Wie sich Namen von Bildungseinrichtungen ändern

Von Hindenburg zu Leibniz

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Die Albert-Schweitzer-Schule war zur Nazizeit nach Horst Wessel benannt. Das Stadtarchiv-Foto stammt aus der Zeit vor 1963: Von 1920 bis 1963 fuhr eine Straßenbahn über die Waldstraße nach Tempelsee.

Offenbach - In der Zeit der Hakenkreuze war es etwas leichter, die beiden Schulen zu unterscheiden. Damals war die heutige Albert-Schweitzer-Schule als Horst-Wessel-Schule nach einem zum Märtyrer stilisierten Berliner SA-Führer benannt, dem 1930 ermordeten Verfasser der NS-Hymne „Die Fahne hoch“. Von Lothar R. Braun 

Auch die Volksschule am Friedrichsplatz ehrte mit dem Namen Ringshausenschule einen prominenten Nationalsozialisten. Der Offenbacher Lehrer Friedrich Ringshausen (1880-1941), NS-Mitglied seit 1923, war als Ministerialrat zum Abteilungsleiter im Hessischen Staatsministerium aufgestiegen. Er gehörte seit 1930 dem Deutschen Reichstag an und war auch mal Gauleiter für Hessen.

Die höchste Ehre indes genoss die ehemalige Friedensschule, die wir heute als Bachschule kennen. In der braunen Zeit durfte sie den Namen Adolf-Hitler-Schule tragen. Mit einer Ehre von etwas minderem Rang musste sich in jener Zeit das 1909 fertiggestellte Gymnasium an der Parkstraße begnügen. Die heutige Leibnizschule schmückte sich als Hindenburgschule mit dem Namen des 1934 verstorbenen Reichspräsidenten und Feldmarschalls.

Ohne politischen Namen blieb am Rande des Stadthofs die 1873 erbaute Oberrealschule am Stadthaus, obwohl sie bei den Nationalsozialisten Beachtung fand. In Otto Schlanders Broschüre „Schulen in Offenbach“ (Offenbacher Geschichtsblätter Nr. 19 aus dem Jahr 1969) ist zu lesen, wie dort am 7. März 1933 während der großen Pause unversehens mit klingendem Spiel die SA aufzog. Aus einem Fenster der Schule richtete Friedrich Ringshausen im Braunhemd eine „zündende Ansprache“ an Lehrer und Schüler. Danach lebte die Schule nur noch fünf Jahre. 1938 wurde sie eingegliedert in die Oberrealschule am Friedrichsplatz.

Unter dem neuen Namen Rudolf-Koch-Schule räumte sie 1947 das Gebäude an der Waldstraße zugunsten der Höheren Mädchenschule, die bis dahin an der Geleitsstraße zu Hause war und inzwischen den Namen Albert-Schweitzer-Schule trägt. An der Parkstraße fand die Koch-Schulgemeinde Obdach im Gebäude des von der Hindenburgschule zur Leibnizschule gewandelten Gymnasiums. Beide Schulen mussten sich mit Schichtunterricht abfinden. Erst 1957 konnte die Rudolf-Koch-Schule zur beidseitigen Erleichterung in einen Neubau an der Schlossstraße wechseln.

Schon ein Jahr zuvor war an der Waldstraße ein Ersatz für die nicht wieder aufgebaute Volksschule am Friedrichsring entstanden. Der Neubau erhielt den Namen Humboldtschule. Etwa um diese Zeit erhielt nach umfangreichen Renovierungen die Eichendorffschule ihren Dichternamen. Von 1865 bis dahin war sie lediglich als Schule an der Bleichstraße bekannt. Mit der Namensverleihung kam 1958 die Renovierung zum Abschluss.

Eine besondere Entwicklung fällt an der Theodor-Heuss-Schule auf, die diesen Namen 1966 bezog. Ihr Name ehrt den ersten Bundespräsidenten, der im selben Jahr geboren wurde, in dem auch die Schule wurzelt. Sie begann 1884 an der Glockengasse als Fortbildungsschule der Handelskammer und erhielt 1907 ein Hinterhaus am Sitz der Kammer im Anwesen Kaiserstraße 28.

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Als nunmehr städtische Schule wechselte sie 1933 an die Hospitalstraße und 1938 an die heutige Berliner Straße in Höhe des Rathauses. 1946 unterrichtete sie im Gebäude der Albert-Schweitzer-Schule, von 1956 bis 1972 im Haus Geleitsstraße 18. Am Buchhügel konnte sie sich danach zu einer Kombination unterschiedlicher Schulformen entwickeln.

Von manchen Offenbacher Adressen ist kam noch jemandem bekannt, dass sie einmal Schulhäuser waren. Im Haus Kaiserstraße 7 beispielsweise, war bis 1909 die Schule untergebracht, die dann in einen Neubau an der Parkstraße umzog und zum Leibnizgymnasium wurde. Das Haus Kaiserstraße 18, heute integriert in das Justizzentrum, ist zwar ursprünglich als Hospital gebaut worden, diente jedoch lange dem Schulunterricht.

Schulhäuser standen am Französischen Gässchen, an der Glockengasse, der Herrnstraße und auch an der Bahnhofstraße. Sie sind allesamt aus der kollektiven Erinnerung geschwunden. Geblieben ist indes die Erfahrung, dass man in Offenbach seit eh und je hinter jeder Ecke etwas lernen kann.

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