Nahverkehrsplan: Nächster Halt – Hafen!

+

Offenbach - Der Fahrgastbeirat atmet auf, ebenso der VdK und vielleicht auch die Familie Ludwig. Sie alle hatten sich gegen eine Ausdünnung des lokalen Busnetzes vor allem in späten Abendstunden ausgesprochen. Von Martin Kuhn

Auch der Magistrat lehnt diese Variante in seiner jüngsten Sitzung ab. Stimmt das Stadtparlament zu, greifen erste Veränderungen zum turnusmäßigen Fahrplanwechsel im Winter 2013. Ausgestanden ist das Thema Nachtnetz, lediglich einstündige Taktung, damit allerdings nicht.

Wer hätte es gedacht: Es liegt am (nicht vorhandenen) Geld. Der Oberbürgermeister stellt bewusst heraus, dass innerhalb des Stadtkonzerns das OVB-Defizit derzeit durch die EVO-Ausschüttung kompensiert wird. Aber muss das immer so sein?  Offensichtlich nicht. Schlüpft die Stadt unter den sogenannten kommunalen Rettungsschirm, nach Horst Schneider erklärtes Ziel, muss die Stadt bis 2020 einen ausgeglichenen Haushalt präsentieren – wie auch immer. Da kämen die EVO-Millionen gerade recht...

Nahverkehrsplan 2013-2017

So heißt’s im Nahverkehrsplan 2013-2017, der in zwei Stufen umgesetzt wird: Blick aufs Detail, gerade in der Phase ab 2015. Jede einzelne Buslinie zu jeder Tag- und Nachtstunde ist zu analysieren, die Fahrgäste sind zu zählen. Das übernimmt Nahverkehr in Offenbach (NiO). GmbH-Geschäftsführerin Anja Georgi sagt: „Uns ist die finanzielle Lage der Stadt bewusst, aber ein funktionierender ÖPNV ist notwendig.“

Für sie ist das kein Widerspruch. In den Augen der Geschäftsführerin gibt es in Offenbach derzeit ein angemessenes Angebot und keinesfalls ein Überangebot. Was Schneider zu der Anmerkung anregt: „Wir können uns noch steigern – aber es muss finanzierbar sein.“ Eine solche Steigerung, zumindest in der Kapazität, ergibt sich zwingend durch die stetige Entwicklung der Baugebiete. So rollt bereits im kommenden September die neue Buslinie 108 vom Marktplatz zur Hafeninsel bis zum Kaiserlei und zurück.

Im ersten Paket enthalten

Zudem im ersten Paket enthalten: In Lauterborn werden zwei Buslinien in Fahrtrichtung Innenstadt getauscht – auch in diesem Fall Ergebnis einer Fahrgasterhebung. Dadurch verkehrt die Linie 105 mit dem Gelenkbus übers Ringcenter, während das derzeit die 104 mit dem Solobus erledigt. Auf der 104 wird die Linienführung in der Carl-Ulrich-Siedlung verändert. Bei der Linie 103 ändert sich die Aufteilung des Wegs ab der Haltestelle Karl-Herdt-Weg – ein Ast führt über die Mühlheimer Straße und Waldheim an den Schlosspark Rumpenheim, während der zweite Ast über den Neuen Friedhof ins Baugebiet Waldheim-Süd abbiegt – vorerst geschieht das im 30-Minuten-Takt.

In der zweiten Phase wird’s kostspieliger: Die Verkehrsplaner binden die Baugebiete Bürgel-Ost und Waldheim-Süd ins Liniennetz ein durch die Erweiterung der Linie 108 und eine dichtere Taktung der Linie 103. Versehen ist das Ganze mit einem Finanzierungsvorbehalt. Bedeutet: Die Experten bereiten die Maßnahmen vor. Diese werden umgesetzt, wenn „tatsächlich ein entsprechender Bedarf zu verzeichnen ist“. Sollte dies nicht der Fall sein oder das erforderlichen Geld nicht zur Verfügung stehen, „wird unter Umständen davon abgesehen“.

Der komplette Nahverkehrsplan 2013-17 mit mehr als 170 Seiten soll heute abrufbar sein unter www.nio-of.de.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare