Narren tolerieren sogar Beiträge von jenseits des Mains

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TGO-Urgestein: Der „alte Genießer“ Fritz Lorz.

Offenbach ‐ Frohsinn und Narretei haben das Zepter übernommen. Auch die Elfer von 1896 lassen sich wieder von Prinz Karneval regieren und feiern mit fetzigen Fastnachtsliedern der „Almdudler“ die Narrensitzung im Festsaal der Turngesellschaft Offenbach (TGO). Von Daniel Heisig

Im schick aufgemachten „Liederheft 2011“ fand jeder die Anleitung zum Mitsingen, Schunkeln und Klatschen. Den Abend eröffnete mit „Offenbach Hallau“ und Blumen werfend der Elferrat beim Einzug. Ein wenig die Augen reiben musste man sich zuerst. War das Festpodium doch nur mit acht, dann neun Personen besetzt.

Die Narrensitzung in Bildern:

TGO-Elfer feierten im eigenen Festsaal

Die beiden Zeremonienmeister machten den Elfer dann aber doch voll. „Ihr bewegt euch jetzt zu einem Schunkellied“, gab Sitzungspräsident Hans Metzler die Parole aus. Die richtige Antwort auf jegliche Frage, die gestellt wurde, konnte das Publikum auf der mit viel Liebe gestalteten Bühne ablesen. Prangte dort doch in großen Buchstaben als Motto, das „Offenbach Hallau“. So war die Stimmung von Anfang an gut, auch wenn der Eindruck nicht täuschte, dass noch viele Zuschauer hineingepasst hätten in den Saal.

Ein kleiner Wermutstropfen vielleicht, hatten Erfahrungen der vergangenen Jahre doch immer ein volles Haus gezeigt. Vereinsvorsitzender Mirko Schneeberger war dennoch nicht enttäuscht, sogar zufrieden mit dem Zuspruch. Für ihn ist jeder Gast eine Anerkennung für das Engagement des Vereins.

Hauptsache ist, dass das Publikum sich amüsiert. So gab der Elferrat den Startschuss fürs Programm. Hier verwandelte zuerst der „eingebildete Kranke“, alias Sven Bub die Narhalla in sein Wartezimmer und berichtete aus seiner Akte. „Seht mich an, bin abgemagert, nichts mehr dran, ein Schatten was ich früher war“, war da zu hören. Die vielfältigen Methoden zur Heilung seiner Wehwehchen pries er an, um am Ende zu erkennen, dass nur die Fastnacht wahre Genesung bringen kann. Das Publikum quittierte seinen Krankenschein mit viel Gelächter.

Auch Nummern von „jenseits des Mains“

Zu Abba-Rhythmen verzauberten dann Lisa-Maria und Anna-Lena Ritsch als Frankfurter Polkaduo im attraktiven Turnerdress nicht nur das männliche Publikum und beendeten ihre Nummer mit einem gekonnten Spagat. Einen solchen musste Präsident Metzler auch vollführen, als er dem Publikum die Tatsache erklärte, dass auch Nummern von „jenseits des Mains“ im Programm zu finden seien. Schlüssig aber seine Argumentation: „Im Karneval sind die Ressentiments weggewischt zwischen Frankfurt und Offenbach“.

Danach eröffnete die Garde des TSC Fantasy Offenbach den Tanzreigen. Zoe Melchers von der Stadtgarde begeisterte mit ihrem Kindertanz. Es folgten die FTO Dancers Oberrad, die mit Regencape und Schirm erst beschaulich zu „Singing in the rain“, dann fast lasziv zu „It´s raining man“ tanzten. Nach der Pause hielt das Offenbacher Prinzenpaar Prinz Herbert II. und Prinzessin Sabine I. von Lederanien mit Gefolge Einzug. Eine besondere Ehre wurde Sitzungspräsident Hans Metzler zuteil. Er bekam für sein langjähriges Engagement das „Lederanische Verdienstkreuz in Gold“.

Im Anschluss bezauberten die junge KOO-Garde und das als schottische „Highlander“ verkleidete Männerballett der Bürgergarde Offenbach mit gekonntem Beinschwung. Frieder Gruber berichtet als „en geplaachte Ehemann“ von einem der unlösbar erscheinenden Kämpfe der Natur, dem Unterschied zwischen Mann und Frau. „Allein schon unser Körperbau erhebt uns über jede Frau“, seine gewagte These, die die Damen im Publikum mit einem „Au-wau-wau“ bekundeten. Rehabilitieren konnte sich Gruber wieder, indem er sang: „Was wären wir Männer ohne Frauen.“ Stimmungsvolle Musik, die die „Speeslochfinken“ mit ihrem musikalischen Finale fortführten. So konnten die Veranstalter am Ende im Meer der Luftballons trotz kleiner Pannen auf die Fastnachtssaison anstoßen, die in diesem Jahr den Narren viel Zeit zum Feiern bietet.

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