Neue Carl-Ulrich-Brücke: Ein Bauen und Schieben

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Rodungen am Fechenheimer Mainufer zeugen davon, dass der Neubau der Carl-Ulrich-Brücke endlich angepackt wird.

Offenbach - Nach Jahren der Planung soll die in ihrer jetzigen Form seit Anfang der 50er Jahre bestehende Carl-Ulrich-Brücke, über die seit September 2010 schon keine schweren Lkw mehr rollen dürfen, nun durch einen Neubau ersetzt werden. Von Matthias Dahmer

Könnte der Mainfischer an der Carl-Ulrich-Brücke seinen Kopf drehen, er würde vermutlich wohlgefällig auf das blicken, was vom kommenden Herbst an rund um die Brücke passiert.

Weil die Straße, welche über die 238 Meter lange Brücke führt, die Landesstraße L 3001 ist, läuft das Projekt unter Federführung von Hessen Mobil, dem früheren Landesamt für Straßen und Verkehrswesen. Dort geht man davon aus, dass voraussichtlich Anfang 2014 der Verkehr über die neue Querung rollen kann.

Brücke soll nur einen Monat lang gesperrt sein

Die gute Nachricht für alle, die die Verbindung zwischen Offenbach und Fechenheim nutzen: Die Brücke soll nur einen Monat lang gesperrt sein, wenn möglich in den Winterferien 2013/2014. Die nächstgelegenen Querungsmöglichkeiten über den Main sind in dieser Zeit die Rumpenheimer Fähre im Osten und die Kaiserleibrücke im Westen.

Trotz wesentlich längerer Bauzeit soll das mit der nur einmonatigen Sperrung so funktionieren: Die neue Brücke, eine Stahlbeton-Konstruktion, wird östlich der bestehenden, also Richtung Mainuferparkplatz, auf provisorischen Pfeilern mit beweglichen Lagern vormontiert und dann mittels Hydraulik in die Position der alten Querung eingeschoben. Das alte Bauwerk muss zu diesem Zweck vorher mit gleicher Technik Richtung Hafen ebenfalls auf provisorische Fundamente geschoben werden, wo es später demontiert wird. Als „hydraulischer Querverschub“ wird das ganze Verfahren von Fachleuten bezeichnet. Während die vierwöchige Vollsperrung den betroffenen Autofahrern wohl einiges an Geduld abverlangen wird, hält Offenbachs Verkehrsplaner Hans-Joachim Bier-Kruse die Beeinträchtigungen in der übrigen Zeit für beherrschbar.

Wie bisher nur zwei Fahrspuren

Auch auf der neuen Brücke wird es wie bisher nur zwei Fahrspuren geben, die Mainüberführung kann also nicht mehr Verkehr als bisher verkraften. Dagegen haben Radler und Fußgänger künftig ein wenig mehr Platz. Der kombinierte Geh- und Radweg auf der neuen Carl-Ulrich-Brücke, sagt Carmen Koch von der Pressestelle bei Hessen Mobil, sei jeweils drei Meter breit. Bislang stünden auf jeder Seite nur 2,25 Meter zur Verfügung.

Nicht nur dem Verkehr zu Lande, sondern auch auf dem Wasser müssen die Planer Rechnung tragen. Die Schifffahrt auf dem Main, so lautet die Vorgabe, muss auch während der Bauzeit gewährleistet sein. Die neue Carl-Ulrich-Brücke kommt mit einem Stützpfeiler weniger aus, so dass künftig mehr Platz für die Kähne auf dem Main ist.

Vorhaben mit gemischten Gefühlen

Bei der Stadt Offenbach sieht man dem Vorhaben mit gemischten Gefühlen entgegen. Grundsätzlich, so Verkehrsplaner Bier-Kruse, sei man natürlich nicht gegen einen Neubau. Doch habe ein „starkes Interesse an einer anderen Brückenform“ bestanden. Anders ausgedrückt: Offenbach wehrte sich gegen die nun kommende billigere Variante. So war im Sommer des vergangenen Jahres, als das Planungsverfahren noch nicht so weit fortgeschritten war, davon die Rede, dass die vom Land favorisierte, mit rund 13 Millionen Euro kostengünstige Version einen massiven Einschnitt in das Stadt- und Landschaftsbild darstelle, ein plumper Entwurf sei. Offenbach wollte an Stelle des Stahlbeton-Bauwerks eines mit Bogen oder mit Schrägseil-Konstruktion.

Daraus ist nichts geworden. Laut Pressesprecherin Koch liegt der Planfeststellungbeschluss inzwischen vor, die Ausschreibung laufe. Immerhin wurde Offenbach bei der Kosmetik fürs neue Bauwerk erhört: So sollen die Lampen auf der Brücke dem städtischen Beleuchtungskonzept angepasst werden und die farbliche Gestaltung des Neubaus orientiert sich mit ihren Grautönen an der künftigen Bebauung des benachbarten Hafenareals.

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