchtlich gestiegen. „Es wird immer schwerer, langfristige Mittelzuweisungen zu bekommen, Projekte werden nur noch kurzfristig ausgeschrieben, und unsere Mitarbeiter schweben ständig in Unsicherheit“, klagt Thomas Dominick.

Geschäftsführer Markus Hansen-Tolles, sieht das Gelbe Haus in einer Konsolidierungsphase, in der es gelte, sich noch professioneller am Markt zu positionieren. So stehen 2010 Zertifizierungen an, die Voraussetzung dafür sind, weiter für die Main-Arbeit tätig sein zu können. Außerdem möchte das Gelbe Haus gemeinsam mit dem Kolping-Werk in der Luisenstraße ein Ausbildungsrestaurant eröffnen. „Das Konzept steht bereits, jetzt arbeiten wir an der Finanzierung“, so Hansen-Tolles.

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