Offenbach: Neubau der Trauerhalle am Neuen Friedhof beschlossen

Gebäude soll Wandel der Bestattungskultur Rechnung tragen

Ein Flachbau mit viel Glas für rund 100 Besucher: So sieht der Entwurf der künftigen Trauerhalle am Neuen Friedhof aus.  
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Ein Flachbau mit viel Glas für rund 100 Besucher: So sieht der Entwurf der künftigen Trauerhalle am Neuen Friedhof aus. visualisierung: stadt

Als im Sommer 2019 die Pläne für den Abriss oder die Sanierung der Trauerhalle am Neuen Friedhof öffentlich zur Diskussion gestellt wurden, zeigte sich schnell: Das Thema ist hoch-emotional besetzt. Erkennen viele doch ein architektonisches Kleinod, das seit nunmehr 52 Jahren prägend für den Friedhof an der Mühlheimer Straße ist.

Offenbach - Doch auch schon vor einem Jahr war nicht wegzudiskutieren: Das Gebäude ist in die Jahre gekommen. Schimmel, ein undichtes Dach, marode Sozialräume und – was seinerzeit noch nicht bekannt war – defekte Abwasserkanäle zeugten und zeugen von Handlungsbedarf.

Den hat der Magistrat nun in einen Beschluss gegossen: Danach wird der öffentlich zugängliche Trauerbereich samt Trauerhalle abgerissen und neu gebaut und das Krematorium mit den Sozialräumen kernsaniert. Das Vorhaben ist mit rund sechs Millionen Euro kalkuliert. Baustart soll Anfang 2021 sein, die Bauzeit ist mit etwas mehr als einem Jahr veranschlagt. In der Bauphase wird sich mit einer „ansprechenden“ Zeltlösung beholfen, heißt es.

Die neue Trauerhalle fasst 160 Besucher, rund 200 weniger als die bestehende. Der mit großen Glasfenstern versehene Flachbau, in den die Halle integriert ist, orientiert sich etwas mehr Richtung Parkplatz und wird so konzipiert sein, dass dort große und kleine Feierlichkeiten möglich sind. Zudem soll die Trauerhalle so eingerichtet werden, dass sie für unterschiedliche Religionen und Konfessionslose einen würdigen Rahmen bietet. Im Neubau sind Räume zum Abschied nehmen, für rituelle Waschungen und ein zusätzlicher Kühlraum für 120 Särge vorgesehen. Schließlich wird die Friedhofsverwaltung mit einem Informationsbüro dort untergebracht.

„Niemand hat sich die Entscheidung leicht gemacht“, sagt Bürgermeister Peter Freier. Schon die lange Prüf- und Verfahrensdauer von fast zwei Jahren belege das. Abgesehen von den bautechnischen Mängeln erfülle die bestehende Trauerhalle vor allem auch nicht mehr die aktuellen Anforderungen an ein solches Gebäude. „Das Gebäude ist nicht barrierefrei, hat eine sehr schlechte Energiebilanz und entspricht nicht den Voraussetzungen für die in den vergangenen Jahren geänderte Trauerkultur in der vielfältigen Stadt Offenbach“, so Freier. Man plane jetzt mindestens für die kommenden 25 Jahre und habe dabei auch die veränderte Gesellschaftsstruktur in Offenbach im Blick.

Zugleich rechnet Freier vor, dass eine anfangs ebenfalls in Betracht gezogene Sanierung der Trauerhalle sich nicht gerechnet hätte. Bei der vertiefenden Planung seien die Kosten dafür auf 6,8 Millionen Euro geschätzt worden, die nun beschlossene Variante schlage mit rund sechs Millionen zu Buche. Zudem seien die jährlichen Betriebskosten zu beachten. Die hätten sich bei einem sanierten Gebäude auf 51 600 Euro belaufen, während die Unterhaltung des Neubaus nur knapp 36 000 Euro koste.

2019 waren die Kosten für einen Neubau noch mit 3,3 Millionen Euro veranschlagt worden. Dass sich der Betrag nun fast verdoppelt hat, erklärt der Bürgermeister damit, dass es sich seinerzeit um eine Grobschätzung gehandelt habe und nun konkretere Pläne vorlägen. Zudem sei 2019 noch nicht der maroden Abwasserkanal bekannt gewesen.

Die vom Offenbacher Künstler Bernd Rosenheim geschaffenen Fenster und das Portal in der bestehenden Trauerhalle sollen ausgebaut und entweder eingelagert oder Rosenheim zurückgegeben werden, berichtet Peter Freier. Der Künstler hatte 2019 in einem Offenen Brief an den Magistrat gedroht, gegen einen Abriss gerichtlich vorzugehen, sein Werk sei urheberrechtlich geschützt. „Rosenheim hat die Urheberrechte an seinen Werken, aber nicht am Gebäude“, meint Freier, der zugleich andeutet, dass sich das Verhältnis zu dem Künstler nicht entspannt hat.

Der SPD-Kritik, wonach die 2019 versprochene Bürgerbeteiligung nicht stattgefunden habe, entgegnet Freier, Corona habe dem einen Strich durch die Rechnung gemacht. Eine Bürgerversammlung sei nicht zu verantworten gewesen. Dafür sei nun ein Video über das Vorhaben entstanden, bei dem auch die Möglichkeit bestehe, via Mail an den ESO seine Meinung kund zu tun. Freier: „Jeder bekommt eine Antwort.“

Infos im Internet

www.offenbach/trauerhalle

Von Matthias Dahmer

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