Net mit de Nas’ druff stumbe

Offenbach - Er übernimmt die Verantwortung. Ohne Wenn und Aber entschuldigt er sich. Das adelt den Oberbürgermeister. Aber es ändert nichts am entstandenen Schaden. Die sieben Bäume auf dem Wilhelmsplatz sind weg, das Vertrauen in die Verwaltung ist es ebenfalls. Beschädigt ist aber auch der Oberbürgermeister.

Die sträfliche Nachlässigkeit in seinem Dezernat hat eine Flanke geöffnet, über die seine traditionellen politischen Widersacher ebenso wie die unversöhnten Gegner einer Wilhelmsplatzumgestaltung trefflich attackieren können.

Naturfreunde, Anwohner und Wochenmarktkunden haben gewiss Anlass, derart über das Ende von sieben gewohnten und vielleicht auch lieb gewonnenen Bäumen zu trauern, dass die in Aussicht gestellten Neuanpflanzungen keinen Trost bieten können.

Kommunalpolitiker aller Couleur haben allen Grund, am guten Willen einer Verwaltung zu zweifeln, die alles ignoriert, was vor nicht allzu langer Zeit aus einem ähnlichen Anlass heraus festgelegt wurde: Die „Schnittstellenvereinbarung“ der Dezernate sollte verhindern, dass noch einmal wie 2005 im Rumpenheimer Schlosspark Bäume ohne gemeinsame Entscheidung fallen. Die erste echte Bewährungsprobe hat die Vereinbarung nicht bestanden.

Am schwersten wiegt aber das schlechte Gefühl vieler Offenbacher, dass ihnen die ganze Zeit in Sachen Wilhelmsplatz-Bäumen etwas vorgegaukelt wurde. Eine Art geschicktes Baum-Management des Baumanagements wird gemutmaßt. In einer Presseerklärung versuchte Horst Schneider gestern diesen Verdacht zu entkräften. Hinters Licht geführt worden sei niemand, die Öffentlichkeit vielmehr „in einem beispielhaften Verfahren im Vorfeld informiert und an der Gestaltung beteiligt worden“.

Das sei nicht in Abrede gestellt. Den einen, jetzt für eine Entlastung entscheidenden Satz, kann er freilich nicht beibringen: Nie wurde schriftlich festgehalten oder zumindest mündlich ausdrücklich mitgeteilt, dass Bäume der Neuordnung des Parkplatzteils auf dem Wilhelmsplatz entgegen stehen und folglich entfernt werden müssen. Wäre dies nämlich je eindeutig kommuniziert worden, hätte das mit hundertprozentiger Sicherheit sowohl eine Politdebatte über Alternativen als auch eine Leserbriefkampagne zur Baumrettung provoziert.

Da das jedem klar ist, liegt der Gedanke natürlich nahe, dass man genau das hat vermeiden wollen. Die noch frische Umgehung des Umweltamts und der Verzicht auf öffentliche Ankündigung der Fällung untermauert ihn. Da hilft es wenig, wenn der OB erklärt, es sei anhand der Pläne „unschwer zu erkennen, dass im Zug der Umgestaltung zahlreiche Bäume neu gepflanzt und andererseits einige entfernt werden müssen“.

Tatsächlich konnte es natürlich kein Laie, ob Journalist, Bürger oder Stadtverordneter, erkennen, dem man es nicht ausdrücklich erläutert hat. Die Zusammenfassung der großartigen Bürgerbeteiligung lässt nur jetzt im Nachhinein dank besseren Wissens erkennen, dass der Baum-Tod von vornherein geplant war: „Der Baumstreifen mit großen, alten Kastanienbäumen wird unangetastet in die Gestaltung der Platzfläche integriert.“ „Eine große Sorge vieler Standbesucher ist, dass Bäume aus den seitlichen Baumstreifen gefällt werden müssen. Dass dieses nicht der Fall ist, dass dagegen insg. 14 neue Bäume im Bereich des Dauerparkplatzes Fläche C gepflanzt werden sollen, wird sehr erfreut aufgenommen.“

Das kann man als Sägemehl empfinden, das einem bewusst in die Augen gestreut wurde. Man kann aber auch dem Oberbürgermeister glauben, der versichert, dass es nie Absicht gewesen sei, der Öffentlichkeit die Notwendigkeit der Baumfällung vorzuenthalten. Am besten aber wählt man für die letztliche Bewertung die Formulierung eines Offenbacher Kommunalpolitikers, der damit namentlich nicht zitiert sein möchte: „Ei, mer hat die Leut halt net mit de Nas’ druff stumbe wolle.“

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