Bilanz der Stadtwerke-Holding

Negativer Ausreißer

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Aushängeschild für Stadt und Stadtwerke: Das Capitol und die Stadthalle tragen sich jedoch nicht selbst.

Offenbach - Sondereffekte wie die Folgen der Insolvenz der OFC-Profi-GmbH verhageln der Stadtwerke-Holding die Bilanz des Geschäftsjahrs 2013. Von Thomas Kirstein 

Die prozentuale Veränderung des Jahresergebnisses der Stadtwerke liest sich dramatisch: minus 398 Prozent. Blieben 2012 noch 4,5 Millionen übrig, fehlen 2013 stolze 13,5 Millionen. Der Aufsichtsratsvorsitzende, Oberbürgermeister Horst Schneider, und Geschäftsführer Peter Walther zeigen sich dennoch zufrieden. Der eine freut sich, dass die Stadtwerke trotz eines „herausragend negativen Geschäftsjahrs“ wie für den Schutzschirm vereinbart drei Millionen Euro in die Stadtkasse überweisen. Der andere belegt „Sondereffekte“, die eine jahrelang positive Bilanz verhagelten.

Den spektakulärsten Einbruch verschuldete die Insolvenz der Profi-GmbH der Offenbacher Kickers. Sie kostet die Stadiongesellschaft Bieberer Berg (SBB) unterm Strich 9,6 Millionen – nicht als echtes Geld, wie Walther betont, sondern bilanziell durch Wertberichtigungen, Sonderabschreibungen und Abschreibungen auf Forderungen. So ist das Stadion in den Büchern unter anderem weniger wert, weil weniger Miete fließt. „Ein Schlag für die Holding, der erstmal verdaut werden musste“, sagte OB Schneider gestern. Immerhin war eine Insolvenz der SBB zu verhindern gewesen.

Zudem lässt sich die traditionelle Milchkuh Stadtwerke nicht mehr wie gewohnt melken. Die Energieversorgung Offenbach hat 2013 ihre Dividende wegen schlechterer Ertragslage in der gesamten Branche um 4,6 Millionen auf 8,1 Millionen Euro gekürzt. Erstmals waren die Defizite der Verkehrs-Betriebe höher als die EVO-Ausschüttung. Daran wird sich so schnell nichts ändern.

Viele energetische Sanierungen

Zu Buch schlägt 2013 auch die ungewöhnlich hohe Zahl von 410 Wohnungen, welche die Gemeinnützige Baugesellschaft Offenbach energetisch sanieren ließ. Neben diesen teils externen Einflüssen wirkte sich der Anstieg der Personalkosten von 37,6 auf 38,4 Millionen aus. Dieser liegt an der Aufstockung von 878 auf 920 Mitarbeiter: Das Recycling-Zentrum der insolventen GOAB wurde übernommen, während die GBO weniger auf Subunternehmer zurückgriff. Inzwischen braucht der ESO wegen der Biotonne zusätzliche Hände. Walther versichert, dass stets über dem branchenüblichen Mindestlohn gezahlt werde.

Nach schwierigem Stadtwerke-Geschäftsjahr: Aufsichtsratsvorsitzender Horst Schneider, Geschäftsführer Peter Walther.

In die nähere Zukunft blicken Schneider und Walther optimistisch. 2014 soll das Jahresergebnis plus 743.000 Euro betragen. Dank des Griffs in die Rücklage (18 Millionen liegen auf der hohen Kante) gibt’s für die Stadt dann wieder drei Schutzschirm-Millionen – zwei direkt, eine in Form von kostengünstiger erbrachten Leistungen. Geschäftsführer Walther unterstreicht die wirtschaftliche Konsolidierung der Holding als weiter bestehende Aufgabe. Vergangenes Jahr rollten führende Köpfe: EEG-Chef Reinhard Hantl und OVB-Boss Volker Lampmann mussten gehen, ihre Aufgaben wurden verteilt. Beschlossene und weitere Sparmaßnahmen seien konsequent umzusetzen.

Hafen ein „Drauflegegeschäft“

Dabei fordert Walther besonders das Geschäftsfeld Mobilität. Dieses ist neben „Immobilien“, „Stadtservice“ und „Veranstaltungen“ eine von vier Sparten, in denen das recht unübersichtliche Firmengeflecht der Holding nach Aufgaben zusammengefasst wurde. Für dieses Jahr ist eine stärkere Verzahnung mit städtischen Ämtern angepeilt.

Aufsichtsratschef Schneider freut sich über Geschäftsfelder, die schon prima funktionieren. Hervor hebt er die stärker als je angenommen brummende Vermarktung der städtischen Grundstücke im Hafen und im Gebiet An den Eichen durch die Stadtwerke-Tochter Offenbacher Projektentwicklungsgesellschaft. Für dieses Jahr wird erwartet, dass das Land seine Kaufoption für das Polizeipräsidiums-Gelände einlöst, was die Stadtwerke um zehn Millionen Euro flüssiger machen würde. (Ein Teil dieses Gelds ist bereits für das Besucherzentrum am Wetterpark ausgegeben.)

Das Neubaugebiet im Hafen, sagt Peter Walther, bleibe wegen hoher Sanierungskosten vorerst ein „Drauflegegeschäft“, jedoch inzwischen nur noch eins in einstelliger Millionenhöhe. Eine Bilanz lasse sich erst ziehen, wenn das letzte Grundstück verkauft sei. Zu der These, dass den Stadtwerken seitens der Stadt zu viele Projekte aufgebürdet würden, will sich Chef Walther nicht äußern: „Das ist eine politische Frage.“ Aufsichtsratschef Schneider erklärt, dass es schon seit langem die Grundsatzentscheidung gebe, den Stadtkonzern bei der Stadtentwicklung heranzuziehen.

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