Die Nase voll in Tempelsee

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Die Enten scheint’s nicht zu stören, doch würden Fotos riechen, hielte sich der Leser nun die Nase zu. Die Tempelsee-Anlage ist umgekippt und riecht übel.

Offenbach - Anwohner und Spaziergänger in Tempelsee haben die Nase voll: Zunehmend fauligen Geruch verbreiten die beiden Teiche der Anlage - vor allem an warmen Tagen. Grund dafür ist der Schlamm im Tümpel. Davon gibt es einfach zu viel. Von Katharina Hempel

In dem stehenden Gewässer haben sich im Laufe der Zeit immer mehr Blätter, Äste oder totes Getier angesammelt. Diese sind abgesunken statt weggespült zu werden, da der ehemaligen Kalkgrube Zu- und Abfluss fehlen. So wurde der Sauerstoffgehalt darin immer weniger, der Tempelsee kippte schließlich um.

Aktuell verbergen sich unter der 3000 Quadratmeter großen Wasseroberfläche rund 2000 Kubikmeter Schlamm. Das entspricht in etwa der Füllmenge eines Schwimmerbeckens. „Den Teichen bleibt damit gerade eine 50 Zentimeter tiefe freie Wasserfläche, das führt zu der Geruchsbelästigung“, erklärt Sigrid Pietzsch, vom Amt für Stadtplanung und Baumanagement.

Nun soll die Ursache allen Übels für 240.000 Euro ausgebaggert und entsorgt werden. „Eine viertel Million für den Dreck?“, mag sich der Offenbacher fragen. Doch ausbuddeln und wegkippen allein reicht hier nicht. Der Boden ist geringfügig mit Blei und Zink belastet, wie die Untersuchung eines Experten ergab. Folglich muss er zunächst wieder aufbereitet und entgiftet werden, bevor er letztlich auf der Müllkippe landet. „Der Preis ist so hoch aufgrund der großen Menge, die entsorgt werden muss“, sagt Sigrid Pietzsch.

Kein Lebensraum für Tiere

Auch andere Möglichkeiten der Gewässersanierung standen zur Debatte, erwiesen sich letztlich als wenig praktikabel. „Auf den ersten Blick finanziell günstigere Lösungen, etwa eine Belüftung, wurden wegen des ungenügenden Schlammabbaus als nicht nachhaltig eingestuft und deshalb verworfen“, heißt es aus dem Rathaus.

Aber bevor die Bagger anrücken, wird das Wasser abgepumpt und der Schlamm ausgetrocknet, bis er stichfest ist. Diese Arbeiten sind für November vorgesehen. Davor fischen die örtlichen Anglervereine den Giebel, den letzten Seebewohner, heraus. Dabei handelt es sich um eine stark angepasste Fischart, der selbst schlechteste Wasserqualität zum Leben genügt. Bis auf wenige Grünfrösche ist die Teichanlage auch amphibienfrei.

In ihrem jetzigen Zustand bieten die Tümpel keinen Lebensraum für Tiere. Das wird sich hoffentlich ändern - spätestens, wenn im nächsten Sanierungsschritt das Gehölz im Randbereich abgetragen und einige der Schilf- und Flachwasserzonen im Randbereich neu angelegt worden sind.

Dann werden auch die Spaziergänger und Anwohner die Nase wieder voll haben - dann hoffentlich mit frischer Tempelseeluft.

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