In närrischer Tradition

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Donna Schwab schiebt sich den schwarzen Hut mit einer eleganten Pose lässig ins Gesicht und zeigt einen formvollendeten Moonwalk.

Bürgel ‐ Bunt, ausgelassen und stimmgewaltig feierten die Kinder und Jugendlichen der Ranzengarde Bürgel ihre Karnevalssitzung im Gemeindesaal St. Pankratius. Bereits seit Herbst hatten die Nachwuchsjecken für ihren großen Auftritt geprobt - schließlich sollte ihr närrisches Treiben dem der Erwachsenen in nichts nachstehen. Von Denis Düttmann

Bevor es jedoch los geht, muss dann doch noch mal ein ausgewachsener Fastnachter ran. Wolfgang Zühlke erklärt den Novizen zunächst die ganz eigenen Regeln des Karnevals: „Der Kapellmeister spielt einen Tusch, damit auch wirklich jeder begreift, wann er lachen muss.“ Auch die speziellen Fremdsprachenregelungen für die närrische Zeit werden erläutert: „Bürgel ist jetzt Burgilla und Offenbach heißt Lederanien. Bei uns ruft man Gud Stuss und bei denen Hallau.“

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Gelungene Jugendsitzung der Bürgeler Ranzengarde

Für derlei Spitzfindigkeiten interessieren sich die kleinen Tanzmädchen nur bedingt. Zu „The Singing Kangaroo“ hopsen sie als australische Beuteltiere fröhlich über die Bühne und zaubern so vor allem den erwachsenen Gästen ein Lächeln aufs Gesicht.

Dass in der Schule nicht immer nur stur gelernt, sondern auch viel Schabernack getrieben wird, weiß wohl niemand besser als die Kinder selbst. Und auch die Lehrerin Frau Kussmaul muss sich von ihrer Rasselbande so einiges anhören. Was sie denn einmal werden wolle, möchte sie von einer Schülerin wissen. „Wenn ich schön bin, gehe ich zum Film. Sonst werde ich Lehrerin“, entgegnet die ihrer entgeisterten Paukerin. Selbst religiöse Gepflogenheiten werden im Klassenzimmer diskutiert. „Will dein Vater eigentlich auch, dass du vor den Mahlzeiten betest“, will ein Mädchen von ihrer Banknachbarin wissen. „Nein, meine Mutter kocht eigentlich ganz gut“, versichert die ihr.

Nach dem kurzen Ausflug ins Bildungswesen geht es wieder zurück in die Welt der Musik. Bei der Mini-Playback-Show präsentieren die Jugendlichen ein Pop-Medley aus Beyoncés „Sweet Dreams“, Katy Perrys „Hot and Cold“ und Lady Gagas „Bad Romance“. Mit Michael Jacksons „Billy Jean“ lassen die Kinder sogar den King of Pop noch einmal lebendig werden. Frontfrau Donna Schwab schiebt sich den schwarzen Hut mit einer eleganten Pose lässig ins Gesicht und zeigt einen vollendeten Moonwalk.

Wenn Eltern abends ausgehen, wollen sie meistens wahrscheinlich gar nicht so genau wissen, was ihre Kinder unterdessen zu Hause treiben. Dass da durchaus mal eine wilde Party steigt, lernen die Gäste beim Schautanz der Jugendlichen. Sobald die Mutter die Tür hinter sich zugezogen hat, heißt es „I Like To Move It“. Weiter geht es mit Peter Fox' „Haus am See“, einer Dance-Version von „Über den Wolken“ und Lady Gagas „Poker Face“. Kaum hören die Kinder jedoch den Schlüssel in der Tür, liegen sie brav in ihren Betten - nur ihre Herzen schlagen noch zum Takt der Musik.

Bei der Familie Knaddel werden wie jedes Jahr Anekdoten aus der Nachbarschaft erzählt, der schulische Erfolg des Sohns diskutiert und die Beziehung der Eltern unter die Lupe genommen. „Hättest du lieber einen schönen oder einen schlauen Ehemann“, will Amandus von seiner Agathe wissen. Doch die kann ihn beruhigen: „Weder noch - ich liebe doch nur dich.“

Zum Finale der Sitzung brechen die Mini-Röchler zu einer musikalischen Reise in die Schlager-Welt auf. Frei nach dem Motto eines großen Radiosenders präsentieren die Sänger die Hits der 70er, 80er, 90er und das Beste von heute. Als Drafi Deutscher im Jahr 1965 „Marmor, Stein und Eisen bricht“ sang, dürften zwar selbst die Eltern der heutigen Akteure noch in den Kinderschuhen gesteckt haben. Doch mit jedem Song tasten sich die Röchler näher an die aktuelle Hitparade bis sie angesichts der geschlossenen Schneedecke vor der Tür mit „36 Grad“ der Band 2raumwohnung einen wirklich frommen Wunsch äußern.

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