Ein närrisches Feuerwerk

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Nachdem am Samstag die Erwachsenen der Stadtgarde ihre Sitzung hatten, gehörte am Sonntag die Turnhalle des TV Bieber dem Nachwuchs. Bei der Kinderfastnacht der Stadtgarde war Spaß garantiert.

Offenbach ‐ Karl-Heinz versucht sich an eine bestimmte Melodie zu erinnern. Das klappt nicht. Denn gerade, wenn man sein Gedächtnis anstrengt, kommt meist nichts dabei heraus. Außerdem meint seine Frau Hiltrud, bei ihrem Karl-Heinz Anzeichen von Debilität zu beobachten. Von Stefan Mangold

„Was der zu Mittag gegessen hat, das weiß der jetzt nicht mehr.“ Schließlich tanzen die beiden zu „Papa loves Mambo“. „Es ist nicht einfach, für den Mann zu klatschen,“ kommentiert Hiltrud die Reaktion des Publikums. Später nötigt sie den Gatten, lasziv zu strippen, was der beendet, als er sich bis auf die Küchenschürze entblättert hat.

Friedel Arndt und Petra Giesel geben die Nummer bei der Fastnachtssitzung der Stadtgarde Offenbach am Samstag in Bieber zum Besten. Jürgen Old und Frank Wiesner bewegen sich bei ihrer Büttenrede auf ähnlich humoreskem Terrain. Nach langjährigen Ehen steht ihnen der Sinn nach Variationen: „Jetzt sinn unser Fraue ja noch ziemlich frisch, abber trotzdem muss manchmal was anners uff de Disch.“ Aber der Wunsch bleibt ohne Widerhall, aus Angst vor Konsequenz und mangelnder Möglichkeit: „Am End lande mir noch vorm Scheidungsrichter, doch zum Glück will uns kaa, bei deene Gesichter.“

Mehr Bilder von der Kostümballsitzung

Bunte Kostümballsitzung der Stadtgarde

Ebenfalls vom Carneval-Club Höchst: 15 junge Frauen in weiß-roten Kostümen, die bei ihrem Gardetanz fast mit den Füßen bis zur Decke zu kommen scheinen. Das Prinzenpaar der Odenwälder gibt sich ebenfalls die Ehre in Bieber, wirkt ähnlich fest im Leben stehend wie ihre Lieblichkeit, Sabine I. und seine Tollität, Herbert II., die in dieser Kampagne den Offenbacher Frohsinn als Prinzessin und Prinz vertreten. Das Paar schaut samt großem Hofstaat vorbei und bringt selbstverständlich Orden mit.

„Die begnadeten Männer“ vom Frankfurter Ballett „Die Kameruner“ tanzen in Piratenkostümen. Höhepunkt ihres Auftritts ist die kraftraubende Konstruktion einer menschlichen Pyramide. Die junge, talentierte Zoe Melchers von der Stadtgarde brilliert beim Solotanz mit vielen sportlichen Elementen. Sinnlichkeit verbreiten die wenigen Männer und vielen Frauen der TSG Blau Silber Gernsheim, die sich zu Sequenzen des Musicals Hercules in Gewändern römischer Vestalinnen mit Raffinesse bewegen. In engen Zebra-, Löwen- und Giraffen-Kostümen kommt das Damenballett aus Eppertshausen auf die Bühne. Bei Auftritten mit einer afrikanischen Note darf in dieser Kampagne auf keinen Fall der WM-Song „waka waka“ von Shakira fehlen. Daran halten sich die Eppertshäuserinnen ebenso wie die Tänzerinnen vom Twirlingclub Rodheim, die mit roten Perücken und Leopardenpunkten auf dem Kleid die Zuschauer erfreuten.

Nach flotten Eisfeen wird Guggenmusik zelebriert

Die Mädchen Sophie Grosser und Sofia Pfeilschifter fahren nicht nur waghalsig auf ihren Einrädern, sie hüpfen damit auch geübt auf den Brettern. Die drei schönsten Kostüme prämierte der Conférencier Stefan Wolf mit jeweils einer Flasche halbtrockenen Schaumwein. Ein Mann, der sich im rosafarbenen Trainingsanzug als „Cindy aus Marzahn“ ausgibt, wirkt täuschend echt.

Den athletisch anspruchsvollsten Auftritt des Abends zeigen die Frauen von der TGM SV Jügesheim. In goldenen Kostümen treten die vier Crazy Dancers der Stadtgarde auf. Von der kommen auch die Bambis, die für die Sitzung mit ihrem Auftritt erst den Startschuss geben. Flott bewegten sich auch die drei Eisfeen. An Eis scheint die Stadtgarde generell Gefallen zu haben. Stefan Wolf steht auch den Icebreakers vor, die Guggenmusik zelebrieren.

Das Duo Crazy Cats, bestehend aus Christin und Tom Jet, gehört zu den Profis im musikalischen Metier. Anfangs freut sich Tom Jet, „nach zwanzig Jahren wieder hier in Bieber zu sein.“ Sekunden später hält es niemanden mehr auf seinem Sitz. Der Saal klatscht ausgelassen im Takt zu „Hey, hey, hey baby! I want to know if you'll be my girl.“ Das Publikum wirkt bei „Rote Lippen soll man küssen“ ebenso textsicher wie bei Michael Holms These, „Tränen lügen nicht.“

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