Neue Buslinie eckt an

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Markus Geyer (links) und Horst Wicker übergeben Bürgermeister Peter Schneider 304 Unterschriften gegen die Schleife

Bürgel - Horst Wicker und Markus Geyer als Fortschritts-Verweigerer oder Dauer-Querulanten zu bezeichnen, ist sicher verkehrt. Die Bürgeler argumentieren eher mit dem gesunden Menschenverstand. Von Martin Kuhn

Sie wollen verhindern, dass die neue Buslinie 108 künftig durch ihr bislang beschauliches Wohngebiet geführt wird. Für ihr Ziel haben sie bislang 304 Unterschriften gesammelt und an Bürgermeister Peter Schneider übergeben. Ob’s Erfolg hat, zeigt sich am Donnerstag, 7. Februar. Im Stadtparlament wird an diesem Tag über den Nahverkehrsplan 2013 bis 2017 entschieden.

Wie es scheint, prallen die Positionen unverrückbar auseinander. Auf der einen Seite die Politik und Fachleute, auf der anderen die Anlieger. Als solcher sagt Wicker bei der Übergabe des Protests: „Nahezu jeder, den wir angesprochen haben, unterzeichnete die Forderung. Das sind Mehrheiten, von denen so mancher im Stadtparlament träumt.“ Schneider sagt: Es geht nicht um zwei Straßenzüge oder einen Stadtteil, sondern um ganz Offenbach.

Streitpunkt: Die für die Organisation der öffentlichen Verkehre zuständige NiO (Nahverkehr in Offenbach) möchte eine neue Linie 108 installieren. Sie bindet das Hafenviertel an, verkehrt in der ersten Stufe zwischen Kaiserlei und Marktplatz. Als nächster Schritt folgt die Weiterführung über zwei weitere Neubaugebiete – Bürgel-Ost und Waldheim-Süd. So weit, so gut. Ganz schlecht ist nach Meinung Wickers, Geyers und mindestens 302 anderer hingegen ein Detail.

Die Experten möchten die 108 mit drei neuen Haltestellen durch ein gut situiertes Gebiet mit Ein- und Zwei-Familien-Häusern führen – durch Anhalter, Mecklenburger und Brandenburger Straße. Markus Geyer sagt: „Uns sind dort Ruhe und Sicherheit wichtiger als eine bessere Anbindung.“ Und Mitstreiter Horst Wicker ergänzt: „Wir haben keinen getroffen, der eine Bushaltestelle will.“ Was sie beinahe noch mehr stört: In einer der drei Straßen – aufgrund des Querschnitts wohl die Anhalter Straße – soll eine Endhaltestelle eingerichtet werden, wo die Busfahrer ihre vorgeschriebenen Pausen einlegen können. „Das bedeutet deutlich mehr Abgase“, fürchten Anwohner.

Die Bürgeler sind selbstverständlich nicht ohne Alternativ-Vorschlag im Rathaus erschienen. Geht es nach ihnen, könnte die Ruheposition auf der Rumpenheimer Straße (Höhe Freie Tankstelle oder ehemaliges Autohaus Gispa) eingerichtet werden: „Da gibt es ohnehin eine Haltestelle.“ Aber spätestens da schüttelt Bürgermeister Petter Schneider den Kopf: „Halten ja, stehen nein. Dort gibt es einen Radweg. Außerdem muss Platz sein für zwei Busse; einer, der die Ruhepause macht, einer, der die Linie weiter bedient.“

Spätestens da wird klar, dass es in dieser Angelegenheit wohl zwei Meinungen, aber keinen Konsens gibt. Abstimmung mit anderen Verbindungen, Taktung, Umläufe, Ruhezeiten. Die Experten führen viele Argumente an, die gegen die angeführte Alternative sprechen. „Ich verlasse mich auf die fachliche und sachliche Seite“, sagt Schneider, der es generell begrüßt, dass sich die Bürger für ihre Stadt interessieren. Der Magistrat habe aber auch einen verantwortungsvollen Umgang mit Steuergeldern im Blick.

„Wie bitte?“, fragen die eifrigen Unterschriftensammler. Was kann billiger sein, als drei Haltestellen nicht zu bauen? Da lenkt NiO-Geschäftsführerin Anja Georgi wieder den Blick auf den Plan für die gesamte Stadt. „Wir müssten die Buslinie 108 bis zum Schlosspark Rumpenheim führen; erst dort ist die nächste Wende- und Ruhemöglichkeit.“ Unterm Strich, ohne in Details zu gehen, wären das Mehrkosten von gut 300.000 Euro – pro Jahr. Außerdem würden dann drei Linien (neben der 108 auch die 101 und die 107) auf einer Strecke verkehren: „Viel zu viel.“

Georgi gibt zu bedenken, dass ein beschlossener Nahverkehrsplan nötig ist: „Die Zeit drängt.“ Der Plan sei Grundlage für die Vergabe von Linien – das dauert bis zu 27 Monate. Ohnehin stehe die Schleife ins Bürgeler Wohngebiet unter einem Finanzierungsvorbehalt. Die Umsetzung komme frühestens 2015, wenn entlang des Mainzer Rings Häuser stehen und Menschen wohnen. „Es muss sich rechnen.“

Also alles halb so wild und ohnehin mit vielen Fragezeichen versehen und somit frei zur Zustimmung am 7. Februar? „Nein“, sagt ein Stadtverordneter, der nicht mit Namen genannt sein möchte. „Geht’s in zwei Jahren wieder um dasselbe Thema, stehen auf einmal nur noch Details auf der Tagesordnung. Dann heißt es: Das habt ihr damals so beschlossen!“

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