Nicht jede Erwartung erfüllt

Neue Wohnungen neben dem Seniorenzentrum

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Die Wohnungen, die am Hessenring standen, sind nur noch Berge aus Schutt. Bald werden dort Mietwohnungen entstehen.

Offenbach - Die nicht mehr sanierungsfähigen Sozialwohnungen am Hessenring sind Geschichte. Um mit dem Bau neuer Mietwohnungen durch das Gemeinnützige Siedlungswerk (GSW) beginnen zu können, muss auch die benachbarte Seniorenbegegnungsstätte weichen. Von Rebecca Röhrich 

Mit dem Gelände hatten sich andere Erwartungen verbunden. Die 37 Mietwohnungen, die auf dem ehemaligen Gelände der Stadt gebaut werden sollen, sollen barrierefrei sein; mit Terrassen, Balkonen und Loggien – zwischen zwei und vier Zimmer groß. Im Erdgeschoss soll eine öffentliche Veranstaltungsstätte den maroden Else-Herrmann-Saal von nebenan ersetzen. Kostenpunkt fürs GSW: 8,5 Millionen Euro.

Das Projekt ist letzlich ein Kompromiss. Die nun vor der Verwirklichung stehenden Pläne haben so manchen enttäuscht: Ursprünglich hatte der gemeinnützige Verein Lebenswert ein Mehrgenerationenwohnhaus zwischen dem städtischen Seniorenzentrum und dem Else-Herrmann-Haus vorgeschlagen. Familien, Senioren und Alleinstehende sollten nach einem Konzept zusammenleben, das über rein nachbarschaftliche Hilfe hinaus geht. Mit Blick auf den demografischen Wandel eine zukunftsweisende Wohnform, lobten Soziologen. Eine finanzielle Alternative zu den für die Stadt kostenintensiven Pflegeheimen, bekräftigte Heidi Weinrich, zuständig für die kommunale Altenplanung.

Sogar bis zur Baureife waren die Pläne des gemeinnützigen Vereins, der bereits ein solches Mehrgenerationenwohnhaus an der Weikertsblochstraße betreibt, im Jahr 2012 vorangeschritten. Doch dann kam dem Projekt die missliche finanzielle Lage der Stadt dazwischen. Denn das Geld für dieses soziale Wohnprojekt sollte von der Stadt kommen, das 2600 Quadratmeter große Grundstück von der Gemeinnützigen Baugesellschaft Offenbach (GBO) in Erbpacht von der Stadt übernommen werden. Die GBO sollte das Haus auch bauen und schließlich an den Verein vermieten. Also wenig gewinnversprechend für die Stadt, die aufgrund der strengen Auflagen des kommunalen Rettungsschirms vom Regierungspräsidium den Auftrag erhalten hatte, städtisches Eigentum zu Geld zu machen. Die Pläne des Vereins hatten das Nachsehen, das Areal wurde auf dem freien Markt angeboten.

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Im Januar 2015 stimmte das Stadtparlament dem Angebot des GSW zu. Eine Million sollte das Geschäft in die Stadtkasse spülen. Doch die Rechnung ging nicht ganz auf: Das Wohnungsunternehmen der Bistümer hat zwar 1,65 Millionen Euro für das Gelände gezahlt. Abzüglich der Vorauszahlung der Miete für den Else-Herrmann-Saal über 20 Jahre, eine Summe, die sich auf 900.000 Euro beläuft, liegt allerdings der Erlös des Verkaufs bei nur 527.000 Euro. „Gut für die Nutzer, schlecht für die Stadt“, wertete CDU-Fraktionschef Peter Freier deshalb das Geschäft. Und wittert dahinter Begünstigungen der Alt-SPDler, die den Else-Herrmann-Saal vor allem nutzen.

Armin Niedenthal, Geschäftsführer der GSW, kann die Vorwürfe seitens der CDU aber nicht nachvollziehen. Schließlich sei es nicht selbstverständlich, dass ein Investor sich dazu bereit erkläre, ein gemeinnütziges Projekt, in sein Bauvorhaben zu integrieren. Zudem brauche die Stadt dringend Mietwohnungen. Dem GSW gehe es nicht um einen schnellen Gewinn, sondern um eine langfristige Investition, so Niedenthal. „Wir wollen mit dem Bau am Hessenring einen Gegentrend zu den hochpreisigen Eigentumswohnungen setzen.“ Der erste Bauabschnitt sieht den Neubau des Else-Herrmann-Saals und 21 Wohnungen am Hessenring 61 und Goerdelerstraße 1 vor. Er soll Ende 2017 abgeschlossen sein.

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