Netzwerk funktioniert

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Die Bundespolizei warb im Ringcenter für Zivilcourage und gab Tipps für mehr Sicherheit im Alltag.

Offenbach - „Ey Süße, zeig mal deine Kette“, pöbelt Nico, die Füße auf den gegenüberliegenden Sitz des OVB-Busses gelegt. Pauline möchte eigentlich nur nach Hause. Von Alexander Kroh

Den Samstagabend hat sie im Kino verbracht, sie ist müde und muss sich jetzt mit einer Konfliktsituation im Bus auseinandersetzen.

Szenen wie diese erleben Jugendliche häufig in ihrem Alltag. Darum sind sie auch Teil einer öffentlichen Vorführung anlässlich des vierten Offenbacher Präventionstages, der gestern von 9 bis 16 Uhr im Ringcenter stattgefunden hat.

Pauline und Nico sind ganz normale Schüler der Geschwister-Scholl-Schule und stellen unter der Anleitung ihrer Klassen- und PiT-Lehrerin (Prävention im Team) Barbara Ewert eine typische Bus-Szene dar. Sie demonstrieren den Zuschauern zwei verschiedene Arten, in die Situation einzugreifen, bevor diese eskaliert.

Der diesjährige Präventionstag steht unter dem Motto „Sicherheit in und um Schulen“. Schon die ganze Woche lang fanden Aktionen an Offenbacher Schulen statt, die etwa die Verkehrssicherheit vor dem Pausenhof thematisierten. „Die größte Gefährdung der Schüler geht durch die Eltern aus, die ihre Kinder mit dem Auto zum Unterricht fahren“, erklärt Sabine Süßmann, Projektleiterin von „Besser leben in Offenbach“. Ordnungsdezernent Paul-Gerhard Weiß betont in dem Zusammenhang, dass Kinder ohnehin lieber zur Schule laufen sollten. Dadurch lernten sie den Umgang mit dem Verkehr und würden selbstständiger.

Verkehrssicherheit ist aber nur ein Aspekt des Präventionstages, der von der Stadt (Ordnungs- und Jugendamt) organisiert und von zahlreichen Stellen getragen wird.

Konfliktsituationen ohne Gewalt klären

Zu nennen wären da das hessenweite Netzwerk gegen Gewalt, die Kampagne „Gewalt-Sehen-Helfen“ oder das oben erwähnte PiT-Gewaltpräventionsprojekt, bei dem Schulen mit Polizei und Stadt zusammenarbeiten, um die Schüler anhand von speziellen Trainingseinheiten dafür zu sensibilisieren, wie sie Konfliktsituationen ohne Gewalt klären können. „Konflikte lösen geht auch anders, und das sogar besser“, findet Frank Weber, stellvertretender Leiter des Ordnungsamts und Geschäftsstelle Kommunale Prävention. Unterstützt werden die Schulen dabei vom „ Förderverein Sicheres Offenbach“.

„Das Netzwerk funktioniert“, grinst Weber, während im Hintergrund das People’s Theatre mit „Gang Violence“ Gewaltszenen mit Tänzen nachstellt. Auch der Boxclub Nordend zeigt, wie Boxsport als Chance für sozial auffällige und benachteiligte Jugendliche dienen kann. Kunden des Ringcenters halten interessiert inne. „Genau darum geht es“, freut sich Weber, „die Leute bleiben stehen, wir kommen mit ihnen ins Gespräch“.

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