Nächtlichem Sturm getrotzt

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Sängerin Dhenya gab der Leibniz-Bigband eine ganz hervorragende Stimme.

Offenbach - Was haben die drei tonnenschweren Wassertanks auf dem Innenhof des Büsingpalais’ verloren? Detlef Kohsow klärt auf: Sie sollen als Gewichte verhindern, dass heftige Böen das Zehn-mal-Zwanzig-Meter-Zelt vor der Bühne davonwirbeln. Von Thomas Kirstein

Dem Vorsitzenden des Leibniz-Förderkreises ist am Samstagmorgen die Erleichterung anzusehen, dass die traditionelle Jazz-Matinee des Partnerschaftsprojekts zwischen dem Gymnasium und der Fröbelschule für Praktisch Bildbare überhaupt stattfinden kann.

In der Nacht zuvor hat das Wetter einiges unternommen, um sie zu verhindern. „Wir sind gestern fast weggeschwommen“, sagt Thomas Kühn, der Vorsitzende des Fördervereins der Fröbelschule. Heftiger Sturm hat Pavillons zerrissen, manche konnten mit Kabelbindern geflickt werden, für andere musste kurzfristig Ersatz besorgt werden. Schon seit 6 Uhr sind Schüler und Eltern auf den Beinen, um alles wieder so herzurichten, dass um 10 Uhr die Gäste empfangen werden können.

Es ist die 19. Jazz-Matinee, wie auch eine von Eltern der Leibnizklasse 5b gebackene Torte verrät. Sie gehört zu den abwechslungsreichen Köstlichkeiten, die hinter dem schmiedeeisernen Portal des Büsingpalais’ und in dessen Arkaden feilgeboten werden. Mütter schenken Kaffee zu selbst gebackenem Kuchen aus, Schüler haben Salate oder Cocktails vorbereitet, grillen Brat- oder erwärmen Weißwurst. Der Verein der Ehemaligen zapft Bier, der Förderkreis kredenzt Wein.

Brunch und Jazz ziehen wieder viele hundert Gäste in die Herrnstraße - es seien allerdings ein paar weniger als in den Vorjahren gewesen, wird geschätzt. Die Besucher erwartet ein feines musikalisches Programm, durch das Stella Borbas von der Leibniz- und Marco Rezze von der Fröbelschule führen.

Fantastische Musik

Wer von 10 bis 16 Uhr durchhält, darf über Chor, Schulband oder die Bigband der Leibnizschule mit ihrer fantastischen jungen Sängerin Dhenya Müller-Rodriguez staunen, die Boygroup von der Fröbelschule bewundern, sich an Funka Potente, Manuel Mrugallas Fusion Fly, dem Offenbacher Saxophon Quartett Quartett und der Bigband der Marienschule erfreuen.

Der Genüsse für Ohren und Gaumen und die damit erzielten finanziellen Mittel dienen einem einmaligen Zweck: Vor zwanzig Jahren sind das Offenbacher Gymnasium und die Behindertenschule eine Partnerschaft eingegangen, die es so nirgendwo mehr gibt. Das würdigen am Samstagmorgen auch die Beteiligten und die Ehrengäste.

Jazz vieler Spielarten unterhielt die etwas spärlicher als in Vorjahren zum Büsinghof geströmten Gäste.

Offenbachs Schuldezernent Paul-Gerhard Weiß eröffnet das Fest offiziell und weist darauf hin, wie die „ganz wertvolle Partnerschaft“ in den Schulprogrammen der beiden Bildungseinrichtungen verankert ist: Am Leibniz soll sie soziale Kompetenz fördern, die Fröbelschule will sich mit ihren geistig und körperlich benachteiligten Schülern in der Stadt positionieren. Auf dem Plan des Schuljahrs 2008/2009 standen mit einem Dutzend so viele gemeinsame Projekte wie noch nie.

Zur Matinee gehört - neben zahlreichen Dauerunterstützern - stets ein Hauptsponsor. Im vergangenen Jahr hat sich der Gartenbaubetrieb Stenger außerordentlich intensiv mit über das Finanzielle hinaus gehenden Angeboten engagiert. Der diesjährige Sponsor ist die noch junge, auf einen M.Schneider-Gesellschafter zurückgehende Dr. Marschner-Stiftung. Deren Vorsitzender Wolfgang Rawer, einst der Amtsgerichtspräsident, sagt, dass die drei möglichen Stiftungszwecke, Wissenschaft, Kultur und Soziales, bei der Jazz-Matinee zusammentreffen.

Zu den Grußworten von Schulamt, Schulleitern, Elternbeiräten und Fördervereinen gehört auch das des von den Wettereskapaden geschafften Detlef Kohsow, der öffentlich aufatmen darf: „Gestern sind wir abgesoffen. Heute stimmt’s: Wo wir sind, ist die Sonne.“

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