Bei Nebel kein Durchblick

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Dichte Nebelschwaden lassen nur eine begrenzte Sicht zu.

Offenbach - Besonders Autofahrer haben es nicht leicht dieser Tage: Dichte Nebelschwaden lassen nur eine begrenzte Sicht zu. Doch er macht auch den Meteorologen das Leben schwer. Denn: Wissenschaftlich exakt lässt sich nicht sagen, wo und wann Nebel auftaucht. Von Katharina Hempel

„Es ist ein Problem, Nebel vorherzusagen, denn die Modelle erfassen ihn nicht“, greift Hans-Joachim Koppert, Leiter der Wettervorhersage, das Thema in seinem Vortrag auf.

Anlass für seine Rede ist der Jahresempfang des Deutschen Wetterdienstes (DWD), zu dem DWD-Präsident Gerhard Adrian gestern in das Dienstgebäude in der Frankfurter Straße 135 geladen hatte. Rund 60 Gäste waren seiner Einladung gefolgt, darunter auch Bürgermeisterin Birgit Simon (Grüne), Polizeipräsident Roland Ullmann und Branddirektor Uwe Sauer.

Thematische Schwerpunkte setzt der Jahresempfang bei Schutz und Sicherheit der Bevölkerung. So folgt den Grußworten des Vorstandsvorsitzenden Adrians und des Referatsleiters beim Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, Karl Trauernicht, ein Vortrag über „Wetterinformationen für den Bevölkerungsschutz“. Am Rednerpult: Gerold Reichenbach, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Komitees für Katastrophenvorsorge und Bundestagsabgeordneter der SPD.

Unwetterwarnungen können Menschenleben retten

Unwetterwarnungen, sofern rechtzeitig ausgesprochen, können Menschenleben in der betroffenen Region retten, lautet sein zentrales Argument. Die Vorhersage gibt diesen Bewohnern, der Feuerwehr, dem Technischen Hilfswerk und anderen Katastrophenhelfern die nötige Zeit, um sich vorzubereiten und die entsprechenden Schutzmaßnahmen zu treffen. „Die Bedeutung von Wetterinformationen für den Bevölkerungsschutz ist sehr einfach nachzuvollziehen, wenn wir uns vor Augen führen, dass 75 Prozent aller Katastrophen natürlichen Ursprungs durch Wetterextreme ausgelöst werden“, erklärt Reichenbach.

Wenn auch kein Extrem, so doch ein Wetterphänomen, ist zur Zeit der Nebel in den Morgen- und Abendstunden. „An Modellen, die diese Bewegungen erfassen können, wird weltweit gearbeitet“, berichtet Wettervorhersage-Chef Koppert am Ende seines Vortrags „Wetter mit Sicherheit - Die Warnungen des Deutschen Wetterdienstes“.

Zuvor erklärt Koppert er, wie der DWD seine Warnungen erstellt und aufbaut. Oberstes Prinzip seien dabei stets Zielgenauigkeit und Verständlichkeit für den Nutzer. Beispiel: Schnee. Zwischen zwei und fünf Tagen vor Schneefall in Deutschland sprechen die Wetterexperten von einer „Frühwarnung“. Je mehr Zeit verstreicht, desto präziser werden ihre Vorhersagen, wo der Niederschlag fallen wird. 12 bis 48 Stunden vor der weißen Pracht können die Wetterleute bereits eine auf Bundesländer bezogene „Vorwarnung“ aussprechen, ab einem halben Tag die „(Un-) Wetterwarnung“ sogar auf den Landkreis genau.

Genauigkeit des DWD

Und die Genauigkeit des DWD hat sich in den vergangenen zehn Jahren stark verbessern können. Neue Berechnungsmodelle und neue wissenschaftliche Methoden sind der Grund dafür. Den anschaulichen Beweis liefert Koppert mit einem Diagramm: 2003 liegt die grüne Kurve der „Erkennungsrate“ noch unter der roten „Falscher Alarm“-Kurve. Sechs Jahre später ist die rote Kurve bereits um die Hälfte gesunken.

Doch es könnte laut Vorhersage-Leiter Koppert noch besser gehen: „Wir arbeiten an Verfahren, mit denen wir die Unsicherheit beschreiben können.“ Anders gesagt: Wenn es soweit ist, kann der DWD noch genauer prognostizieren mit welcher prozentualen Wahrscheinlichkeit es zu Regen oder auch Nebel kommt.

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