Närrische Nachbarliebe

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Offenbachs Alt-Adel bei der Seniorenfastnacht: Ingrid Herrmann (links) war 1957 Prinzessin, Ingrid Engel bereits 1954. Beide begrüßt OKV-Chef Roth.

Offenbach ‐ „Wir lassen uns trotz aller Krisen das Dasein nicht vermiesen!“ Es ist erst 9.30 Uhr an diesem Rosenmontag, als Oberbürgermeister Horst Schneider in der gut gefüllten Stadthalle schon vielen aus der Seele spricht. Von Silke Gelhausen-Schüßler

Als Schirmherr lässt er es sich nicht nehmen, das 60-plus-Publikum mit bunt-gespanntem Regenschutz auf dem Kopf auf drei Stunden Frohsinn einzustimmen. Dann übernimmt Simon Isser. Gut gelaunt, salopp und sehr professionell führt der Sitzungspräsident des Offenbacher Karnevalvereins durchs Programm der OKV-Seniorenfastnacht.

So angekündigt muss jede Darbietung ein Erfolg werden und nimmt auch den Kleineren etwas die Angst vor der großen Bühne. Mädchen im Enkel-Alter zeigen in fünf verschiedenen Tanzshows, was sie drauf haben: Die TSC Fantasy mit einem Marschtanz, die Bambini der Stadtgarde mit „Zirkus, Zirkus“ und die „Pretty Girls“ der Gemaa Tempelsee. Letztere lassen zu Titeln aus dem Musical „Grease“ die Petticoats fliegen. Im Showtanz „Fluch der Karibik“ rasseln die Säbel der Blauweißroten Mozart-Husarinnen. Einziger Soloauftritt: Das 16-jährige Funkenmariechen Alicia Wagner vom Karnevalverein Sprendlingen.

Rollator-Tanz bringt die Bühne zum Beben

Doch auch die erwachsenen Mädchen haben musikalisch einiges zu bieten. „Big Soul“ heißt der Playback-Beitrag des Quartetts, unter das sich Prinzessin Sabine I. höchstpersönlich gemischt hat. Vier Damen, lila und schwarz gewandet, bringen trotz der frühen Morgenstunde erstmals Leben ins Publikum.

„Je oller, je doller“ hat sich auch Ilse Hammann, zweite Vorsitzende der Offenbacher 03er, gedacht. Der Rollator-Tanz ihrer Truppe bringt die Bühne zum Beben. Aufs Debüt „Am Brunnen vor dem Tore“ folgt „We Will Rock You“, es fliegen Mäntel, Hüte, Stöcke und sonstige Gehhilfen beiseite. Da schunkelt auch der größte Morgenmuffel mit.

Bilder der Seniorenfastnacht

Seniorenfastnacht

„Liebe Freunde aus Frankfurt“ kann Isser dann ankündigen. Der Einzug des Frankfurter Hofstaats mit Prinz Markus I. und Prinzessin Nicole I. sowie dem Kinderprinzenpaar Lukas I. und Alice I. ist der Höhepunkt des Vormittags. Weil seine Hoheit stimmlich noch angeschlagen ist vom Umzug am Sonntag, übernimmt kurzerhand Nicole I. das Zepter: „Ich war gestern brav und bin ganz früh ins Bett gegangen, um für Offenbach fit zu sein!“ Sie lässt es sich nicht nehmen, den Nachbarn ein Schunkellied darzubieten. Und die positive Karnevals-Entwicklung zwischen den Nachbarstädten zu loben: „Zwischen Offenbach und Frankfurt ist eine richtige Freundschaft entstanden.“ Grund genug, Frankfurt, Offenbach, Prinzenpaare und OKV ungezählte Male mit „Hallau“ zu grüßen.

Doch nicht nur die Nachbarn nördlich des Mains haben am Rosenmontag prinzentechnisch viel zu bieten. Neben den Amtsinhabern Sabine I. und Herbert II. bringt OKV-Vorsitzender Manfred Roth eine ganze Reihe ehemaliger Adliger auf die Bühne. Dienstältester Gast ist Ingrid Engel, die 1954 mit Erich Eisele das Regiment führte. Ihr leisten die Nachkriegsprinzessinnen Ingrid Herrmann (1957) und Monika Fuhr (1958) Gesellschaft. Als dienstältestes Paar sind Karl Albrecht und Heike Jöst-Caselitz (1987) in die Stadthalle gekommen, ebenso das aktuelle Dietzenbacher Prinzenpaar Roswitha I. und Dieter I..

Dieter Reinhart kann auch sanfter

In der Bütt führt Jürgen Kofink von den Gemaa-Elfern als Protokoller vom Dienst einen Feldzug durch die Politik, spricht vom Stadion und vom „Magistrat-Spagat wegen dem Parkscheinautomat“. Mit dem hat Wilma Reinhart den Kampf noch nicht einmal aufgenommen. Sie hat gerade erst den Führerschein bestanden, macht nun mit dem Ehemann (Dieter Reinhart, beide vom Theaterclub Elmar) die Jungfernfahrt. Das kann nicht gut gehen. „Du hast jetzt dei Erlaubnis, da habbe se gleich vorsichtshalber ganz Offebach abgesperrt.“ Aber er kann auch sanfter: „Jetzt konzentrier dich doch, Schatz, wir komme gleich uff de Wilhelmsplatz.“

Die Randstaajodler der Kolping-Elfer und die Sängerfreunde mit Horst Werner komplettieren musikalisch das unterhaltsame Programm.

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