Neonazis mit getarnter Symbolik

Offenbach ‐ Es sind besorgte, aber vor allem interessierte Gesichter, in die Michael Weiss blickt. Der Mann vom antifaschistischen Pressearchiv in Berlin ist zur Gast in der „Cafete“ der Hochschule für Gestaltung (HfG), um über Nazistrukturen in Offenbach zu sprechen. Eingeladen hat ihn die Antifa des Kreises. Von Katharina Platt

Auf Plüschsofas und zwischen 50er-Jahre-Tapeten sitzen 40 junge Leute, die eines eint: Die Abneigung gegen Neonazis und rechtsradikales Gedankengut. „Kick Nazis in(s) Of(f)“ heißt die Veranstaltung, die sich vor allem an Schüler wendet und Hilfe bieten soll, Neonazis zu erkennen.

Denn so einfach wie man glaubt, ist das nicht. Zwar gibt es sie noch, die klassischen Neonazis mit Glatze und Stiefeln. Doch die meisten lassen sich mittlerweile nicht mehr auf den ersten Blick als Menschen mit rechtsradikalem Gedankengut identifizieren. Dass sie dennoch existieren, weiß nicht nur der Experte Weiss. Auch Dennis und Alex aus Offenbach haben ihre Erfahrungen gemacht. In letzter Zeit fällt ihnen die rechtsradikale Szene immer häufiger auf. „Wir sehen viele Aufkleber der NPD und anderer Gruppierungen“, erzählt Dennis. Ein Bekannter der beiden wurde zusammengeschlagen. „Weil er eine antifaschistische Einstellung hat“, sagt Alex.

Entsetzt über Fascho-Party

Antje Hagel vom Fanprojekt der Kickers kennt vor allem den Antisemitismus in der Fanszene der Stadt. „Es ist wichtig, diejenigen zu stärken, die sich nicht an den rechten Parolen beteiligen“, sagt sie.

Michael Weiss kennt die Naziszene in Offenbach und dem Rhein-Main-Gebiet. Als er berichtet, dass die letzte Fascho-Party im Waggon der HfG gefeiert wurde, sind viele entsetzt.

Kodiert präsentieren die Rechten heute ihre Weltanschauung. Dafür aber dann meist völlig ungeniert. Wer die Symbole erkennt, ist erstaunt, wie offen viele sie zur Schau stellen. Weiss wirft per Beamer Fotos an die Wand der „Cafete“. Eine Partyclique aus Neu-Isenburg zeigt ungeniert den Hitlergruß, ein junger Rechtsradikaler hält stolz seinen tätowierten Unterarm in die Kamera. „Meine Ehre heißt Treue“ prangt in großen Lettern auf der hellen Haut. Der Leitspruch der SS-Soldaten im dritten Reich. Die Gäste sind schockiert von so viel Dreistigkeit.

Modisch und unauffällig

Andere Symbole sind nicht so einfach zu identifizieren. „Das ist so gewollt“, sagt Weiss. Modisch und unauffällig treten Mitglieder der Szene auf. Typische Symbole sind das Zahnrad, das Keltenkreuz oder der Thorshammer. Weil Zeichen aus dem Dritten Reich verboten sind, werden andere einfach zweckentfremdet.

Nach dem Vortrag wird diskutiert. Alle sind sich einig: Sie wollen sich organisieren, gegen die Szene, die aus der Geschichte nichts gelernt hat. Ein Rezept, wie man auf sie reagiert, gebe es nicht. Aber es sei wichtig, dass man sich verbindet, sagt Weiss. „Man sollte innerhalb seiner Lebenswelt antifaschistisch arbeiten“, rät ein Zuhörer. Nächste Woche wollen sich viele der Jugendlichen wiedertreffen und überlegen, wie man gegen die rechte Szene vorgehen kann.

Rubriklistenbild: © dpa

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