Notizbuch der Woche

Kommentar: Nebelkerzen geworfen

Wenn’s in der gegnerischen Mannschaft Krach gibt, so lautet eine Sportlerweisheit, dann steigen die Chancen auf einen Sieg des eigenen Teams. Demnach kann sie sich die Spitze der Mannheimer MVV Energie AG genüsslich zurücklehnen und zuschauen, wie in Offenbach über die EVO gestritten wird. Von Matthias Dahmer

Nicht nur dem Betrachter aus der Ferne bietet sich da nämlich ein peinliches Szenario: 71 Stadtverordnete geben im Sommer 2009 dem Magistrat den Auftrag, über die Zukunft des lokalen Energieversorgers nachzudenken, an dem die Stadt als Minderheitsaktionär mit knapp 48 Prozent beteiligt ist. Erklärtes Ziel: Eine Strategie, wie man in den Verhandlungen mit dem EVO-Mehrheitseigner MVV möglichst viel für Offenbach rausholen kann. Ein halbes Jahr später präsentiert die Stadtregierung ein - wie vereinbart - vertraulich zu behandelndes Papier. Das wird, nachdem es gewogen und an die Öffentlichkeit gelangte, für viel zu leicht befunden.

Der Bericht biete weder Strategien noch Alternativen im Poker mit der MVV, lautet der Vorwurf. Stimmt, sagt Verfasser Michael Beseler. Und der Kämmerer liefert eine bemerkenswerte Begründung: Weil davon auszugehen sei, dass vertrauliche Unterlagen dieser Art immer an die Öffentlichkeit gelangten, könne man dort nicht die wirklich entscheidenden Sachen reinschreiben. Hallo ? Alles eine Schauveranstaltung, in der nur Nebelkerzen geworfen werden und die man sich hätte sparen können, also. Da kann sich der gemeine Volksvertreter und derjenige, der ihn in schöner Regelmäßigkeit wählen soll, doch nur verwundert die Augen reiben.

Verlässlichkeit sieht anders aus.

Hinzu kommt, dass die, die am lautesten lamentieren über zu lasche Formulierungen im EVO-Zukunftsbericht - und kraft ihrer Funktionen im Offenbacher Politbetrieb eigentlich Bescheid wissen über den Stand der Dinge - mithin mitmachen beim unwürdigen Gezerre. Während der CDU dabei wegen ihrer Oppositionsrolle gerade noch Verständnis für ihr Vorgehen entgegengebracht werden darf, ist die Kritik der Grünen am Beseler-Papier kaum nachvollziehbar. Wirft sie doch die Frage auf, wie weit man im Bestreben, sich für den Wahlkampf in Stellung zu bringen, die Koalition strapazieren kann. Grünen-Fraktionschef Peter Schneider soll denn auch in interner Koalitionsrunde für seine markigen Worte zum Beseler-Bericht schon gewaltig zusammengefaltet worden sein. Vermutlich deshalb begibt sich die jüngste Verlautbarung der Grünen zum Thema wieder auf Schmusekurs zur SPD. Verlässlichkeit sieht anders aus.

Dass im Team wieder Einigkeit herrscht übers weitere Vorgehen, ist denn auch unabdingbare Voraussetzung fürs erfolgreiche Verhandeln. Weil eine Rekommunalisierung der Energieversorgung wohl nur als ein Gedankenspiel angesehen werden muss und andere Allianzen auch keine ernsthafte Alternative darstellen, bleiben als Trümpfe für Offenbach die Konzessionen für Gas, Strom und Wasser. Ob sie stechen, werden die nächsten Monate zeigen. Jedenfalls wäre es schon mal was, wenn in einer Mannheimer Chefetage die entspannte Haltung kein Dauerzustand wird.

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