Wirtschaftsentwicklungsstrategie

Neuansiedlungen den Weg ebnen

Offenbach - In der „Servicewüste“ Deutschland will Offenbach bei potentiellen Gewerbeansiedlern künftig mit Rundum-Sorglos-Paketen glänzen. Von Jenny Bieniek

„Wir müssen den Offenbacher Ruf eines Schnellbootes im Vergleich zum Tanker Frankfurt wieder stärken“, formuliert es Oberbürgermeister Horst Schneider. Mit einem bundesweit einmaligen Konzept, das offiziell unter dem sperrigen Namen Wirtschaftsentwicklungsstrategie firmiert und Teil des sogenannten Masterplans ist, wollen Stadtverwaltung sowie Industrie- und Handelskammer künftig gemeinsam dafür Sorge tragen, dass die Gewerbeansiedlung im einstigen Industriezentrum wieder Fahrt aufnimmt.

Denn obwohl Offenbach zentral im Rhein-Main-Gebiet liegt, verfügt die Stadt noch über jede Menge freie Gewerbeflächen. Insgesamt, rechnet Wirtschaftsförderer Jürgen Amberger vor, warten 1,2 Millionen Quadratmeter auf Nutzung, 280.000 davon seien kurzfristig zu vermarkten. Genau das wollen die beteiligten Akteure mit dem neuen Konzept offensiv tun.

Laufplan oder Checkliste

Die Idee: Weil eine Verwaltung gemeinhin anders tickt als Wirtschaftsvertreter, soll eine Projektgruppe aus nur noch einer Handvoll Ansprechpartnern potentiell ansiedlungswilligen Neuzugängen im Bürokratie-Dickicht mit Rat und Tat zur Seite stehen. Heißt konkret: Bevor Investoren Genehmigungsanträge bei der Stadt einreichen, erstellt die Wirtschaftsförderung ihnen eine Art Laufplan oder Checkliste, die darüber aufklärt, welche Dokumente oder Gutachten dafür nötig sind und welche Behörden am Entscheidungsprozess beteiligt sind.

Die Handelskammer ihrerseits unterstützt die Gewerbetreibenden, indem sie beratend tätig wird und beispielsweise mehrere akkreditierte Firmen nennt, die die nötigen Gutachten erstellen. Daneben gibt’s Beratung in Sachen Wohnungsmarkt oder schulische Angebote. Denn große Firmen brächten nicht selten ihre Manager mitsamt Familie mit. Am Ende stehen damit mehr Transparenz für den Investor, reduzierte Zuständigkeiten und optimierte Genehmigungsverfahren, die im Idealfall schneller bearbeitet werden können. „Wir haben den Fuß schon in der Tür, sie muss nur noch aufgestoßen werden“, betont Amberger. Er sei „dankbar, dass nun auch die IHK ihre Potentiale mit einbringt“, um das hiesige Wirtschaftswachstum zu fördern.

Offenbacher Haushalt

Denn als die Verantwortlichen im vergangenen Jahr ihre Unterschrift unter den Schutzschirmvertrag setzten, gingen sie damit auch eine Verpflichtung ein: Um den hochverschuldeten Offenbacher Haushalt schnellstmöglich wieder auf Kurs zu bringen, muss die Stadt vor allem die Gewerbesteuereinnahmen steigern.

Die IHK begleitet das Projekt in einer Art Mediatorenrolle, die Verantwortung für die Umsetzung liegt jedoch bei der Stadtverwaltung. Daneben fällt der Kammer die Aufgabe der späteren Auswertung zu. „Aus meiner Sicht ein deutliches Zeichen der gewachsenen Kommunikation und des Vertrauens zueinander. Am Ende wird diese Kooperation der Stadt gut tun“, glaubt IHK-Präsident Alfred Clouth. Er und Hauptgeschäftsführer Markus Weinbrenner hoffen, dass die Aufmerksamkeit, die der Masterplan erzeugt hat, auch der Wirtschaftsentwicklungsstrategie nutzt.

Gewerbemarkt in Heusenstamm

Gewerbemarkt in Heusenstamm

Stellvertretend für die Wirtschaft hat Clouth drei Forderungen an die Stadtverwaltung formuliert: Erstens sei politische Sicherheit vonnöten, welche Flächen für Gewerbe und welche für Wohnbebauung vorgesehen sind. Zweitens müsse die Verwaltung künftig mutiger und wirtschaftsförderlicher agieren. Und drittens seien schnelle Verfahren und verlässliche Zusagen wichtig, um potentiellen Ansiedlern die Planung zu erleichtern.

Zwar habe Bildung und Erziehung nach wie vor Priorität im Investitionsprogramm des chronisch klammen Offenbach, „aber auch Bildung kann nur bezahlt werden, wenn mittels Gewerbesteuer Einnahmen erzielt werden“, erinnert Clouth.

Rubriklistenbild: © dpa

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