Wirtschaftliche Effekte von Corona

Nahverkehr schmälert Bilanz der Stadtwerke Offenbach

Fahrgäste steigen in einen Bus der Offenbacher Verkehrsbetriebe
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Verlustbringer, aber unverzichtbar: Die Ausweitung des Nahverkehrsangebots.

Corona wird auch der Bilanz der Stadtwerke-Unternehmensgruppe in Offenbach zusetzen. Im schlimmsten Fall rechne man mit einem Defizit von rund einer Million Euro.

Offenbach - Corona wird auch Auswirkungen auf die Bilanz der Stadtwerke-Unternehmensgruppe haben. Im schlimmsten Fall rechne man mit einem Defizit von rund einer Million Euro, sagte Stadtwerke-Chef Peter Walther bei seinem Ausblick anlässlich der Präsentation der noch nicht vom Virus geprägten Jahresbilanz 2019. Dabei hat die Pandemie unterschiedliche Effekte auf die jeweiligen Geschäftsfelder: Einbrüchen im Veranstaltungsbereich und bei den Mieteinnahmen der GBO stehen zusätzliche Aufträge bei der GBM gegenüber. Die Verluste aufgrund weggebrochener Fahrgastzahlen bei den Verkehrsbetrieben werden laut Walther vermutlich aber durch Bundes- und Landesförderung ausgeglichen.

Das Jahr 2019 konnten die Stadtwerke wieder mit einem Plus abschließen. Der Jahresüberschuss im Konzert lag bei 2,84 Millionen Euro, geplant waren indes 3,97 Millionen. Dass dieses Ziel verfehlt wurde, begründet Walther im Wesentlichen mit den Mehrkosten bei der Umsetzung des Nahverkehrsplans. Die Elektrifizierung der Busflotte samt Umbauten am Standort Hebestraße wird die Stadtwerke bis 2024 rund 30 Millionen Euro kosten.

Dennoch ließ Walther zusammen mit Bürgermeister Peter Freier keinen Zweifel daran, dass die Investitionen in den ÖPNV mit Blick auf die wachsende Stadt und die Erfordernisse des Klimawandels notwendig sind. Zugleich wies der Stadtwerke-Geschäftsführer darauf hin, dass gemäß Vereinbarung der Stadtkonzern die Verluste der Verkehrbetriebe bis zu einem Betrag von acht Millionen Euro trägt. Was darüber hinaus geht, übernimmt die Stadt. 2020 werden das zwei Millionen Euro sein.

Wie Walther am Rande erwähnte, schlug sich die Erhöhung der Grundsteuer auch in der Bilanz der Stadtwerke nieder: 713 000 Euro mussten an die Stadt überwiesen werden.

Stolz ist man an der Senefelderstraße auf die Entwicklung der Mitarbeiterzahlen. Zum Ende dieses Jahres werden 1100 Personen bei den Stadtwerken beschäftigt sein, vor zwei Jahren waren es noch 944. Mit 46 Azubis bilde man über Bedarf aus, sehe als Stadtkonzern darin aber auch eine Verpflichtung, betonte Peter Walther. Zuwächse erwartet er bei den Reinigungskräften und bei den Busfahrern, als Herausforderung bezeichnete er, den Bedarf an Fachkräften zu decken, die man vorwiegend aus den eigenen Reihen rekrutieren wolle.

Erfolgreich war 2019 für das Geschäftsfeld Veranstaltungen. Walther hob dabei das Eishockey-Derby sowie das Weihnachtssingen im Kickers-Stadion hervor. „Was im Stadion gemacht wurde, könnte auch in der Innenstadt funktionieren“, deutet der Stadtwerke-Chef neue Ziele des Stadtmarketings an, an dem man mit Übernahme der Sparkassen-Anteile an der OSG nun die Mehrheit habe.

Für Spenden und Sponsoring habe die Stadtwerke 2019 mehr als 400 000 Euro ausgegeben. Sie flossen in die Sparten Sport (190 333 Euro) Soziales (112 947) und Kultur (109 931). Neu zu den dauerhaft unterstützten Projekten hinzugekommen ist die OFC Kickers 1901 GmbH, die 110 000 Euro erhielt. Weiter unterstützt wurden Bürgerstiftung (50.000), Lichterfest und Mainuferfest (46.790) und Classic Lounge (35.840). Darüber hinaus investieren die Stadtwerke jährlich 350 000 Euro über das Projekt „Besser Leben in Offenbach“ weitere Maßnahmen und Aktionen in der Stadt.

Bei seinem Ausblick hob Walther die Chancen hervor, die das Clariant-Gelände biete, das die neu gegründete Stadtwerke-Tochter INNO Innovationscampus Offenbach GmbH & Co. KG unter ihren Fittichen hat. „Entgegen unseren Befürchtungen ist die Nachfrage nach den Flächen trotz Corona groß“, so Walther. Im Hafen würden die letzten Grundstücksverkäufe abgeschlossen und der Wohnungsbestand der GBO wachse in den nächsten Jahren um mehr als 80 Einheiten.

Nach wie vor ist das Konzernergebnis abhängig von der Entwicklung der EVO, an der die Stadtwerke beteiligt sind. 6,8 Millionen Euro steuerte der Energieversorger 2019 bei. Schwankungen seien auch bei der Entwicklung der Sparte Mobilität und nicht zuletzt durch Corona möglich. (Matthias Dahmer)

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