Name und Gesicht

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Landesgeschäftsführer Günter Woltering verabschiedete Sybille Stallmann-Beseler (Mitte) und begrüßte Han ne Schirmer.

Offenbach - Die kleine Sybille träumte davon, Rennfahrerin zu werden. Später wollte sie beruflich mit Menschen zu tun haben. Von Markus Terharn

Beim Rundblick im Bücherturm stellte Stallmann-Beseler fest: „Dieser Wunsch ist offensichtlich in Erfüllung gegangen!“ Fast 100 Gäste, darunter die Sozialdezernenten Felix Schwenke (Stadt) und Carsten Müller (Kreis), verliehen am Montag ihrer Verabschiedung einen würdigen Rahmen.

Die 63-Jährige machte keinen Hehl daraus, dass ihr die – freiwillige – Entscheidung nicht leicht gefallen ist: „Im Lauf der Zeit sind viele vertrauensvolle Kontakte und Arbeitsbeziehungen entstanden.“ Beim Aufräumen ihres Büros sei ihr aufgefallen, wie wenig sich grundsätzliche Fragestellungen verändert hätten. Als Beispiele nannte Stallmann-Beseler die Wohnungsnot, die Armutsproblematik sowie den Komplex Bildung und Teilhabe. Diese Themen hätten sie ein Leben lang bewegt, nicht nur bei ihrer Arbeit. „Chancengleichheit für alle Kinder, unabhängig von der Herkunftsfamilie, aber auch vom Geschlecht, ist mir ein Anliegen.“

Kein Erkenntnis-, sondern ein Umsetzungsproblem

Nach Ansicht Stallmann-Beselers hat die Gesellschaft kein Erkenntnis-, sondern ein Umsetzungsproblem. „Vieles von dem, was ich im Studium der Erziehungswissenschaft gelernt habe, ist weitgehend aktuell.“ Aus diesem Grund habe sie die Engagementförderung auch nicht nur beruflich begleitet. „Ich hatte das Glück zu erfahren, dass bürgerschaftliches Engagement sich lohnt“, sagte sie etwa über ihre Vorstandstätigkeit im Freiwilligenzentrum.

Stallmann-Beselers Dank galt den Vertretern der Mitgliedsorganisationen im Paritätischen, ihren Kollegen, den Mitarbeitern der anderen Wohlfahrtsverbände sowie den Mitstreitern in Netzwerken wie dem Engagement-Netz und der AG Mädchen. Und nicht zuletzt ihrer Familie – ihrem Mann, dem ebenfalls in den Ruhestand gegangenen früheren Stadtkämmerer Michael Beseler, mit dem sie verstärkt die Welt bereisen will, sowie den beiden erwachsenen Kindern.

Als „personifizierten Paritätischen“ bezeichnete Landesgeschäftsführer Günter Woltering die Scheidende. In zwei Jahrzehnten als Regionalgeschäftsführerin habe sie dem Verband in Stadt und Kreis Offenbach, Main-Kinzig-Kreis und Wetterau einen Namen und ein Gesicht gegeben und so für hohen Wiedererkennungswert gesorgt. „Arme, Alte und Behinderte hat sie nicht vergessen.“ Die Prinzipien des Paritätischen habe Stallmann-Beseler auf lokaler Ebene umgesetzt und sie mit Leben gefüllt.

Jahreseintrittskarte für 34 Frankfurter Museen

Woltering schenkte der Kunstliebhaberin einen Kalender sowie eine Jahreseintrittskarte für 34 Frankfurter Museen für zwei Personen. Er nutzte auch die Gelegenheit, Stallmann-Beselers Nachfolgerin vorzustellen: Hanne Schirmer (46), Diplom-Sozialpädagogin, systemische Sozialtherapeutin und derzeit in der Endphase des Masterstudiengangs Sozialmanagement, den sie im März 2013 abschließen will. Die Mutter einer Tochter sowie von vier bei ihr und ihrem Mann vom Jugendamt untergebrachten Kindern lebt im Odenwald.

„Trotz mehr als 20 Jahren aktiver Sozialarbeit habe ich meinen Idealismus, der mich mit 19 Jahren zum Studium gebracht hat, bis heute nicht verloren“, versicherte Schirmer. „Ich glaube immer noch an die Realisierbarkeit von sozialer Gerechtigkeit.“

Ihr Lebensmotto aus dem Film „Der kleine Lord“ zitierte Hanne Schirmer, die von ihrer Vorgängerin einen Monat lang in ihre neue Aufgabe eingeführt worden war, so: „Jeder Mensch sollte mit seinem Leben die Welt ein ganz klein wenig besser machen.“

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