Insektenfallen stellen auch Ordnungswidrigkeit dar

Nasser Tod für alles, was in der Luft schwirrt

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„Das ist doch Mord“: Diese Insektenfalle vor einem Discounter empört.

Offenbach - Jetzt im Sommer plagen sie allgegenwärtig: Ganze Geschwader von Fliegen, Stechmücken oder Wespen haben es auf das Blut oder die Speisen des Menschen abgesehen. Es braucht viel Toleranz, ihnen nicht nachzustellen. Von Veronika Schade

Wem die Fliegenklatsche nicht reicht, der greift mitunter zu Drastischerem. Anleitungen zum Bau von Insektenfallen sind im Internet schnell gefunden. Doch ist das die Lösung? Eine Falle, die mit Flüssigkeit gefüllt ist und durch ihren süßlichen Geruch Insekten in den nassen Tod lockt, hat Leserin Margit G. gut sichtbar an einem Discounter-Parkplatz in Offenbach entdeckt. „Das ist Mord“, meint sie. „Mit welcher Berechtigung hängt man so etwas öffentlich an einem Parkplatz auf? Das halte ich für absolut unangebracht.“

Die Tierschützerin bemängelt, dass niemand Interesse am Schicksal der Tiere zeige. „Wir brauchen alle Tiere, ob groß oder klein.“ Zumal neben Stechmücken, Fliegen und Wespen auch viele weitere Insekten in der Falle ertrinken. „Und das, obwohl die Leute dazu angehalten werden, Insektenhotels zu bauen. Das widerspricht sich.“

Aus ökologischer Sicht problematisch

Rolf Weyh, Diplombiologe und stellvertretender Leiter des Offenbacher Umweltamtes, betrachtet die Fallen ebenfalls „mit Zähneknirschen“: „Sie sind aus ökologischer Sicht problematisch. Es verenden darin auch nützliche, bedrohte und unter naturschutz stehende Insekten wie Bienen und Schmetterlinge, Hummeln und Hornissen.“ Sie zu töten, sei eine Ordnungswidrigkeit. Damit erfülle das Aufhängen der Fallen, für das ohnehin „kein vernünftiger Grund“ bestehe, den laut Bundesnaturschutzgesetz verschärften Verbotstatbestand des „Tötens besonders geschützter Tiere“, weil deren Anlockung und Tötung zumindest billigend in Kauf genommen werde. Dafür seien Bußgelder fällig. Absichtliches Töten von Wespenvölkern könne mit bis zu 50.000 Euro geahndet werden.

Weyh betont, dass die Tiere oft durch die Fallen überhaupt erst angelockt würden. „Sie wären unter Umständen sonst gar nicht mit dem Menschen in Kontakt gekommen.“ Wenn sich viele Insekten an der Falle befänden, sei es wahrscheinlich, dass einige auch mal zum Kind mit dem Eis flögen.

Tierfreundliche Alternativen gefragt

Da sind also tierfreundliche Alternativen gefragt. Weyh empfiehlt, sich draußen mit Insektenschutzmitteln einzureiben. Lebensmittel und Getränke sollten abgedeckt werden, damit ihr Duft die Tiere nicht anlockt. „Draußen sollten Sie und Ihre Kinder immer mit Strohhalm trinken und sich nach dem Essen den Mund abwischen“, rät der Experte. Eine Möglichkeit sei, den Tieren als Ersatz für Bratwurst und Co. etwas zerdrücktes überreifes Obst, besonders Weintrauben, Birnen oder Brei von überreifen Bananen auf mehreren Schälchen in fünf bis zehn Metern Entfernung vom Gartentisch aufzustellen.

Hektische Abwehrbewegungen seien bei Bienen und Wespen zu vermeiden, Zigaretten- und Grillrauch sowie Farbkontraste wie helle Kleidung auf gebräunter Haut könnten sie reizen. Bei ruhigem Verhalten gebe es jedoch keinerlei Probleme zwischen Mensch und Insekt. „Wespen sind sehr aktive Schädlingsbekämpfer“, bricht der Naturschützer eine Lanze für die Brummer. So benötige ein Volk der größten Wespenart, der Hornisse, für die Ernährung seiner Brut sieben bis zwölf Kilogramm Insekten in einem Sommer. Und die Stechmücken? Dass deren Sympathiewerte gering sind, weiß auch Weyh. „Einen vernünftigen Zweck scheinen sie nicht zu haben, außer dass ihre Larven Fischen als Futter dienen. Aber auch sie sind Elemente des Naturhaushaltes und haben damit ihre Existenzberechtigung.“

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