Vietnamesische Katholiken verschenken mehr als 1 500 Gesichtsmasken

Nähen aus Dankbarkeit

Die Mitglieder der vietnamesischen Katholikengemeinde haben Gesichtsmasken für karitative Einrichtungen genäht und verschenken sie. Hung Trinh, Chi Vu und Pfarrer Dominik Manh Nam Tran (von links) präsentieren einige der selbst genähten Mund-Nase-Bedeckungen. Foto: Klein

Offenbach – Ein dicker Stoß Dankesschreiben liegt vor Hung Trinh auf dem Tisch. Sie kommen von den verschiedensten Pflegeheimen in Offenbach, aber auch von der Tafel oder der Teestube der Diakonie. VON PETER KLEIN

Mehr als 1 500 Gesichtsmasken haben die vietnamesischen Katholiken bisher genäht und an gemeinnützige Einrichtungen oder an die Nachbarschaft verteilt, wie Chi Vu berichtet. Die Informatikerin hat mithilfe ihrer Kinder und ihres Mannes bisher rund 100 Masken gefertigt.

Ihre Gottesdienste feiern die katholischen Vietnamesen im Abstand von mehreren Wochen in der Kirche St. Anna in Frankfurt-Hausen. Viele von ihnen sind deshalb auch in ihren jeweiligen Ortsgemeinden aktiv. Pfarrer Dominik Manh Nam Tran betreut zehn Gemeinden, die sich über die Diözesen Mainz, Speyer, Limburg und Freiburg verteilen. Er fahre rund 5 000 Kilometer im Monat. Auch andernorts hat er dazu angeregt, Gesichtsmasken zu nähen. „Wir Vietnamesen sind vor 40 Jahren nach Deutschland gekommen und waren überrascht von der herzlichen Aufnahme. Diese Dankbarkeit ist tief in unserem Herzen“, sagt er zu seiner Motivation.

Rund 20 Familien aus dem Rhein-Main-Gebiet beteiligen sich an der Aktion und haben sich die Arbeit aufgeteilt. Einige schneiden die Schablonen, andere nähen und wieder andere übernehmen die Verteilung an Einrichtungen.

Chi Vu erzählt, wie sie 1980 als Achtjährige zusammen mit ihrer Familie von dem Rettungsschiff Kap Anamur aus dem südchinesischen Meer gezogen wurde und wie rund 10 000 andere Vietnamesen nach Deutschland gebracht worden ist. Nach dem Einmarsch der Kommunisten in Süd-Vietnam wollten viele weg in ein sicheres Nachbarland. Doch die Bootsführer waren meist kleine Fischer die nie weiter rausgefahren waren als in ihre Fanggründe. Entsprechend viele kamen ums Leben oder irrten in ihren Booten hilflos umher, bis Rettungsschiffe eintrafen und ihnen halfen.

Chi erinnerte sich, dass sie es vor Jahren einmal mit Nähen versucht hatte und noch über Stoffreste verfügte. Sofort setzte sie sich an die Nähmaschine und stellte fest: So einfach ist es nicht. Mittlerweile kaufen die Gemeindemitglieder gemeinsam über das Internet ein und versuchen, ausschließlich Baumwollstoff zu verwenden. Auch war auf ihrer einfachen Nähmaschine kaum eine gerade Naht hinzubekommen. Also besorgte sie sich eine Industrienähmaschine. Für sie ist es die Gelegenheit, der Gesellschaft etwas zurückzugeben, wie sie sagt.

Insgesamt sind nur acht Prozent der Vietnamesen katholisch, berichtet Hung Trinh. Ihr Einfluss sei aber viel größer, da während der französischen Kolonialzeit fast alle Schulen katholisch gewesen seien. Heute sind die Schulen zwar staatlich, aber mit katholischen Lehrern besetzt. Er selbst ist nicht Katholik, hat aber früh über Bekannte von der Aktion erfahren und sofort seine alte Nähmaschine aus dem Keller geholt. Zunächst sei es schwierig gewesen, weil er ungeübt war. Inzwischen hat auch er sich eine Industrienähmaschine besorgt. Seine Frau näht die Bänder an die Masken, das ist dem 63-Jährigen zu kleinteilig.

Auch ansonsten unterstützt sich die Gemeinschaft gegenseitig. Als es nirgends mehr Gummibänder zu kaufen gab, fanden sie einen sogenannten Gummistoff, der ansonsten bei Verbänden genutzt wird. In Streifen geschnitten und gekocht wird er dehnbarer und konnte als Ersatz genutzt werden.

Solange noch Bedarf besteht, wollen die Gemeindemitglieder weiternähen. Interessierte Einrichtungen können sich bei Hung Trinh unter z 0179 7218380 oder Pfarrer Dominik Manh Nam Tran unter z 0151 21080828 melden. Allerdings bitten sie um Verständnis, wenn nicht jeder Wunsch sofort erfüllt werden kann. Schließlich müssen sie arbeiten, viele im Homeoffice. Genäht wird am Abend und am Wochenende.

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