Überangebot erweitert

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Präsentierten beim Richtfest das neue Pflegeheim (von links): Bauherr Thomas Zethin, Chef von Care-Center Invest, Rainer Radzuweit von der Fondsgesellschaft Immac, welche die Immobilie kauft, und Ralf Licht, Geschäftsführer des Betreibers Casa Reha.

Offenbach - Es wird der dritte Neubau eines Altenheims in Offenbach innerhalb von zwei Jahren sein: Voraussichtlich im Spätsommer geht am Spessartring 22, neben dem DRK-Kreisverband, ein Seniorenpflegeheim mit 164 Betten in Betrieb. Von Matthias Dahmer

Gestern ist Richtfest für den lang gestreckten, siebenstöckigen Bau, den der Bauherr – die Care-Center Invest GmbH aus Hannover – „Lilihof“ getauft hat. Care-Center- Chef Thomas Zethin lobt die verkehrsgünstige Lage, den „unverbaubaren“ Blick auf Frankfurt, den die Bewohner von der obersten Etage aus haben werden, in der Speisesaal und Küche untergebracht sind. Als Besonderheit und „Abrundung des Pflegestandorts“ hebt Zethin hervor, dass sich neben dem Pflegeheim betreute Wohnungen der AWO befinden.

Der Bauherr wird sich indes nicht lange an seinem neuen Objekt erfreuen. Er verkauft es an die Hamburger Immac GmbH, eine Fondsgesellschaft, die sich auf Sozial- immobilien spezialisiert hat und im Fall des „Lilihofs“ als Endinvestor fungiert, wie Immac-Projektmanager Rainer Radzuweit erläutert.

80 Prozent der Zimmer in der Einrichtung sollen Einzelzimmer sein, zwei Stockwerke mit 60 Betten sollen für die Betreuung von Demenzkranken reserviert werden, berichtet Architektin Irmtraud Swoboda.

Betreiber des Pflegeheims

Betreiber des Pflegeheims ist die Unternehmensgruppe Casa Reha aus Oberursel. Sie führt bundesweit 55 Pflegeheime, in denen 8700 Menschen leben. Garant für eine qualitativ funktionierende Einrichtung sind die Zahlen allein indes noch nicht: Das Casa-Reha-Pflegeheim „An den Niddaauen“, ein 127-Betten-Haus im Norden Frankfurts, war 2010 kurzzeitig geschlossen worden, nachdem bei Kontrollen unhaltbare Zustände entdeckt wurden. Für Casa-Reha-Sprecher Ralf Krenzin ist das alles Geschichte. Das Frankfurter Haus werde wieder hervorragend geführt. In Offenbach würden insgesamt 100 Stellen geschaffen; wieviele davon Pflegekräfte sein werden, hänge von den Bewohnern und deren Pflegestufe ab.

Bauherr Zethin ist optimistisch, dass trotz wachsender Konkurrenz die Betten in dem neuen Heim zu füllen sind. Als Richtwert für den Bedarf pro Kommune gilt ein Prozent der Einwohnerschaft. In Offenbach seien das 1200 Betten. Bis dahin sei noch etwas Luft.

25 Betten pro 1000 Einwohner über 65 Jahre

Heidi Weinrich wird die Rechnung mit Erstaunen zur Kenntnis nehmen. Für die städtische Altenplanerin steht fest: In Offenbach gibt es ein Überangebot. Ihre Rechnung orientiert sich am offiziellen hessischen Richtwert, der von 25 Betten pro 1000 Einwohner über 65 Jahre ausgeht. Danach bestand Ende 2010, dem Zeitpunkt der jüngsten statistischen Erhebung, für Offenbach ein Bedarf von 518 Betten. Wenn der „Lilihof“ eröffnet wird, verfügt Offenbach mit dem neuen DRK-Heim am OTC-Gelände (121 Betten), dem Domicil-Pflegeheim im Westend (179) und den länger bestehenden Einrichtungen über mehr als 1100 Betten. Eine Zahl, die selbst bei Berücksichtigung einer gewissen Steigerungsrate seit 2010 das Überangebot verdeutlicht.

Steuerungsmöglichkeiten hat die Stadt keine, den Bau der Heime regelt der Markt. Dass es zu einem gnadenlosen Wettbewerb kommt, lässt sich vermuten. Im Domicil, berichten Kenner, seien von den 179 Betten nur 80 belegt, einige Etagen stünden komplett leer. „Im Rhein-Main-Gebiet herrscht zudem ein großer Mangel an Fachpersonal“, gibt Weinrich zu bedenken.

Im Übrigen genügten die in Offenbach gebauten Einrichtungen nicht den architektonischen Ansprüchen an Pflegeheime. So lehne das Kuratorium Deutscher Altershilfe den Bau von Bettenbunkern mit mehr als 100 Betten strikt ab, ebenso die Einrichtung von Doppelzimmern.

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